Handgemachte, ehrliche Rockmusik ist ihre Leidenschaft und gemeinsame Live-Auftritte sind die Höhepunkte. Davon können und wollen sie auch nicht lassen, die jungen Alt-Rocker der drei Konstanzer Bands Wetzstein, Adonis und High Voltage, die in den 1970er und 1980er Jahren zahlreiche Bühnen in Konstanz und weit über die Region hinaus rockten. Sie tun es wieder, und zwar morgen im Kulturladen in der originalen Ursprungsbesetzung.

Ihre Instrumente haben die enthusiastischen Musiker nie ins Eck gestellt; im Gegenteil: In den verschiedensten Formationen sind sie nach wie vor höchst aktiv. Wie aber kommt es zu diesem Revival-Abend? Gitarrist Klaus Wilsrecht-Zahn lacht. "Vor drei Jahren haben wir eine Geburtstagsparty gemacht. Peter, Roy und ich hatten unseren 60sten", erzählt Klaus Wilsrecht-Zahn. Da haben sie natürlich Musik gemacht. 400 Leute sind zu der Privatparty gekommen. Der Chef vom Kulturladen war auch unter den Gästen; er fand das so klasse, dass die Bands aus der Vergangenheit kurz darauf im Kula spielten. "Der war voll wie selten", schmunzelt Peter Heuer und Wilsrecht-Zahn ergänzt: "Wir haben gesehen: Es gibt noch Überlebende." Jetzt starten sie eine Wiederauflage des Erfolgsabends, erinnern an die alten Zeiten und stellen dabei fest, dass sich in mancher Hinsicht nichts geändert hat.

Damals war Konstanz noch eine etwas verschlafene Kleinstadt. "Es war alles im Aufbau, auch die Musikszene. Zwar gab es bereits in den 60ern innovative Bands, die sich hauptsächlich an Soul, Blues und Rockjazz orientierten, aber Rockmusik war zu dieser Zeit am Bodensee eher noch ein Randprodukt", erinnert sich Klaus Wilsrecht-Zahn. "Aber dank der 1966 gegründeten Uni Konstanz verjüngte sich die Stadt nach und nach und spätestens durch die 68er Generation sprießten auch in Konstanz eine Menge Rockbands aus dem Boden." So wie die 1972 gegründete Band Wetzstein, der 1978 High Voltage und 1980 Adonis folgten. In der alten Ziegelei hatte High Voltage ihren Proberaum. "Zunächst haben wir viel gecovert, aber immer mehr eigene Stück geschrieben", so Schlagzeuger Peter Heuer. "Wir haben nicht nur über Sex und Mädels, sondern auch über Atomkraft, Krieg und Ausbeutung gesungen – alles Themen, von denen wir dachten, in zwanzig Jahren muss man nicht mehr darüber singen." Jetzt stellt er fest, dass die Themen nach wie vor aktuell sind.

Es waren tolle und bewegte Zeiten in der Konstanzer Musikszene. Die Uni-Feten mit vielen Live-Bands und mehr als 5000 Besuchern waren legendär. Im Konzil, im St. Johann mit 800 Besuchern, im Juze in der Klosterkaserne und in kleinen Bars, rockten sie ab, ebenso wie auf Rockerpartys. Damals wurde Live-Musik hoch geschätzt. High Voltage beispielsweise hatte innerhalb von vier Jahren 120 Auftritte. Der Einbruch kam Mitte der 1980er Jahren mit dem Aufkommen der Discotheken und der Konservenmusik. Und heute? "Heute wird Musik beliebig. Man lädt sich Musik herunter und eigentlich weiß keiner mehr, wen und was er gerade hört", sagt Klaus Wilsrecht-Zahn und bemerkt, dass darunter nicht nur die bekannten, sondern vor allem auch die lokalen Bands leiden. "Es sollte eine Bühne für aktuelle Konstanzer Bands geben", sagt der Alt-Rocker, der seine schon gefunden hat: Den Kulturladen.


Sound oft the Past

Die Bands High Voltage, Adonis und Wetzstein, die in den 1970er und Anfang der 1980er Jahre die Konstanzer Rockmusikszene mit eigenen Songs mit geprägt haben, veranstalten mit dem Kulturladen am Mittwoch, 28. Dezember, um 20.30 Uhr unter dem Motto "Sound of the Past" ein Konzert. Die Musiker wollen die Atmosphäre jener Zeit für einen Abend in den Kula zu holen. Alle drei Bands spielen ihre Originalsets aus dieser Zeit in der Originalbesetzung. Der Eintritt kostet 10 Euro.

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