Bis Ende 2012 war das Klinikum im Portfolio der Stiftung. Seither ist es Teil des Gesundheitsverbunds Landkreis Bodensee, und die Stiftungsleitung wollte daran arbeiten, sich ein neues Gesicht zu geben. Streng genommen hat sich für die Spitalstiftung seither jedoch wenig verändert. Das Klinikum war nahezu ein Selbstläufer gewesen, und heute ist die Stiftung mit ihrem 24-prozentigen Anteil am Verbund weiterhin mit im Boot. Bei ihren weiteren Aufgaben standen die Zeichen bei der Stiftung lange auf Stillstand, sie hat am Bewahren festgehalten; am Verwalten der zahlreichen Immobilien, am mühsamen Inbetriebhalten der kostenintensiven Pflegeeinrichtungen. Die sich schwer taten, Personal zu finden, aus diesem Grund sogar Pflegeplätze frei bleiben mussten. Pflegepersonal kehrte der Stiftung den Rücken.

Von einer Talfahrt der Spitalstiftung möchte zwar niemand offen sprechen. Hinter vorgehaltener Hand bringen Nahestehende die stürmischen Zeiten im Unternehmen mit dem Namen von Ingeborg Rath in Verbindung. Viereinhalb Jahre lang hatte sie die Stiftung geleitet, und in Interviews sprach sie wiederholt vom neuen Selbstverständnis, das die Stiftung nach dem Wegbruch des Klinikums erhalten solle, von der Konzentration auf ihre Kernaufgaben. Getan hatte sich nicht viel. Ein Neubau mit Unterkünften für Stiftungsmitarbeiter kommt zwar, der habe aber mit Druck auf die Leitung erzwungen werden müssen.

Erst später mit der Trennung von Rath sei "ein Knopf aufgegangen", heißt es mehreren SÜDKURIER-Informationen zufolge. Die Stimmung unter Mitarbeitern habe sich aufgehellt, betonen Nahestehende ebenso.

"Die Bremse hat sich gelöst", beschreibt Wolfgang Müller-Fehrenbach (CDU). "Es weht ein frischer Wind", ist Ewald Weisschedel (FWK) der Auffassung. Als Gemeinderäte sind sie Mitglieder im Stiftungsrat und Stiftungsausschuss. Zwei Gremien, die als Kontrollräte gesehen werden können. Den frischen Wind hat Andreas Voß in die Stiftung gelassen. Er leitet sie derzeit kommissarisch und kennt sie bestens. Bereits unter Raths Vorgänger Reiner Weichler war er stellvertretender Leiter, bei der Neubesetzung der Stelle im Jahr 2011 zog der Stiftungsrat die damals 51-Jährige dem Routinier Voß vor. Ob er sich erneut um die derzeit vakante Stelle bewerben wird, ist offen. Eine Empfehlung hätte er sich sozusagen bereits ausgestellt. Mit Unterstützung seines Teams hat Voß die Ausgaben für Leiharbeiterinnen in den Pflegeheimen drastisch reduziert: von knapp 1 Million Euro noch im vergangenen Jahr auf 50 000 bis 70 000 Euro in diesem Jahr. Fragen hierzu und generell zu den sichtbaren Veränderungen in der Stiftung reicht er an den zuständigen Dezernenten im Rathaus, Andreas Osner, weiter. Es hätten einige Mitarbeiterinnen gewonnen werden können, erklärt dieser: aus dem geschlossenen Pflegeheim in Blumenfeld, Leiharbeiterinnen seien in ein festes Angestelltenverhältnis gewechselt, der Neueinstieg in die Ausbildung von Nachwuchskräften werde sich ebenfalls positiv auswirken.

Für das Haus Salzberg sei eine Leitung gefunden. Wenn dort eine Gruppe mit Pflegeplätzen wieder mit Personal besetzt werden könne, reduziere das auch das Minus, ist Osner überzeugt.

Die rote Null als Ziel

Minus ist ein gutes Stichwort für Jürgen Puchta (SPD). Er will das Defzit in den Pflegeheimen nicht akzeptieren. "Der Zuschuss hat sich in den letzten Jahren stetig deutlich erhöht von zirka 250 000 vor etwa fünf Jahren auf nun 800 000 Euro." Ziel solle sein, sich einer "roten Null" zu nähern. Puchta sieht Einsparpotenzial in schlankeren Hierarchiestrukturen. Kein anderer Anbieter, etwa AWO oder Caritas, könne sich ein stetiges Minus leisten, gewinnorientierte Privatunternehmen schon gar nicht. Bei der Stiftung ist ein Ausgleich des Defizits nur möglich, weil sie über ihre Immobiliensparte erkleckliche Einkünfte hat.

Puchta wie auch seine Ratskollegen haben insgesamt viel Lob für die jetzige Stiftungsarbeit übrig. "Die Offenheit für konstruktive Kritik hat enorm zugenommen", sagt das SPD-Mitglied. Die Aufgabenliste, mit der sich die Stiftung für die Zukunft rüsten will, ist lang geworden. Am Weiherhof plant sie ein neues Pflegeheim, eine Pflege-WG ist in Umsetzung, eine weitere beabsichtigt. Ein Wohnheim wird derzeit für Mitarbeiter umgebaut, der angesprochene Neubau ist fest beabsichtigt – das reicht für die Mitarbeiterwerbung nicht aus, ebenso wenig das für den Landkreis geltende Jobticket für den Öffentlichen Nahverkehr. Deshalb kommt eine ganz neue Idee ins Spiel. Noch in diesem Jahr soll es vorwärts gehen mit der Einrichtung von zehn Betreuungsplätzen für Kinder von Mitarbeitern, erklärt Andreas Osner.

Er ist sichtlich zufrieden mit dem frischen Wind in der eigenständigen Stiftung: "Wir haben viele Verbesserungen erzielt." Mit "Wir" schließt er neben der Stiftungsführung die Kontrollgremien mit ein.

"Wir gehen ans Mark der Stiftung"

Um den Neustart zu definieren und "um das Selbstverständnis neu zu definieren", wie Normen Küttner (FGL) formuliert, hatten alle Seiten hinter den Kulissen viel mehr zu tun. Der Spitalausschuss unternahm eine Reise zu einer Würzburger Stiftung und hat sich dieses Erfolgsmodell angesehen. Projektgruppen, Leitungsteams, Workshops, "wir gehen ans Mark der Stiftung", fasst Andreas Osner zusammen. Vorausgegangen war eine zweijährige Analyse durch einen externen Berater zu der Frage, ob die Stiftung in einer guten Verfassung ist. Mit dem Ergebnis, dass sie eben etwas tun muss, um auch wieder mehr in die Mitte der Bevölkerung zu rücken. Nach wie vor speist sich die Spitalstiftung auch aus Zustiftungen von Bürgern. Durch den medial bundesweit beachteten Maultaschenfall im Jahr 2010, als eine Pflegerin wegen sechs eingesteckter Maultaschen fristlos gekündigt wurde, war ihr Image schwer angekratzt. Der jüngst neu aufgelegte Internetauftritt soll helfen, am Ansehen weiter zu polieren. In einem Projekt mit der HTWG steht die Kommunikation auf dem Prüfstand. Die Vermarktung des Rebguts Haltnau ist ein "ein riesiges Pfund", ist Normen Küttner überzeugt. In Würzburg sei deutlich geworden, wie der Weinanbau dort vermarktet werde. Da gab es für die Kontrollgremien der Spitalstiftung wenig Diskussion darüber, fast 2 Millionen Euro in die Sanierung des gastronomischen Anwesen bei Meersburg investieren zu wollen.

Wer auch künftig die Stiftung leiten wird, das Aufgabenpaket ist groß. "Wir müssen diese Leitungsposition ausschreiben", sagt Bürgermeister Andreas Osner. Demnächst soll die Anzeige erscheinen. Der oder die Neue wird an der Marke Spitalstiftung feilen müssen, am Image polieren. Wolfgang Müller-Fehrenbach bringt es so auf den Punkt: "Die Stiftung ist ein Schatz, mit dem man sorgfältig umgehen muss."