Mädchen schmeißen sich im Kampf um den Ball in den Sand des Beachvolleyballfeldes, ein paar Meter weiter werfen Jungs auf dem Rasen Medizinbälle in die Luft oder machen Kniebeugen. Auf der Laufbahn versuchen sich einige Kids an den Zeiten für das deutsche Sportabzeichen.

An diesem Abend herrscht am Konstanzer Schänzle ein geradezu babylonisches Sprachengewirr: Arabisch vermischt sich mit Deutsch, hier ein paar Brocken Englisch, dort schwätzen andere Alemannisch. Die vielen Menschen auf dem Gelände am Seerhein eint eines: Sie haben jede Menge Spaß bei der integrativen Sportwoche.

Seit 1989 ist Harald Schuster der Cheforganisator dieses jährlichen Events. „Begonnen hat alles mit einem Projekt an der Uni“, erinnert Schuster sich an die Anfänge. Die Grundidee sei im USC Konstanz entstanden, dessen Vorsitzender der langjährige Trainer Schuster inzwischen ist.

Harald Schuster.
Harald Schuster. | Bild: SK

„Es wurde dann jedes Jahr professioneller“, sagt er. Der TV Konstanz sei schnell hinzugekommen, dann der Stadtsportverband, die Stadt Konstanz und seit einiger Zeit auch ein großes Einkaufszentrum als Unterstützer.

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Zu dem eingespielten Team, wie Harald Schuster die Organisatoren nennt, gehört seit mehr als zwei Jahrzehnten auch Sabine Gaag, die selbst an der Uni studierte, als sie sich für die Sportwoche zu engagieren begann. Jedes Jahr werden dabei verschiedene Vereine oder Abteilungen eingeladen, so dass der Nachwuchs im Alter von sechs bis 13 Jahren immer wieder etwas Neues ausprobieren könne, erklärt sie.

Sabine Gaag.
Sabine Gaag. | Bild: Hanser, Oliver

Meist stehen Fußball und Beachvolleyball auf dem Programm, an diesem Nachmittag auch Judo, Athletik und Leichtathletik. „Wir wollen die Kinder aus den Übergangswohnheimen rausholen“, sagt Harald Schuster. Und Sabine Gaag ergänzt: „Die Grundidee ist, Aussiedler, Migranten oder Flüchtlinge mit Konstanzer Kindern zusammenzuführen und den Nachwuchs in die Vereine zu bringen.“

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Das eine oder andere Mal sei dies auch geglückt. Ein Musterbeispiel dafür ist Patrick Speta, dessen Vater Ivan sich von Beginn an für die integrative Sportwoche engagiert und auch an diesem Nachmittag als Trainer die Beachvolleyballer anleitet. Als die Spetas aus Tschechien nach Konstanz kamen, sprach der kleine Patrick kaum Deutsch. Später wurde der Konstanzer Kapitän der Volleyball-Juniorennationalmannschaft.

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In dieser Woche kommen täglich etwa 40 Kinder ans Schänzle, um gemeinsam Sport zu treiben. In den vergangenen Jahren habe sich die Zahl der Teilnehmer auf 30 bis 60 eingependelt, erklärt Harald Schuster. Während des Balkankrieges in den 1990er-Jahren seien es mitunter zwischen 120 und 150 gewesen, erinnert der Organisator sich.

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Derweil plaudern auf einer Bank einige geflüchtete Frauen. Sie haben in diesem Jahr – unterstützt vom Projekt „Save me“ – am Frauenlauf teilgenommen. Sie sind zwar zu alt für die integrative Sportwoche, doch eines bringt sie immer wieder zusammen in ihrer neuen Heimat: die Freude am Sport.