Konstanz Sport hilft bei der Integration

Der Konstanzer Stadtsportverband will Flüchtlingskinder in Vereine integrieren. Dazu soll im Januar eine Koordinationsstelle geschaffen werden, die durch Lago-Gutscheine ermöglicht wird.

Was vor gut 20 Jahren mit der integrativen Sportwoche begonnen hat, nimmt nun professionelle Formen an: Der Konstanzer Stadtsportverband schafft eine Koordinationsstelle, um junge Sportler aus den Flüchtlingsunterkünften an Konstanzer Sportvereine zu vermitteln. Außerdem sollen auch weitere Sportprojekte in der Stadt ausgeweitet werden (siehe Info).

Ermöglicht hat dies das Lago Konstanz. Der Kontakt zum Stadtsportverband kam dabei eher zufällig zustande. Nach langer Suche des Einkaufszentrums nach Möglichkeiten, in der Stadt Angebote für Kinder und Jugendliche zu unterstützen, sei man nun fündig geworden, so Center-Manager Peter Herrmann. So kündigt er an, dass das Lago für jeden verkauften Einkaufsgutschein einen Euro an den Stadtsportverband spenden werde. Das werden laut Herrmann in etwa 25 000 Euro sein. Dieses Geld solle gezielt in die sozialen und integrativen Sportprojekte des Stadtsportverbandes fließen. Und damit können die Sportler sehr viel bewegen. Denn manchmal sei es schwierig, wie Herrmann weiß, Freiwillige für ein Engagement zu finden. Jetzt könne der Verband bei Bedarf auch einmal einen kleinen Betrag an die freiwilligen Helfer ausgeben.

Auf Seiten des Stadtsportverbands herrscht Freude über die neue Zusammenarbeit. „Ich freue mich sehr, dass wir unsere Projekte mit dieser Unterstützung jetzt ausbauen können“, sagt Verbandsvorsitzender Manfred Sobisch. Denn die Sportvereine stemmen ihre Organisation mit den Flüchtlingen zur Zeit alleine. Vorstandsmitglied Harald Schuster sagt es deutlich: „Wir sind am Anschlag. Wir brauchen eine Koordination im Hintergrund, damit unsere Ehrenamtlichen die Arbeit, die sie machen müssen, gezielter einbringen können.“ Das wird nun ab Januar möglich: Eine Stelle zur geringfügigen Beschäftigung sei geplant. Deren Hauptaufgabe werde sein, zwischen Flüchtlingen und Vereinen zu vermitteln, so Schuster. Eine nachhaltige Integration steht dabei im Vordergrund: „Es macht keinen Sinn, auf Dauer nur Sportgruppen für Flüchtlinge zu bilden. Wir wollen sie in die heimischen Vereine bekommen“, sagt Schuster. Positive Rückmeldungen aus den Vereinen gebe es bereits mehrfach. Dementsprechend richtet sich das Angebot auch an anerkannte Flüchtlingsfamilien mit Bleiberecht.

Doch bei allen Sportangeboten in den Erstunterkünften mache man keine Unterschiede zwischen den Flüchtlingen, betont Schuster. Jeder dort dürfe bei Interesse mitmachen. Das verfügbare Geld wolle der Verband auch für die Qualitätssicherung seiner sportlichen Angebote nutzen, erklärt Schuster. Zwar helfen schon jetzt etwa viele Sportstudenten aus, die auch Fachkenntnis mitbringen. Doch ohne ein gewisses Entgelt falle langfristiges Engagement da schwer: „Hier können wir nun einen kleinen Ausgleich bieten“, sagt er.

Auch der Verein Save Me steht dem Stadtsportverband bei seinen Projekten zur Seite. Für den Ehrenamtlichen Friedhelm Großmann ist die Unterstützung durch das Lago eine große Erleichterung. Meist sind es die ehrenamtlichen Helfer von Save Me, die mit den sportinteressierten Flüchtlingen zuerst in Kontakt kommen. Was dabei alle Beteiligten miteinander verbindet, ist die Überzeugung, mit der Hilfe des Sports eine gelingende Integration zu ermöglichen. „Sport als Medium ist die integrativste Aktivität, die es gibt“, betont Bürgermeister Andreas Osner.


Kicken für Flüchtlinge und freie Bewegungsangebote

Die neue Koordinationsstelle zur Vermittlung von Flüchtlingen an Konstanzer Sportvereine ist nur ein Projekt des Stadtsportverbandes, das von der finanziellen Unterstützung durch das Lago profitiert:

Kicken für Flüchtlinge aus der Zeppelin-Gewerbeschule: Zweimal wöchentlich haben Flüchtlinge aus der Zeppelinhalle die Möglichkeit, auf dem Kunstrasenplatz des Türk SV am Oberlohn Fußball zu spielen. Dort sollen immer zwei Übungsleiter beziehungsweise Betreuer anwesend sein, die im Idealfall auch Fremdsprachenkenntnisse besitzen.

Open Sunday in der Petershauser Halle: Ab Januar 2016 sollen jeweils sonntags von 10 bis 12 Uhr freie Bewegungsangebote für Kinder bis zu 13 Jahren in der Petershauser Halle geschaffen werden. Dort sollen drei Übungsleiter beziehungsweise Betreuer anwesend sein. Vorteilhaft ist dabei die räumliche Nähe zu den meisten bisherigen Flüchtlingsunterkünften, sodass sich die Kinder selbstständig fußläufig daran beteiligen können.

Ausbau weiterer Projekte: Die tägliche Betreuung von Flüchtlingskindern in den Ferien soll fortgeführt und bei Bedarf weiter ausgebaut werden. Voraussichtlich wird die Ferienbetreuung dieselbe Form besitzen wie der Open Sunday. Darüber hinaus soll die Unterstützung der integrativen Kindersportwoche ausgebaut werden.

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