Tempo 30 statt Tempo 50: Das soll künftig auf etlichen Innenstadt-Straßen gelten. Die Stadtverwaltung schlägt vor, die Geschwindigkeit auf Teilen der Eichhornstraße, der Friedrichstraße und der Reichenaustraße zu drosseln. Ein Grund dafür ist der Schutz der Anwohner, zu dem die Kommunen über die Lärmaktionspläne gesetzlich verpflichtet sind. Ein anderer ist, dass nach 26 Jahren das Straßennetz neu bewertet wird. Das bisherige Vorbehaltsnetz – also diejenigen Strecken, auf denen der meiste Verkehr gebündelt werden und mit 50 Kilometern pro Stunde fließen soll – stammt aus einer Zeit, in der es noch nicht die heutige Grenzbachstraße, keine Elberfeldspange und keine Westtangente gab.

Jede Regelung ist nur so gut wie ihre Kontrolle: Mitarbeiter des Bürgeramts haben schon im vergangenen Herbst die Überwachung in den damals neuen 30er-Bereichen verstärkt. Sollten noch mehr Strecken mit Tempobremse dazukommen, hätten sie wohl auch noch mehr Arbeit.
Jede Regelung ist nur so gut wie ihre Kontrolle: Mitarbeiter des Bürgeramts haben schon im vergangenen Herbst die Überwachung in den damals neuen 30er-Bereichen verstärkt. Sollten noch mehr Strecken mit Tempobremse dazukommen, hätten sie wohl auch noch mehr Arbeit. | Bild: Jörg-Peter Rau

Der zweite Teil des Lärmaktionsplans ist die Grundlage dafür, dass auch auf einigen kleinen Teilstücken im Vorbehaltsnetz Tempo 30 kommen soll, wie es in einer Vorlage der Verwaltung an den Technischen und Umweltausschuss (Dienstag, 17. Juli, 16 Uhr, Untere Laube 24) heißt. Demnach hatten die Verkehrsplaner auf der Reichenaustraße zwischen 22 und 6 Uhr Tempo 30 für den Abschnitt vom Bodenseeforum bis zum Sternenplatz geprüft. Da aber die Feuerwehr warnt, dass die Fristen trotz Blaucht-Privilegs dann weiter gefährdet seien, liegt nun als Kompromiss ein neues Tempolimit nur zwischen Ebertplatz und Bodenseeforum auf dem Tisch. Ganztags Tempo 30 soll überdies auf nahezu dem ganzen Altstadtring mit Rheinsteig, Laube und Bodanstraße gelten, am Bahnhof bleibt es bei Tempo 20.

Nicht alle finden Tempo 30 schlecht: Sven Martin, Manfred Riedle und Siegfried Musterle (von links) von der Bürgervereinigung Allmannsdorf-Staad freuen sich, dass die Tempo-30-Zone bis zur Bäckerei Fricke am Ortsausgang Richtung Mainau reicht.
Nicht alle finden Tempo 30 schlecht: Sven Martin, Manfred Riedle und Siegfried Musterle (von links) von der Bürgervereinigung Allmannsdorf-Staad freuen sich, dass die Tempo-30-Zone bis zur Bäckerei Fricke am Ortsausgang Richtung Mainau reicht. | Bild: Kirsten Schlüter

Über das Vorbehaltsnetz kommen weitere Strecken mit Tempobremse hinzu, darunter wichtige Strecken in Wollmatingen sowie die Friedrichstraße bis zum Beginn des Waldes. Auch der seit Jahren geäußerte Wunsch von Anwohnern nach einer Beruhigung der Eichhornstraße könnte wahr werden – die Pläne der Verwaltung sehen neu Tempo 30 vom Suso-Gymnasium bis zur Brucknerstraße vor; im Bereich Rosenau/Kliniken Schmieder gibt es das Tempolimit aus Lärmschutzgründen bereits seit November 2017. Hier wie auch auf den anderen Strecken sieht die Verwaltung allerdings auch Nachteile, so für die Fahrzeiten der Stadtbusse und für ein Durchkommen von Feuerwehr, Polizei und Rettungsdiensten.

Wollmatingen dürfte zum Streifall werden

Besonders in den Fokus der Debatte dürften wesentliche Bereiche von Wollmatingen rücken. Denn während Tempo 30 auf der Radolfzeller Straße zwischen Riedstraße und Dettinger Straße aus Gründen des Lärmschutzes gelten soll, sieht eine von der Stadt Konstanz im Internet veröffentlichte Karte auch eine Drosselung der Geschwindigkeit auf der Riedstraße, der Schwaketenstraßen und der Kindlebildstraße vor – damit gäbe es im Ortsteil fast flächendeckend Tempo 30. Uli Hilser aus dem Pressebüro der Stadtverwaltung bestätigte am Freitag, dass die Karte die aktuellen Planungen widerspiegele: "Tempo 30 ist in der Riedstraße, in der Schwaketenstraße und in der Kindlebildstraße östlich der L221 vorgesehen."

Das könnte Sie auch interessieren

Brisant sind die geplanten Tempolimits aber nicht nur für die Autofahrer, sondern vor allem für die Blaulicht-Organisationen. Ein von der Stadt in Auftrag gegebenes Gutachten belegt erneut, dass schon jetzt auf vielen Strecken die gesetzlichen Fristen nicht zuverlässig eingehalten werden können – insbesondere bei Fahrten in die Bodanrückorte, aber auch in die Byk-Gulden-Straße und nach Wollmatingen.