Vor einem Jahr sprachen die Vorstände des Spar- und Bauvereins Konstanz (SBK), Ralph Buser und Joachim Reckziegel, von "der Bilanz des Jahrhunderts". "Jetzt konnten wir nahezu jede Zahl des Rekordergebnisses bei Weitem toppen", stellt Buser angesichts der Bilanz 2015 fest. Euphorisch sind die Herren jedoch nicht. "Der Erfolg ist Fluch und Segen zugleich", warnt Reckziegel. Eine Konsolidierung sei unerlässlich, auch wenn der Erwartungsdruck mit den Erfolgen steige. "Die Gewinne sind nicht vorderstes Ziel, sondern Mittel zum Zweck", sagt Buser.

Wohnraum, dazu noch bezahlbar, war schon vor 120 Jahren Mangelware. Um der Wohnungsnot entgegenzusteuern, wurde am 1. August 1896 der Spar- und Bauverein Konstanz gegründet, die zweite Baugenossenschaft im Großherzogtum Baden. "Heute ist der SBK der größte private Vermieter in Konstanz. Aktuell verfügen wir über mehr als 1650 Wohnungen", so Buser. "Jährlich können wir etwa 500 neue Mitglieder begrüßen. Aktuell haben wir etwa 8000, das ist knapp ein Zehntel der Konstanzer Bevölkerung." Der durchschnittliche Mietpreis beim SBK beträgt durchschnittlich 6,32 Euro pro Quadratmeter in Konstanz, dem viertteuersten Immobilienmarkt in Deutschland. "Ganz ohne staatlich geförderten Wohnungsbau", betont Buser.

<p>120 Jahre Spar- und Bauverein Konstanz: Eine Erfolgsgeschichte. Die Vorstände Joachim Reckziegel (links) und Ralph Buser (rechts) können wiederum eine sehr gute Bilanz vorweisen. Bild: Aurelia Scherrer</p>

120 Jahre Spar- und Bauverein Konstanz: Eine Erfolgsgeschichte. Die Vorstände Joachim Reckziegel (links) und Ralph Buser (rechts) können wiederum eine sehr gute Bilanz vorweisen. Bild: Aurelia Scherrer

Gleichzeitig trachtet der SBK danach, seinen Immobilienbestand weiter auszubauen und damit noch mehr Wohnraum zu schaffen. Das aktuell größte Projekt ist der Gebäudekomplex am Zähringerplatz/St.-Gebhardsplatz, der nicht nur denkmalgerecht renoviert und saniert wird. "Durch den Ausbau der Dachgeschosse schaffen wir elf Maisonettewohnungen", so Joachim Reckziegel. Der SBK investierte rund 12,5 Millionen Euro in das Projekt und gewann damit insgesamt 40 große familiengerechte Wohnungen in Bestlage hinzu. In diesem Jahr hat die Genossenschaft eine große Wohnanlage in der Markgrafenstraße/Alemannenstraße gekauft und in ihren Bestand übernommen. Mittelfristig wurde über die Fassadenrenovation und den Ausbau der Dachgeschosse nachgedacht. Eine weitere Option wäre der bauliche Lückenschluss in den Eckbereichen, so Buser. Aber das ist Zukunftsmusik.

2017 wird das nächste Großprojekt im Taborweg fertiggestellt. Die alten Siedlungshäuser wurden abgerissen. "Im Einvernehmen mit den Mietern", betont Buser. Die Betroffenen seien in andere Genossenschaftswohnungen eingezogen. Im Taborweg entstehen nun vier Mehrfamilienhäuser mit 28 familiengerechten, barrierearmen Wohnungen in Niedrigenergiebauweise. Einen hohen Stellenwert hat bei dem SBK das Investitionsprogramm, denn die Gewinne der Genossenschaft werden wiederum in Wohnraumbeschaffung, aber insbesondere in Renovierung und Instandhaltung der Bestandsimmobilien investiert. In den vergangenen drei Jahren investierte die Genossenschaft über 65 Millionen Euro und erweiterte den Bestand um rund 400 neue Wohnungen. Für 2016 plant sie weitere knapp 19 Millionen Euro. 2015 wurden rund 8,4 Millionen Euro investiert. Größtes Projekt war die Sanierung der Gebäude Schobuliweg 9-11 sowie Gartenstraße 21.

Der Spar- und Bauverein

Vor 120 Jahren wurde er gegründet, und derzeit boomt er ganz besonders: der Spar- und Bauverein. Er ist eine Konstanzer Baugenossenschaft mit Spareinrichtung, die aktuell mehr als 8000 Mitglieder zählt. Gemeinsam mit den für das Dienstleistungs- und Bauträgergeschäft zuständigen Tochtergesellschaften – der SBK Wohnbau GmbH und der SBK Baugesellschaft GmbH – schloss die Genossenschaft das Jahr 2015 mit einer Gesamt-Bilanzsumme von rund 130,5 Millionen Euro ab. Die Umsatzerlöse belaufen sich auf 13,7 Millionen Euro. Der SBK verwaltet seit 2013 auch Fremdobjekte. Die Nachfrage ist auch in dieser Sparte groß: Wurden im ersten Jahr 400 Fremdwohnungen verwaltet, so sind es aktuell bereits 700 Einheiten. (as)