Es hat Beschwerden gegeben, Diskussionen und wieder Beschwerden: Die Fahrradstraße zwischen Zähringerplatz und Ebertplatz blieb ein steter Quell für Ärger in den vergangenen Monaten. Seit der Verkehr wegen der Baustelle am Sternenplatz umgeleitet wird, hat er in der Petershauser und der Jahnstraße stark zugenommen.

Viele Eltern fürchteten um die Sicherheit ihrer Kinder. In einem offenen Brief an Oberbürgermeister Uli Burchardt forderten einige im Oktober, die Fahrradstraße von Zähringerplatz bis Ebertplatz für Autos zu sperren.

Jahnstraße für Autos künftig nur noch einseitig befahrbar

Jetzt reagiert die Stadtverwaltung auf die Unzufriedenheit: Die Jahnstraße soll vom Zähringerplatz bis zum Bahnübergang für den Autoverkehr in eine Richtung gesperrt werden. Ziel ist, dass dadurch für mehr Sicherheit für Radfahrer und Fußgänger gesorgt wird. Diese Regelung erfolgt auf Vorschlag des externen Beraters, das seit Einrichtung der Fahrradstraße die Planungen der Stadt begleitet. In der Petershauser Straße sind vorerst keine Änderungen geplant.

Die St.-Gebhard-Straße ist in diesem Bild falsch benannt und muss richtigerweise Gustav-Schwab-Straße heißen.
Die St.-Gebhard-Straße ist in diesem Bild falsch benannt und muss richtigerweise Gustav-Schwab-Straße heißen. | Bild: Schönlein, Ute

Die Regelung soll in den ersten Novembertagen 2019 in Kraft treten, berichtet Stephan Fischer, Verkehrsplaner der Stadt. Die Technischen Betriebe warten nur noch günstige Witterung ab, um die Markierungen zu ändern. Die neue Regelung soll zunächst in einer Testphase erprobt werden, ob es dauerhaft dabei bleibt, wird je nach Erfolg der Maßnahme entschieden.

Das ändert sich konkret für Autofahrer

Autofahrer können nach wie vor von der Wollmatinger in die Jahnstraße einfahren. Sie müssen dann aber nach rechts in die Steinstraße abbiegen. Der Abschnitt zwischen Moltkestraße und Steinstraße wird als Einbahnstraße ausgewiesen, Radfahrer dürfen weiterhin in beide Richtungen fahren. Laut Frank Conze, stellvertretender Leiter des Bürgeramts, soll die Polizei an dieser Stelle die Einhaltung der neuen Regelung punktuell überwachen.

In der Gegenrichtung bleibt die Jahnstraße für Autos offen

Dass die Gegenrichtung für den Autoverkehr noch offen bleibt, habe pragmatische Gründe: Während der Sanierung des Sternenplatzes werden Buslinien über Jahn- und Petershauser Straße umgeleitet. Daher bleibt die Gegenrichtung zunächst für den Autoverkehr offen.

Regelung zunächst bis Ende der Sternenplatz-Sanierung

Die jetzt eingeführte Regel soll vorläufig bis zum Ende der Sternenplatz-Baustelle gelten. Dann soll die Regelung mittels einer Verkehrszählung ausgewertet werden, erläutert Verkehrsplaner Fischer. Zwischen Dezember und März wird am Sternenplatz nicht gebaut – auch in dieser Zeit soll der Verkehr in der Jahnstraße gezählt werden. Damit werde man belastbare Zahlen haben, um über eine dauerhafte Regelung entscheiden zu können.

Die voraussichtlichen Folgen

Dass nicht jeder Bürger glücklich sein wird mit der jetzt beschlossenen Maßnahme, ist für die Verwaltung voraussehbar. „Logischerweise wird, sobald man eine Straße sperrt, der Autoverkehr an andere Stelle ausweichen“, sagt Stephan Fischer. Viele Fahrer werden auf die Steinstraße ausweichen.

„Die Straße hat dazu die Kapazität, aber man wird die Folgen beobachten müssen.“ In der Stein- und der Schneckenburgstraße werde der Verkehr zunehmen. „Wir haben in der Fahrradstraße baustellenbedingten Schleichverkehr“, sagt Frank Conze, „diesen wollen wir unattraktiv machen“.

Ohne Rücksicht geht es nicht

Die Stadtverwaltung will darüber hinaus in der Fahrradstraße für größere Rücksichtnahme aller Verkehrsteilnehmer aufeinander werben. Das soll mittels einer Plakatkampagne geschehen. Außerdem soll der Autoverkehr an mehreren Stellen in der Petershauser Straße mit Schwellen gebremst werden.

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Wie die Verfasser des offenen Briefes die neue Regelung sehen

Dass die neue Regelung wesentliche Verbesserungen bringen wird, glauben nicht alle. Wieso auch nur ein einziges Auto auf einer Fahrradstraße fahren dürfe, verstehe sie nicht, sagt Kirsten Mahlke, eine der Initiatorinnen des offenen Briefes. Sie verstehe die Debatte daher nicht, aus ihrer Sicht müsste man schlichtweg die gesamte Straße für den Autoverkehr sperren. Es gehe, so Mahlke, um eine deutliche Reduzierung des Autoverkehrs – auch aus der Perspektive des Klimaschutzes. „In Zukunft wäre es sinnvoll, die Straßen der Stadt Konstanz nur noch in Ausnahmefällen für den Autoverkehr zu öffnen, nicht umgekehrt“, schreibt sie in einer E-Mail.

Die Sicht der Freien Grünen Liste (FGL) auf die Fahrradstraße

Auch Günter Beyer-Köhler, Fraktionsvorsitzender der FGL, sieht die neue Regelung eher kritisch: „Im Moment arbeitet man häpppchenweise an der Verbesserung der Fahrradstraße„, sagt er, „ich wäre für eine konsequente Lösung“. Man habe die Radstraße mit vielen Kompromissen begonnen – und Beyer-Köhler betont, dass es gut sei, dass es sie überhaupt gebe. Jetzt müsse man dafür sorgen, dass dort viel weniger Autos fahren.

Eine Pförtnerampel als Hilfe

„Vernünftig wäre, den Autoverkehr zu dosieren“, sagt Beyer-Köhler. Im Moment würden bei einer Grünphase an der Reichenaustraße etwa 14 Fahrzeuge durchgelassen, das seien viel zu viele. Er plädiert für Pförtnerampeln mit sehr kurzen Grünphasen an beiden Eingängen der Radstraße. Eine weitere Maßnahme müssten regelmäßige Tempomessungen sein: „Die Straße braucht eine Blitzeranlage“. Es müsse gewährleistet sein, dass Anwohner in die Straße hineinfahren können. Darüber hinaus müsse die Fahrradstraße aber eben für Radfahrer da und von ihnen bequem nutzbar sein.