Ohne das Stadttheater Konstanz, ohne die enge Anbindung an ein stehendes Ensemble, an einen funktionierenden Theaterbetrieb aus der Region, habe das Sommertheater in Überlingen keine dauerhafte Zukunft als profilierte Bühne. Davon ist Bernhard Stengele überzeugt. "Es geht nur mit einem assoziierten Theater, wenn man auf dem bisherigen Niveau weitermachen will mit Neuproduktionen", sagt der Schauspieler und Regisseur, einige Jahre selbst festes Ensemble-Miglied der Konstanzer Bühne und dem Sommertheater seit 1994 früher in Meersburg und ab 2003 in Überlingen durch viele Auftritte und Inszenierungen eng verbunden. Heute verantwortet er als Schauspieldirektor die Bühnen der Stadt Gera und ist bereit, mit seinem Ensemble 2017 in Überlingen einzuspringen. Eine Lösung für eine langfristige Zukunft aber wäre das nicht, machte er jetzt bei einem Kurzbesuch am Bodensee deutlich, den er für ein Gespräch mit Thomas Becker nutzte, dem designierten Vorsitzenden des Sommertheater-Fördervereins.

"Wenn das Stadttheater Konstanz und die Theaterfreunde hier in Überlingen für die kommende Spielzeit kein Konzept entwickeln können, dann werden wir etwas auf die Beine stellen, was toll sein wird, davon kann man ausgehen", macht Stengele deutlich, dass er mit seiner Thüringer Bühne kommendes Jahr direkt im Anschluss an die Spielzeit dort in den Theaterferien an den Bodensee reisen und in Überlingen Sommertheater machen kann – und will. "Wir bekommen ein, zwei Neuproduktionen hin fürs Sommertheater, eine weitere würden wir mitbringen", skizziert Stengele, "so dass wir annähernd den Spielplan hinbekämen wie er bisher war, drei bis vier Wochen lang."

"Mit den begrenzten Mitteln natürlich, das weiß dann auch jeder", erinnert Stengele daran, dass der Überlinger Gemeinderat den Sommertheater-Etat im Juli auf 30 000 Euro halbiert hatte. Nach dieser Kürzung waren die schon länger schwelenden Spannungen zwischen dem Förderverein und Stadttheater-Intendant Christoph Nix offen zutage getreten. In einer außerordentlichen Mitgliederversammlung am kommenden Mittwoch, 14. September, soll der Förderverein über das Konzept mit Stengele beraten. Die endgültige Entscheidung läge dann beim städtischen Kulturausschuss, der darüber am 28. September befinden soll.

Falls es kommendes Jahr zu einem Sommertheater unter seiner Verantwortung käme, sieht Stengele zwei Optionen: "Entweder ich mache hier 2017 einen großen Abgesang und danach hat es sich erledigt, oder aber ich schaffe den Freiraum zum Durchatmen, damit sich alle nochmals an einen Tisch setzen um eine gemeinsame Lösung finden." Und dann sagt er: "Auch wenn das jetzt pathetisch klingt: Wir haben so viele Probleme, mit Europa, mit allem, und jetzt haben wir hier diese drei Kilometer über den Bodensee, das muss doch zu schaffen sein – dass man diese Städte wieder zusammenbringt." Der Theatermacher erinnert an die Anfänge des Sommertheaters 1985, als es auch darum ging, eine kulturelle Brücke über den trennenden Bodensee zu schlagen. "Herr Professor Nix fährt ja bis Afrika, jetzt wird er es ja wohl auch bis Überlingen schaffen."

Den Überlingern gibt Theaterprofi Stengele mit: "Eine tragfähige Lösung gibt es nur mit dem Intendanten des Stadttheaters und dessen kaufmännischer Geschäftsführerin." Und in deren Richtung bemerkt er: "Über die 22 Jahre habe ich die Theaterfreunde in Überlingen als sehr vernünftige Gesprächspartner kennengelernt."

Wie soll Überlingen, wie will der Förderverein jetzt auf Stadt und Stadttheater Konstanz zugehen? "Zuallererst muss das Gespräch zwischen den Städten stattfinden", sagt Thomas Becker. "Unsere Frau Oberbürgermeisterin betont ja immer wieder, was für gute Gespräche sie mit Oberbürgermeister Uli Burchardt in Konstanz hat – aber über die Inhalte haben wir bisher nichts erfahren." Mit Intendant Nix sei ein Gespräch Ende September geplant. Dessen Forderung, die außerordentliche Mitgliederversammlung bis nach den Theaterferien zu verschieben, werde man aber nicht erfüllen. "Es tut uns leid, dass er nicht kommen kann." Der Verein habe angeboten, einen Text von ihm zu verlesen oder einen anderen Repräsentanten des Stadttheaters einzuladen. "Wir sind offen, aber wir suchen eine andere Basis der Zusammenarbeit."

Mitgliederversammlung

Der "Förderverein Sommertheater" der hat wegen der "veränderten Bedingungen für das Sommertheater Überlingen in der Zukunft" zu einer außerordentlichen Mitgliederversammlung eingeladen. Sie findet statt am kommenden Mittwoch, 14. September, 19 Uhr, im Café im Rathaus. Die Mitglieder sollen über das vom Vereinsvorstand erarbeitete Konzept für ein Sommertheater 2017 mit Bernhard Stengele und seinen Geraer Bühnen beraten. Zweiter wichtiger Punkt ist die Neuwahl des Vorsitzenden. Thomas Weber (Übrlingen) will das Amt abgeben, aber im Vorstand weiterarbeiten. Sein designierter Nachfolger ist Thomas Becker (Uhldingen-Mühlhfoen) , der zusammen mit Oswald Burger an der Neukonzeption für 2017 mitgeplant hat. Darüber hinaus sind die üblichen Vereinsregularien abzuarbeiten. (mba)