Konstanz Stadt muss Küchen in Egger Anschlussunterkunft nachrüsten

Das Interesse an der neuen Anschlussunterbringung in Konstanz-Egg war groß. Mehr als hundert Bürger kamen, um sich die Räume anzuschauen. Aber vor allem die fehlenden Küchen sorgten für Diskussion.

Ein ganz normales Wohnhaus. Das soll die Anschlussunterbringung im Konstanzer Stadtteil Egg sein. Kein Flüchtlingsheim, keine Baracke, kein Übergangsblock, ganz normal. Hans-Joachim Lehmann, Geschäftsführer der städtischen Wohnbaugesellschaft (Wobak), betonte bei der Übergabe des fertig gestellten Mehrfamilienhauses, dass diese Unterkunft für Geflüchtete so gebaut sei, wie jeder andere Wobak-Bau. In Egg sind elf Drei-Zimmer-Wohnungen entstanden, mit Balkon, aber ohne Küche. Dieser Zustand sorgte bei den mehr als hundert Besuchern und Nachbarn, die sich die Wohnungen vor dem Einzug der insgesamt 44 Geflüchteten anschauen wollten, für Diskussion.

"Das ist skandalös, dass es keine Küche gibt", sagte Annette Harzer aus Allmannsdorf. "Die Wohnungen leiden doch, wenn die Küchen nicht fachgerecht eingebaut werden", sagte sie. Auch in der Unterkunft im Zergle waren von Anfang an keine Küchen in den Wohnungen. Mit dem Ergebnis, dass viele der Bewohner provisorisch auf Herdplatten kochen und keine richtige Küche haben. Der Konstanzer Flüchtlingsbeauftragte Mustapha Diop versuchte die Hintergründe aufzuklären: Ziel sei es eigentlich gewesen, dass die neuen Bewohner beim Jobcenter einen Antrag auf Erstausstattung stellen, der auch eine Küche beinhaltet. Dann sollten sich die Geflüchteten eine Küche ihrer Wahl aussuchen, die sie auch in zukünftige Wohnungen mitnehmen können. Dieser Plan sei im Zergle nur bedingt aufgegangen. "Sich selbstständig um eine Küche zu kümmern, fördert auch die Integration", ist sich Diop sicher. Dennoch habe man aus den Erfahrungen aus der Unterkunft im Zergle gelernt und sich dazu entschieden, im Wohnhaus in Egg Küchen nachzurüsten.

Das wird allerdings dauern. "Wir müssen den Auftrag erst ausschreiben", sagte Diop, der als Vertreter der Stadt alle Fragen beantwortete, weil Sozialbürgermeister Andreas Osner wegen Krankheit absagen musste.

Das Interesse an den neuen Nachbarn war nun groß. Lange hatten sich einige Egger vehement gegen eine Unterkunft in ihrem Stadtteil augesprochen, vor allem der früher vorgesehen Standort auf der Dorfwiese wurde von vielen Nachbarn entschieden abgelehnt. Mit dem neuen Standort am Ortsrand scheinen viele versöhnt. Ludwig Egenhofer, Leiter der untere Aufnahmebehörde des Landkreises Konstanz, gab einen Überblick über die Menschen, die einziehen werden. Es würden hauptsächlich Familien aus Syrien nach Egg kommen. "Ich verspreche, so lange wir Familien haben, werden hier vorrangig Familien einziehen", so Egenhofer. Am 12. Mai werden die Ersten einziehen, eine Drei- und Vierköpfige Familie aus Syrien. Bis zum 19. Mai werden 18 Personen in Egg wohnen. Dann sei erstmal Pause. Der Landkreis werde das Haus nur langsam befüllen. Für eine Anschlussunterkunft kommen die Flüchtlinge in Frage, die eine Aufenthaltserlaubnis haben oder bereits seit 24 Monaten in einer Flüchtlingsunterkunft gelebt haben und auf dem freien Wohnungsmarkt keine Unterkunft finden. Je nach Familiengröße sei es auch denkbar, zwei Familien in einer Wohnung unterzubringen. Laut Egenhofer finden bis zu 20 Prozent der dem Landkreis zugeteilten Flüchtlinge auf herkömmlichen Weg eine Wohnung. 4,4 Millionen Euro, finanziert von der Stadt Konstanz mit einem Zuschuss des Landes, sind für den Neubau investiert worden.

 

Anschluss-Unterkünfte

  • Folgende Unterkünfte hat die Stadt noch in Planung: am Friedhof, am Zähringer Hof, am Sportplatz Dingelsdorf, in Wollmatingen an der Ecke Stifterstraße/Längerbohlstraße, in Litzelstetten am Kindergarten St. Peter und Paul sowie in Allmannsdorf an der Kirchgasse und am Ortsausgang mit der Gärtnerei.
  • Für die Gründung eines Helferkreises laden Caritas und Diakonie Interessierte am Samstag, 6. Mai, um 10.30 Uhr in den Raum ML 630 der Universität Kobstanz ein.

Nachbarn, die dauerhaft in Egg bleiben, würden sich die meisten allerdings wünschen, so die Meinung von Andreas Marx, Vorstand der Egger Bürgergemeinschaft. Engagierte Bürger wollen mit Caritas und Diakonie, die gemeinsam die soziale Betreuung der Anschlussunterkunft übernehmen, einen Helferkreis gründen. Doch Marx und die Bürgergemeinschaft denken über Starthilfen, Deutschkurse und Freizeitgestaltung hinaus. Sie möchten langfristig zusammen mit den neuen Nachbarn ihren Stadtteil aktiv gestalten. Am 8. und 9. Juli soll es unter dem Motto "Egg 2030" auf dem Egger Spiel- und Dorfplatz ein Workshop zur gemeinsamen Dorfentwicklung geben.

Von den Eggern erhielt das neue Wohnhaus viel Lob, auch dass der Gemeinschaftsraum allen Bürgern zur Verfügung stehen soll. "Es ist sehr schön geworden", sagt Jürgen Voosen, der im benachbarten Allmannsdorf lebt. Und Hans Weinbacher aus Egg findet, dass mit dem Gebäude an dieser Stelle eine sehr gute Lösung gefunden wurde.
 

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