Das Personaldebakel beim Bodenseeforum könnte die Stadt Konstanz teuer zu stehen kommen. Kommunalpolitiker bestätigen übereinstimmend, dass eine Trennung von Geschäftsführer Thomas Karsch nur durch Zahlung einer Abfindung möglich wäre. Warum mit dem Leiter des Eigenbetriebs im Anstellungsvertrag nicht die sonst übliche sechsmonatige Probezeit vereinbart wurde, konnte zunächst niemand schlüssig erklären. Wäre der Passus in die Vereinbarung aufgenommen worden, hätte die Stadt mindestens bis Ende November kündigen können. Nun werde ein Aufhebungsvertrag angestrebt, heißt es.

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Während der erste Geschäftsführer für das Tagungs- und Veranstaltungshaus über normale Stellenanzeigen gefunden wurde, rechnen Kenner der Materie damit, dass für den Neuanlauf bei der Besetzung der Spitzenposition eine Personalberatungsfirma eingeschaltet werden muss. Diese sogenannten Headhunter verlangen im Mittel mindestens ein Viertel des Jahreseinkommens der vermittelten Person. Damit könnte auf die Stadt allein für die Beratung eine Rechnung in mittlerer fünfstelliger Höhe zukommen.

Rathaus-Sprecher Walter Rügert erklärte, die Stadt könne zu solchen Fragen nicht weiter Stellung beziehen, da es sich um eine Personalangelegenheit handelt. Auf die Frage des SÜDKURIER, ob unter diesen Voraussetzungen die bisherige Kalkulation für den Betrieb des Hauses zu halten sei, antwortete er: "Ob eine Änderung des Wirtschaftsplanes erforderlich sein wird, können wir zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch nicht abschätzen." Damit ist klar, dass sich die Zahlen verschlechtern können. Bisher aber hätten sich die "operativen Ziele des Wirtschaftsplanes nicht geändert". Dort sei ein kostendeckender Betrieb des Bodenseeforums (allerdings ohne den Wertverlust von Gebäude und Technik) im Jahr 2019 ausgewiesen.

Wie lange Friedhelm Schaal, der im Hauptberuf die Wirtschaftsförderung der Stadt verantwortet, die Krankheitsvertretung an der Spitze des Bodenseeforums übernehmen muss, ist vollkommen offen. Auf Anfrage der Lokalredaktion räumte er ein, dass die Lage auch für ihn persönlich eine Herausforderung ist: "Natürlich ist die Situation nicht ganz einfach, da ein neu eröffnetes Haus die volle Aufmerksamkeit und ein sehr hohes Maß an Engagement erfordert." Er betonte aber, dass das laufende Geschäft weitergeführt werden könne: "Die gebuchten Veranstaltungen laufen planmäßig. Die Resonanz auf das neue Haus ist sehr gut."

Neben der Personalsuche steht allerdings auch noch die Beseitigung von Problemen am Haus selbst an. Auch nach den jüngsten Veranstaltungen wie dem Ball der Wirtschaft wurde neben der Freude über die Atmosphäre im umgebauten Industriebau auch Kritik laut: Die Toiletten seien zu klein geplant worden, und auch die Gastronomie kam nicht bei allen Gästen gleich gut an. Unsicherheiten haben die Veranstalter auch in der Frage, wie lange sie im Bodenseeforum feiern dürfen: Die Ausrichter des "Gute Zeit"-Festivals hatten sich auf ein Ende um 5 Uhr eingerichtet, hatten die Party aber um 3 Uhr beenden müssen.

Handelnde Personen

  • Thomas Karsch wurde vom Gemeinderat erst im Mai zum ersten Geschäftsführer des Hauses gewählt. Er fällt zwei Wochen nach der Eröffnung krankheitsbedingt aus. Seine Wiederkehr ist unwahrscheinlich.
  • Michel Maugé war von der Stadt für die Zeit vor der Eröffnung als Berater und Interims-Geschäftsführer engagiert worden. Sein Mandat soll dem Vernehmen nach auch in der neuen Lage nicht verlängert werden.
  • Friedhelm Schaal war bei der Stadt der Projektleiter für das Haus; diese Rolle hatte er schon beim per Bürgerentscheid gekippten Klein-Venedig-Projekt inne. Seine Aufgabe am Bodenseeforum sollte jetzt enden.
  • Uli Burchardt ist laut Satzung als Oberbürgermeister gegenüber dem Betriebsleiter weisungsbefugt und verantwortet das Projekt politisch. (rau)