Konstanz Spatenstich für Bau der Synagoge

Exakt 78 Jahre nach der Zerstörung der alten Synagoge in Konstanz durch Brandstiftung während der Reichspogromnacht hat mit dem Spatenstich der Bau der neuen in der Sigismundstraße 8 begonnen.

Bauherr ist die Israelitische Religionsgemeinschaft (IRG) Baden. Die Stadt hatte ihr das Grundstück im Wert von 615 000 Euro übertragen und bezuschusst den Bau mit 155 000 Euro.

Vor rund 80 Gästen sagte Rami Suliman, Vorsitzender des Oberrats der IRG, hier entstehe ein offenes Haus für alle Strömungen des Judentums und alle an Begegnungen Interessierten. Er dankte der Stadt, die das Grundstück 15 Jahre lang für die jüdische Gemeinde reserviert hatte. Wegen Konflikten zwischen Strömungen innerhalb der jüdischen Glaubensgemeinschaft kommt der Bau gut ein Jahrzehnt später als zunächst geplant. Die Auseinandersetzungen gehören aber nun möglicherweise endgültig der Vergangenheit an: Zum Festakt erschienen auch die größten Kritikerinnen, die Vertreterinnen des liberalen Judentums in Konstanz, Minia Jonek und Ruth Frenk. Ihnen wurde mehrfach versichert, auch für die Vertreter ihrer Richtung des Judentums werde es im neuen Haus Raum zum Beten geben.

Die neue Synagoge werde nicht nur ein Haus der Begegnung, sondern auch immer ein Ort der Mahnung sein, sagt OB Uli Burchardt mit Blick auf die Reichspogromnacht, in der in Konstanz die alte Synagoge, etwa 50 Meter entfernt in der selben Straße, niedergebrannt wurde. In der Schandnacht sei die Ausgrenzung der jüdischen Bürger in systematische Verfolgung umgeschlagen. Aktuell sei es wohltuend, dass am Tag, an dem es Donald Trump mit Rassismus und Sexismus ins Amt des Präsenten der USA geschafft hat, in Konstanz an einem Haus gebaut werde, das für Vielfalt und Toleranz stehe. Für Peter Stiefel, Vorsitzender der Synagogengemeinde in Konstanz, schließt sich mit dem Spatenstich der Kreis von der Zerstörung zum Wiederaufbau.

Ende 2018 soll die neue Synagoge mit Gemeindezentrum bezugsfertig sein. Der Bauplatz mitten in der schmalen Altstadtgasse gilt als schwierig, zudem muss der denkmalgeschützte Teil des früheren Hotels Anker in den Neubau einbezogen werden. Der Architektenentwurf war während der Feier auf einer Leinwand zu sehen. Die dreigeschossige neue Synagoge soll eine Fassade aus hellen Ziegelsteinen bekommen. Der Thoraschrein wird als geschlossenes Viereck an der Außenfassade erkennbar sein, darüber ein Davidstern. Zum Abschluss der Feier im Schneeregen stimmte ein ­Gemeindemitglied spontan ein jüdisches Lied an, und viele der Besucher fielen in den Gesang ein. Zu den Ehrengästen gehörte unter anderem der israelische Vizegeneralkonsul Jonathan Glick. Während des 9. Novembers erinnerte Konstanz bei mehreren Veranstaltungen an die Reichspogromnacht (siehe Infokasten).

Gedenken

Mit Plädoyers für Zivilcourage und gegen Rassismus hat die Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen unter dem früheren altkatholischen Dekan Hermann-Eugen Heckel der Reichpogromnacht vom 9. November 1938 gedacht. Peter Stiefel, Vorsitzender der Synagogengemeinde, sagte, er sehe mit Sorge, wie der Rechtspopulismus Aufwind in der breiten Gesellschaft bekomme. Die Initiative Stolpersteine putze die Gedenktafeln im Pflaster. Sie zeigen, wo Opfer des NS-Regimes wohnten. Joachim Klose vom jüdischen Museum Gailingen hielt einen Vortrag.

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