Konstanz Sorge um Pflege in Konstanz wächst: 2020 könnten 115 Heimplätze fehlen

Schon heute liegt die Unterdeckung bei Konstanzer Pflegeheimen bei über 100. Die Stadt hinkt bei den Heimplätzen hinterher. Dabei helfen nur Neubauten gegen den Mangeln an Pflegeplätzen.

Diese Zahl klingt beruhigend: Lediglich vier Pflegeheimplätze fehlen im Jahr 2035. Das große Aber folgt. Diese geringe Unterdeckung wird es laut Altenhilfeberatung nur geben, wenn weitere Einrichtungen entstehen. Konkrete Pläne gibt es hierfür noch nicht, und es bedarf eines Strategiekonzepts. Aktuell fehlen 111 Betreuungsplätze.

Diese Zahl ist wiederum ernüchternd und die Situation wird sich bis zum Jahr 2020 nicht bessern. Dann gibt es in Konstanz eine Unterdeckung von 115 Plätzen in der 24-Stunden-Pflege. Dies hat eine Bedarfsanalyse der städtischen Altenhilfeberatung im Vorfeld des Sozialausschusses ergeben (Mittwoch, 8. November, 16 Uhr, Ratssaal). Er wird sich ein Bild über die Lage in der Stadt machen. Die Altenhilfeberatung legt den Kommunalpolitikern die Errichtung zweier weiterer Heime nahe: im Gerstäcker und am Hafner. Das würde den Bedarf nicht decken, aber erheblich lindern.

Bei diesem Thema gibt es zwei Problemfelder. Auf der einen Seite schreibt die Landesheimbauverordnung vor, dass es in Pflegeeinrichtungen künftig nur noch Einzelzimmer geben darf. Das stellt die Betreiber vor gewaltige Herausforderungen. Jahrzehnte lang durften sie die Bewohner in Mehrbettzimmer unterbringen. Das soll möglichst bis 2019 vorbei sein, somit müssen die Anbieter mit großem finanziellen Aufwand umplanen und umbauen. Nicht alle konnten diesen Schritt mitgehen und mussten ihre Häuser schließen – wie das Beispiel in Blumenfeld bei Tengen zeigte. Jeder wegfallende stationäre Pflegeplätze verschärft die Situation auch in Konstanz, weil das hiesige Angebot nicht ausreicht und Bürger außerhalb der Stadt- und sogar Kreisgrenze nach Betreuungsmöglichkeiten für Angehörige suchen müssen.

Allein in den Häusern der Spitalstiftung fallen durch die Einzelzimmervorgabe bis zum Jahr 2020 wohl rund 35 Plätze weg. Für das privat betriebene Haus Chris-Tina konnte die Altenhilfe dem Sozialausschuss noch keine Zahlen vorlegen wie auch keine langfristige Einschätzung zum Seniorenzentrum "im Paradies" der Blarer-GmbH. Das Haus Loretto des KWA-Parkstifts verliert durch die neue Landesverordnung vier Betten. Einzig das Marienhaus läge nach jetzigem Stand im Plus; aber nur, wenn die Caritas in geplantem Umfang das Zoffingen umbauen kann. Anwohner haben Protest eingelegt. Aus ihrer Sicht ist ein Anbau überdimensioniert. Unter dem Strich fallen bis 2020 trotz entstehender Pflege-WGs mindestens 35 Plätze weg. Einem Bedarf von 841 Plätzen steht ein Angebot von 726 Plätzen gegenüber, hier ist bereits das neue Haus der Arbeiterwohlfahrt in der Jungerhalde einkalkuliert.

Der Bedarf ergibt sich auch unter Berücksichtigung der Bevölkerungsentwicklung und des demografischen Wandels. Das ist das zweite Problemfeld. Es wird immer mehr Konstanzer und immer mehr ältere Bürger geben. Eine Lösung ist nur mit dem Bau neuer Pflegeheime in Sicht. Die Spitalstiftung arbeitet an einem Projekt im Weiherhof mit bis zu 75 Plätzen, weitere Pflege-WGs und ambulante Angebote als Ergänzung sind in Arbeit. Der Sozialausschuss wird in seiner Sitzung am Mittwoch anhand der Diskussionsvorlage der Altenhilfeberatung vermutlich grundsätzlich beraten, wohin die weitere Reise bei der Versorgung pflegebedürftiger Menschen gehen soll. Sollte die Kommunalpolitik den Bau neuer Einrichtungen auch auf dem neu entstehenden Stadtteil Hafner und im Gerstäcker befürworten, fehlen im Jahr 2030 noch 22 Pflegeplätze, im Jahr 2035 vier.

Zu diesem Zeitpunkt sinkt die Zahl der älteren Bürger wieder. Und damit der Bedarf – sofern alle Berechnungen tatsächlich so eintreffen.

Angebote

In Konstanz gibt es zehn Pflegeeinrichtungen: vier der Spitalstiftung (Salberg, Talgarten, Urisberg, Luisenheim), das Marienhaus und Haus Don Bosco (Caritas), das Haus Christ-Tina (private GmbH), das Seniorenzentrum der Blarer-GmbH, das Haus Loretto (KWA-Parkstift) und im Tertianum. Zudem gibt es Pflege-WGs und es sollen weitere entstehen. In der Umsetzung befindet sindein Pflegeheim im Weiherhof (Stiftung) beim Businesspark und in der Jungerhalde (AWO). Ergänzt werden die stationären Angebote von ambulanten.

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