Ein Anlass, zwei Bilder.

Hier die smarten Herren in zumeist weißen Hemden, die mit Hilfe einer Landtagsabgeordneten vor dem eigens angekarrten Sandhaufen einen nagelneuen Spaten fotogen in die Hand nehmen, sogar die Etiketten sind an den Werkzeugen noch dran. Sie lächeln in die Kameras und wollen ein Signal des Aufbruchs vermitteln. Schaut her, endlich tut sich was am Bahnhof in Konstanz: Zwei neue Aufzüge ermöglichen auch Menschen mit Handicpas oder einfach Fahrgästen schwerem Gepäck einen Zugang zum wichtigsten Bahnsteig, wo fast alle Züge in Richtung Karlsruhe, St. Gallen oder Zürich abfahren und ankommen.

Die größte Fraktion protestiert

Da die Politikerinnern und Politiker der Freien Grünen Liste, die im Konstanzer Gemeinderat die größte Fraktion stellen. Die haben Protestplakate mitgebracht, auf denen die die Bauherrschaft angreifen. Die Deutsche Bahn vernachlässige den Bahnhof Konstanz, heißt es auf ihnen unter anderem. Stadträtin Dorothee Jacobs-Krahnen etwa hält ein Plakat mit folgendem Text hoch: "Wie soll man hier Gästen einen großen Bahnhof bereiten? Konstanz hat die rote Laterne!"

Protest gegen die Deutsche Bahn in Konstanz: Dorothee Jacobs-Krahnen, Stadträtin der Freien Grünen Liste, setzt am Rande des Spatenstichs für den barrierefreien Ausbau ein Zeichen.
Protest gegen die Deutsche Bahn in Konstanz: Dorothee Jacobs-Krahnen, Stadträtin der Freien Grünen Liste, setzt am Rande des Spatenstichs für den barrierefreien Ausbau ein Zeichen. | Bild: Rau, Jörg-Peter

Das ist teils auch von Piffen durchsetzte Begleitmusik am Freitag, als Vertreter von Deutscher Bahn und Stadt den Beginn des Umbaus feiern. So richtig zufrieden, das wird bei dem Termin deutlich, ist kaum jemand.

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Baubürgermeister Karl Langensteiner-Schönborn etwa erinnert daran, dass die enge Unterführung zwar Aufzüge an beiden Seiten bekommt, aber zugleich so klein ist, dass sie bei einem Neubau keine Chance mehr auf eine Genehmigung durch das Eisenbahn-Bundesamt habe.

Beim Spatenstich für den barrierefreien Ausbau am Bahnhof Konstanz: Baubürgermeister Karl Langensteiner-Schönborn.
Beim Spatenstich für den barrierefreien Ausbau am Bahnhof Konstanz: Baubürgermeister Karl Langensteiner-Schönborn. | Bild: Rau, Jörg-Peter

Auch für Michael Groh, den Leiter Regionalbereich Südwest bei DB Station und Service AG, ist die Lösung nicht optimal, das räumt er freimütig ein. Doch es sei nicht die Aufgabe seines Unternehmens, Städtebau für Konstanz zu betreiben. Immerhin bringt er eine alte Idee ins Spiel.

Michael Groh, Leiter Regionalbereich Südwest, DB Station und Service AG, beim Spatenstich für den barrierefreien Umbau am Bahnhof Konstanz.
Michael Groh, Leiter Regionalbereich Südwest, DB Station und Service AG, beim Spatenstich für den barrierefreien Umbau am Bahnhof Konstanz. | Bild: Rau, Jörg-Peter

Schon seit fast zehn Jahren gibt es auch Pläne, an den Steg von der Bodanstraße zum Hafen einen weiteren Aufzug anzubauen, der direkt auf den Haupt-Bahnsteig führen würde. Das sei noch nicht vom Tisch, sagt er, will aber weder Details zur Finanzierung noch zu einem möglichen Zeitplan nennen.

Die Brücke für Fußgänger über die Bahngleise beim Bahnhof Konstanz in Verlängerung der Bodanstraße: Erhälkt sie einen dritten Aufzug direkt zum Bahnsteig der Gleise 2 und 3?
Die Brücke für Fußgänger über die Bahngleise beim Bahnhof Konstanz in Verlängerung der Bodanstraße: Erhälkt sie einen dritten Aufzug direkt zum Bahnsteig der Gleise 2 und 3? | Bild: Rau, Jörg-Peter

Was sagen eigentlich die Konstanzer und ihre Gäste dazu?

Petra Panzer, 33 Jahre alt, aus Konstanz: "Dass hier ein Aufzug hinkommt, ist sehr gut, besonders für Eltern mit Kinderwagen, wie mich."
Petra Panzer, 33 Jahre alt, aus Konstanz: "Dass hier ein Aufzug hinkommt, ist sehr gut, besonders für Eltern mit Kinderwagen, wie mich." | Bild: Veronika Eckhardt
Enis Sidal, 23 Jahre alt, aus Konstanz: "Besonders bei den jetzigen Temperaturen wäre ein vollständig überdachter, klimatisierter Bahnhof toll, das Warten auf den Zug wäre so angenehmer. Auch optisch sollte er verschönert werden."
Enis Sidal, 23 Jahre alt, aus Konstanz: "Besonders bei den jetzigen Temperaturen wäre ein vollständig überdachter, klimatisierter Bahnhof toll, das Warten auf den Zug wäre so angenehmer. Auch optisch sollte er verschönert werden." | Bild: Veronika Eckhardt
Helga Maisenhölder, 75 Jahre alt, aus Norwegen, kommt ursprünglich aus der Nähe von Konstanz: "Ein Fahrradabstellplatz gehört hier her – gut sichtbar und gut auffindbar."
Helga Maisenhölder, 75 Jahre alt, aus Norwegen, kommt ursprünglich aus der Nähe von Konstanz: "Ein Fahrradabstellplatz gehört hier her – gut sichtbar und gut auffindbar." | Bild: Veronika Eckhardt

Und was sagen die Nutzer des Bahnhofs selbst? Elke Rau, 48 Jahre alt, aus Konstanz, sagt über den Bahnhof das, was wohl den meisten auf den Nägeln brennt: „Barrierefrei sollte der Bahnhof werden.“ Peter Fenne, 64 Jahre alt, aus Zürich, zu Besuch in Konstanz, hat dagegen einen anderen Wunsch: „Der Bahnhof sollte besser ausgeschildert werden, der Übergang von den Gleisen zu den Bussen war mir unklar.“ Und ein 19-jähriges Mädchen aus Konstanz hat noch eine ganz andere Idee: „Der Bahnhof sollte bunter werden, er ist so grau.“

Viorica Balanich, 42 Jahre alt, aus Konstanz: "Eine bessere Anbindung in die Schweiz wäre toll."
Viorica Balanich, 42 Jahre alt, aus Konstanz: "Eine bessere Anbindung in die Schweiz wäre toll." | Bild: Veronika Eckhardt
Louai Assaf, 39 Jahre alt, aus Konstanz: "Es wäre schön, wenn es einen Aufzug hier geben würde. Ansonsten bin ich zurfrieden mit dem Bahnhof."
Louai Assaf, 39 Jahre alt, aus Konstanz: "Es wäre schön, wenn es einen Aufzug hier geben würde. Ansonsten bin ich zurfrieden mit dem Bahnhof." | Bild: Veronika Eckhardt
Günther Forbig, 75 Jahre alt, aus Schleswig-Holstein zu Gast in Konstanz: "Ein Fahrstuhl fehlt hier sehr. Jeder moderne Bahnhof hat heutzutage Fahrstühle."
Günther Forbig, 75 Jahre alt, aus Schleswig-Holstein zu Gast in Konstanz: "Ein Fahrstuhl fehlt hier sehr. Jeder moderne Bahnhof hat heutzutage Fahrstühle." | Bild: Veronika Eckhardt