So schlimm ist es selten gewesen: Stoßstange auf Stoßstange stehen die Autos in und um Konstanz über mehrere Kilometer, hupen sich gegenseitig an, vor allem am Emmishofer Zoll und am Hauptzoll schiebt sich die Blechwelle nur zäh voran. "Aktuell ist es leider so, dass wir mit einer Situation konfrontiert sind, mit der wir in der Vergangenheit noch nie in einem solchen Ausmaß zu tun hatten", kommentieren die Verkehrskadetten Konstanz-Hegau auf ihrer Facebook-Seite.

Die Straßen sind dermaßen überlastet, dass es im Moment nachmittags immer wieder zum Verkehrskollaps kommt. Die Tage zwischen Weihnachten und Silvester halten nicht nur den Einzelhandel auf Trab, auch Polizei, Zoll und Verkehrskadetten haben alle Hände voll zu tun.

"Ab dem frühen Nachmittag bis zum späten Abend steht man permanent im Stau", erklärt Johannes Kumm (SPD), Anwohner des Paradies, gegenüber dieser Zeitung. Besonders schlimm war die Lage am Mittwoch. Die Situation ist so ausgeartet, dass sich die Verkehrskadetten gezwungen sahen, auf Facebook ausführlich Stellung zu nehmen: "Einige, meist weniger freundliche Nachrichten erreichten uns seit Mittwochabend", erklärt Dennis Adelmann, Projektleiter der Verkehrskadetten.

Als Grund für die Staubildung nennt er die "überwältigende Masse an Besuchern und Fahrzeugen". Sie habe Infrastruktur und Parkplatz-Kapazitäten innerhalb kürzester Zeit an ihre Grenzen gebracht, mangelnde Parkplätze erschwerten zudem die Zollabfertigung. Der Gottlieber Zoll ist aufgrund von Baumaßnahmen derzeit komplett dicht.

<em>Archivbild: </em>Diese Bilder sollen der Vergangenheit angehören. Kurz nach Weihnachten staute es sich kilometerweit in die Stadt hinein. Um das zu verhindern sollen Autofahrer mit dem Verkehrsaktionstag aufgeklärt und auch erzogen werden.
Archivbild: Diese Bilder sollen der Vergangenheit angehören. Kurz nach Weihnachten staute es sich kilometerweit in die Stadt hinein. Um das zu verhindern sollen Autofahrer mit dem Verkehrsaktionstag aufgeklärt und auch erzogen werden. | Bild: Jörg-Peter Rau

Dass die Situation angespannt ist, bestätigt auch das Hauptzollamt in Singen auf Nachfrage. Es sei sehr viel Verkehr an allen Grenzübergängen, erklärt Mark Eferl, stellvertretender Pressesprecher. "Es sind aber nicht mehr Einkäufer als sonst. Wir gehen davon aus, dass einfach viele frei haben und deshalb kommen." Gleichzeitig bleibe der Strom an Einkäufern auf einem gleichbleibend hohen Niveau, erläutert Eferl.

Ob der Zoll Möglichkeiten habe, die Verkehrslage zum Beispiel durch das Öffnen mehrerer Spuren zu beruhigen? "Wir haben bereits alle Möglichkeiten zigfach geprüft, auch mit den Schweizer Kollegen. Wir sind nicht verantwortlich für Situation und Verkehrsführung."

Die Verkehrskadetten reagierten am Mittwoch, indem sie den Verkehr teils umleiteten. Der nach Konstanz einfließende Verkehr aber riss nicht ab und kollidierte irgendwann mit dem herausfahrenden Verkehr. Eine Spurentrennung im Bereich des Döbele-Kreisverkehrs sollte für Entlastung sorgen – vergeblich. Dennis Adelmann erklärt: "Häufig ist es jedoch auch schlichtweg das rücksichtslose Verhalten einiger weniger Autofahrer, welches ein riesiges Chaos zur Folge hat."

Die Situation strapazierte nicht nur die Nerven vieler Autofahrer, einige parkten so unüberlegt, dass sie die Rettungskräfte behinderten, erklärt Hans-Rudi Fischer, Leiter des Bürgeramts: "Erschwert wurden die Verkehrsbeziehungen durch teils völlig unverständliches und verkehrsbehinderndes Parken."

Zum Beispiel am Fischmarkt. Auf dem Weg zu einem Brand eines unterirdischen Mülleimers auf der Marktstätte sei die Feuerwehr kaum durchgekommen, sagt Fischer. Er appelliert, an solchen Tagen das Fahrzeug stehen zu lassen und bittet darum, wenn die Parkhäuser in der Innenstadt voll sind, auf die Parkhäuser Benediktinerplatz oder Bodenseeforum auszuweichen.

Am Mittwoch habe das Ausmaß des Verkehrs irgendwann einen Punkt erreicht, ab dem verkehrslenkende Maßnahmen wohl keinen Erfolg mehr versprachen. "Der Verkehr wurde sich selbst überlassen, in der Hoffnung auf eine Form der Selbstregulierung", erklärt Adelmann in der Stellungnahme. Dann bekamen die Verkehrskadetten einen Anruf der Polizei. "Die Kernaussage war: 'Der Verkehr steht – er steht in alle Richtungen.' Im Zuge dessen wurde die Arbeit wieder aufgenommen."

Unter anderem die Konzilstraße und Zufahrten zum Emmishofer Zoll wurden gesperrt. Ziel der Maßnahmen sei es gewesen, Laube und Bodanstraße zu entlasten, sagt Dennis Adelmann. "Wir wissen, dass es aus Sicht des Autofahrers nicht die optimalste Variante war – zur Entlastung der Innenstadt jedoch die einzig sinnvolle Maßnahme."

Maßnahmen gegen den Stau

  • Das Parkleit- und Informationssystem soll helfen, schnell Parkplätze zu finden. 33 Parkleitwegweiser informieren über frei verfügbare Parkplätze im Zentrum, in Petershausen und auf dem Parkplatz Bodenseeforum.
  • Das C-Konzept: Vor mehr als zwei Jahren hat der Gemeinderat das C-Verkehrskonzept verabschiedet. Es soll die Innenstadt entlasten. Umsetzung: mehrere Jahre. Folgende Maßnahmen gehören dazu: Bahnhofplatz wird zur Fußgängerzone, neue Radwege, mehr Fußgängerwege, Maßnahmen zur Vermeidung des Schleichverkehrs im Paradies, Sternenplatz wird barrierefrei, mehr Personal und zwei Fahrstreifen am Emmishofer Zoll.
  • Die Verkehrskadetten Konstanz-Hegau sind im Einsatz, um einen reibungslosen Verkehrsfluss im Innenstadtbereich zu ermöglichen. Busse und öffentliche Verkehrsmittel haben dabei oberste Priorität. Warum, erklärt Projektleiter Dennis Adelmann: "Steht der ÖPNV, so gibt es keine gleichwertige motorisierte Alternative mehr zum Pkw." Außerdem versuchen die Verkehrskadetten, Rettungsfahrzeugen eine möglichst rasche Anfahrt zu gewährleisten.
  • Digitale Hilfe: Die Verkehrskadetten informieren im Internet und über die App für Smartphones über die aktuelle Verkehrssituation. Mehr Informationen zu den Verkehrskadetten und der Verkehrsinfo App unter: www.konstanz.de/smk