Keine Security-Uniform. Das scheint die rote Linie zu sein, die die Stadtverwaltung Konstanz nicht überschreiten möchte. Denn eben diese Security-Uniformen soll das private Präventionsteam, über dessen Beauftragung der Haupt- und Finanzausschuss in der kommenden Woche entscheiden soll, ausdrücklich nicht tragen. Hintergrund ist der seit Jahren schwelende Streit zwischen Anwohnern und Besuchern des Herosé-Areals. Der vorerst letzte Stand: Ende April wandten sich mehr als 100 Bewohner des Gebiets per Unterschriftenliste an Oberbürgermeister Uli Burchardt (wir berichteten). Tenor: Kein Kiosk mit Getränkeverkauf, dafür Grillverbot und – darauf zielt der Vorschlag der Verwaltung nun ab – die Schaffung eines kommunalen Ordnungsdiensts.

Der Standpunkt der Stadt bleibt: Die bereits andiskutierte öffentliche Grillzone im westlichen Bereich Richtung Bodenseeforum und der Betrieb eines "b.free Saftladens" zur Alkoholprävention würde zur Beruhigung des Herosé-Parks beitragen, wie es der Probebetrieb eines Kiosks mit Getränkeverkauf getan habe. Darüber hinaus will die Stadt nun doch auch personell mehr Präsenz zeigen. Für rund 30.000 Euro soll deshalb ein Präventionsteam im Auftrag der Stadt Streife laufen – mit vier Personen an Wochenenden und vor Feiertagen, von Mai bis September zwischen 20 und 2 Uhr. Vorerst nur für die Saison diesen Jahres und finanziert über Mehreinnahmen aus dem aktuellen Verwaltungshaushalt. Und: Nicht nur am Herosé-Park soll der Ordnungsdienst wirken, sondern auch an weiteren Orten mit Zugang zum Ufer. Als Beispiel nennt die Stadt die Seestraße oder das Schänzle.

Wirklich schön ist es im Sommer im Herosé-Park. Er dient vielen Konstanzern aller Altersklassen als Freizeitraum. Anwohner fühlen sich allerdings vor allem durch den Lärm abends und nachts gestört und sehen die Stadt in der Pflicht das zu ändern.
Wirklich schön ist es im Sommer im Herosé-Park. Er dient vielen Konstanzern aller Altersklassen als Freizeitraum. Anwohner fühlen sich allerdings vor allem durch den Lärm abends und nachts gestört und sehen die Stadt in der Pflicht das zu ändern. | Bild: Oliver Hanser

Christian Millauer, Vorstand des Vereins Bürgergemeinschaft Petershausen und einer der Initiatoren der Unterschriftenliste an OB Burchardt, begrüßt den Vorschlag. "Natürlich wäre es mir lieber, wenn dieses Präventionsteam auch dauerhaft eingesetzt wird. Aber ich weiß, dass die Finanzierung im Gemeinderat zuletzt ein Problem war," sagt er. Kiosk- und Grillverbot müssten aus seiner Sicht dennoch bleiben. Denn: "Ich habe trotz des schlechten Wetters der vergangenen Wochen das Gefühl, dass es eher noch mehr Leute werden."

Den Kostenrahmen von 30.000 Euro hält Millauer für realistisch und erinnert: Rund 250 Eigentümer am Hofgarten hätten in der Vergangenheit für einen über die Hausverwaltung Wobak beauftragten eigenen Sicherheitsdienst etwa die Hälfte bezahlt. Der wiederum patrouillierte nur bei schönem Wochenende, nur im Zweier-Team und nur am Herosé und nicht an anderen ufernahen Stellen.

Auf die Rücksicht im Herosé-Park achtet ab April ein Ordnungsdienst. <em>Archivbild: Hanser</em>
Auf die Rücksicht im Herosé-Park achtet ab April ein Ordnungsdienst. Archivbild: Hanser

Klare Vorstellungen über die Voraussetzungen für das Präventionsteam hat die Verwaltung bereits. Die Stadt soll als Auftraggeber klar zu erkennen sein, ausgeschlossen seien Security-Uniformen oder eine Ähnlichkeit zur Polizei. Ferner dürften die Kontrolleure des sozialen Miteinanders "keine Aufgaben des staatlichen Sicherheitsmonopols wahrnehmen", wie es in der Beschlussvorlage heißt. Was sich die Stadt unter dem ebenfalls genannten "unverwechselbaren Profil" vorstellt scheint in Richtung Sozialarbeiter zu gehen. Denn sollte es zu einem Auftrag an eine Firma kommen, so müssten die Mitarbeiter entsprechend ausgebildet sein, zum Beispiel an einem Deeskalations-Training teilgenommen oder von der Industrie- und Handelskammer geschult worden sein.

Die öffentliche Sitzung des Haupt- und Finanzausschuss findet am Dienstag, 9. Mai, um 17 Uhr im Ratssaal statt.

Der Streit am Herosé-Park

Der Konflikt zwischen Anwohnern des Herosé-Areals und zu lauten Besuchern schwelt bereits seit Jahren, auch das Gutachten einer Expertin 2013 – ihre Empfehlung zu mehr personeller Präsenz versandete zunächst – brachte keinen Frieden zwischen den Parteien.

Der nächste entscheidende Termin nach dem Beschluss des Haupt- und Finanzausschuss wird die Gemeinderatssitzung am 23. Mai sein. Die Entscheidung über die Zukunft des Herosé-Parks muss vom Gemeinderat gefällt werden, weil die Änderung der Grillsatzung mehrheitlich entschieden werden muss. Dort wird auch eine klare Empfehlung des seit 2014 bestehenden Präventionsrates in Sachen Einrichtung eines privaten Ordnungsdienstes erwartet.