Dass Sport ein wichtiger Faktor der Integration ist, gilt inzwischen bereits als Allgemeingut. Die Umsetzung von sportlichen Aktivitäten mit Flüchtlingen bedarf aber eines ordentlichen Maßes an Organisation. Der Stadtsportverband hat sich der Aufgabe angenommen, Flüchtlingskinder an verschiedene Sportarten, die man in Konstanz betreiben kann, heranzuführen.

Die Idee dazu hatte Harald Schuster vom Stadtsportverband schon lange, allerdings fehlten die finanziellen Mittel. Das änderte sich, als Peter Herrmann, Geschäftsführer des Lago Centers, auf Harald Schuster zukam mit der Bereitschaft, Sponsorengelder für ein Projekt zur Verfügung zu stellen.

Vier Teilprojekte haben der Stadtsportverband und die Flüchtlingsorganisation Save me seit Sommer 2015 nun umgesetzt. Eines davon ist eine Ferienbetreuung für Flüchtlingskinder, bei denen diese von Ehrenamtlichen von Save me in den Unterkünften abgeholt und in die Petershauser Halle gebracht werden. Dort nehmen sie spielerisch an Sportaktivitäten teil, unter anderem können sie Trampolin springen. In einem zweiten Projekt, "open sunday", stellen sich Konstanzer Vereine sonntags den Flüchtlingen vor, wie Harald Schuster berichtet. Die Kinder und Jugendlichen haben dabei die Möglichkeit, zwanglos verschiedene Sportarten auszuprobieren. "Das war sehr erfolgreich, einige Kinder haben sich gleich einem Verein angeschlossen". Zwei weitere Teilprojekte gab es, zum einen ein offenes Fußballangebot für Jungen aus der Zeppelinhalle, das nun nach Räumung der Halle überflüssig geworden sei. Zum anderen gab es das Angebot eines Lauftreffs.

Nachdem verschiedene Unterkünfte inzwischen nicht mehr bestehen, will man an den verbleibenden ab Herbst neue Laufangebote machen. Manfred Sobisch, Vorsitzender des Stadtsportverbands, betont, dass die Angebote offen für alle seien: "Im Moment stehen Flüchtlinge im Fokus, aber die Angebote richten sich auch an sozial Schwächere." Auch Bürgermeister Andreas Osner lobte die Ausgestaltung des Projekts: "Es steckt ein System hinter den Angeboten und sie sind nachhaltig". Die Nachhaltigkeit will man von Seiten des Stadtsportverbands und des Lago Shoppingcenters unbedingt erhalten: Beide Seiten wollen das Projekt fortführen, erst einmal über einen Zeitraum von drei Jahren.

Stefanie Hintze, die die Koordination der Projekte übernommen hat, berichtet von großem Interesse auf Seiten der Flüchtlinge. Ein besonderer Erfolg seien die "Open Sundays" gewesen: "Überraschend kam Rollschuhfahren sehr gut an, an diesem Sonntag kamen auch viele einheimische Kinder und es gab gleich Kontakte." Auch an Judo hätten die Flüchtlingskinder Interesse gezeigt, Fußball sei ohnehin beliebt. Je bekannter die Sportart, desto größer sei das Interesse. Als schwieriger schätzt Hintze die Vermittlung der Kinder in Vereine ein. "Die Eltern der Kinder nehmen es eher als einmaliges Programm wahr". Ihnen die Regelmäßigkeit zu vermitteln, die ein Vereinstraining mit sich bringt, sei nicht so erfolgreich. Gut funktioniert habe die Teilnahme der Kinder am ehesten, wenn sie von Ehrenamtlichen abgeholt wurden.

Das Projekt

Der Stadtsportverband bemüht sich, Flüchtlingskinder über den Sport zu integrieren. Das hat eine lange Tradition: Seit 19 Jahren veranstaltet Harald Schuster die integrative Kindersportwoche in der letzten Woche der Sommerferien. Anlass war damals die Ankunft der Aussiedler aus Russland und Kasachstan. Die aktuellen Projekte für Flüchtlingskinder werden vom Lago Center unterstützt. 25 000 Euro hat das Unternehmen für die Projekte zur Verfügung gestellt. Von dem Geld können unter anderem die Übungsleiter, die an der Ferienbetreuung mitwirken bezahlt werden, zudem gab es T-Shirts für die integrative Kindersportwoche.