Bis der Hafner wirklich zur neuen Heimat von tausenden Menschen wird, dauert es noch – Baubeginn ist frühestens im Jahr 2025. Und bislang brauchte es einige Fantasie, sich vorzustellen, wie das Leben, Wohnen und Arbeiten dort wohl sein könnte. Nun zeigen erstmals städtbauliche Entwürfe, wie der neue Stadtteil aussehen könnte. Welcher Teil der 60 Hektar genau bebaut werden könnte, wo es Grünflächen gibt, Gewerbe, ein Seniorenzentrum, eine Schule.

Fünf Entwürfe hat eine Jury, bestehend aus Experten und Bürgern, aus den dutzenden Einsendungen internationaler Büros ausgewählt. Diese bauen auf den Anregungen der Konstanzer auf, die beim ersten Bürgerforum gesammelt wurden. Noch bis 12. Juli sind die Entwürfe im Konstanzer Bürgersaal ausgestellt. Zur Ausstellungseröffnung erläutert Baubürgermeister Karl Langensteiner-Schönborn im Bürgersaal die fünf Entwürfe für den Hafner, die es in die nächste Wettbewerbsrunde geschafft haben. 

Reges Interesse: Zur Ausstellungseröffnung erläutert Baubürgermeister Karl Langensteiner-Schönborn im Bürgersaal die fünf Entwürfe für den Hafner, die es in die nächste Wettbewerbsrunde geschafft haben. Zu sehen sind aber auch alle anderen eingesandten Entwürfe. Wichtig war der Jury, dass es einen Bezug zu Wollmatingen und einen Quartiersmittelpunkt gibt. <em>Bilder: Sandra Pfanner </em>
Bild: Pfanner, Sandra
  1. In der Mitte der Hafner: Ein Berliner Planungsbüro hat einen radikalen Ansatz gewählt. In diesem Entwurf ordnet sich die Wohnbebauung wie ein Ring um den Hügel des Hafner. In der Mitte bleibt also alles grün, die Gebäudehöhen bleiben überall unter den Hügelkuppen. Die Gewerbegebiete liegen im Nordosten direkt an der Landesstraße L221 und fungieren als Schallschutz für die Wohngebiete. Südlich gibt es einen Bildungscampus mit Schulen und der Bibliothek, daneben einen Quartierstreff. Michael Hoffmann aus Fürstenberg, der zur Ausstellungseröffnung kam, gefällt dieser Entwurf gut. "Vor allem die Grünzüge hier sind wichtig", sagt er und deutet auf eine der Schneisen, die sich durch den Entwurf ziehen. "Der Entwurf ist mal was anderes, sehr innovativ. Das finde ich ansprechend", so Hoffmann. Nur einen neuen Spazierweg müsste er sich dann suchen, würde der Entwurf Realität. "Aber macht nichts, ich hätte da schon eine andere Route", sagt Hoffmann.
  2. Grüne Schneisen durch das Wohngebiet: Ein Düsseldorfer Planungsbüro zieht in seinem Entwurf zwei große Grünschneisen durch den Stadtteil. "Das ist etwas, das uns alle Planer rückgemeldet haben: Der Hafner ist allein aufgrund seiner Naturlanschaft ein tolles Gebiet, um dort zu wohnen", sagt Baubürgermeister Karl Langensteiner-Schönborn. Wie auch bei den anderen Entwürfen liegt der Schulcampus zentral zwischen dem neuen Stadtquartier und Wollmatingen und ist damit für alle Bewohner gut erreichbar. "Der Hafner soll ein Teil von Wollmatingen werden und die Bewohner gegenseitig von der Infrastruktur der jeweiligen Quartiere profitieren", so Langensteiner-Schönborn. Herz des Quartiers in diesem Entwurf ist ein großzügiger Platz auf der Ostseite des Kernbereichs. "Der Platz öffnet sich zum angrenzenden Landschaftsraum mit Blick auf den Bildungscampus im Osten und bei klarer Sicht auf das Alpsteinmassiv mit dem Säntis im Südosten", heißt es in dem Entwurf.
  3. Innovative Ideen für ein nachhaltiges Quartier: Ein Zürcher Planungsbüro, das bereits bei dem Konstanzer Wettbewerb "Zukunftsstadt 2020" beteiligt ist, zeigt sehr anschaulich, welche Zukunftsthemen in dem neuen Stadtteil Realität werden könnten. In diesem Entwurf wird die bestehende Ortschaft Wollmatingen um zwei zusätzliche Nachbarschaften ergänzt: Neu-Wollmatingen und Muren. Im Wohngebiet stehen unterschiedliche Häuser: Eigentums-, Genossenschafts und Mietwohnungen. "die Durchmischung ist uns wichtig", kommentiert Baubürgermeister Langensteiner-Schönborn. Vorstellbar seien alle Formen des Wohnungsbaus, der Fokus liege aber auf Reihen – und Mehrfamilienhäusern. Intelligente Technlogien versorgen die Bewohner und Gewerbetreibenden in dem Enwturf des Zürcher Planungsbüros das Quartier mit Energie aus nachwachsenden Rohstoffen. In der Miete ist ein kleiner See angelegt, der momentan eine Feuchtwiese ist. Die Erschließung des Gebietes erfolgt in diesem Entwurf hauptsächlich über ein Bügel-System, das an die bestehenden Straßen anschließt. "Neu-Wollmatingen", wie es in dem Entwurf heißt, ist über die Dettinger Straße zugänglich, deren Durchfahrt nur für Anlieger gestattet ist. Die östliche Nachbarschaft (Muren) wird an zwei Stellen über die L221 erschlossen. Die bestehende Einmündung in die Litzelstetter Straße wird weiter westlich verlegt.
  4. Grundsolider Städtebau: Ein Stuttgarter Planungsbüro hat für den Hafner einen Entwurf mit vier Teilquartieren vorgelegt, die sich in einem Halbbogen um den Hafner anordnen. "Grundsolider Städtebau", findet Langensteiner-Schönborn. Das Büro sei bekannt für seine Siedlungsentwürfe, "die funktionieren". Als eine neue Gartenstadt in Konstanz sieht das Planungsbüro den Hafner und bezieht sich auf die Vorbilder in anderen Stadtteilen: "Die räumliche Vielfalt der Niederburg, die Gartenstadt Sierenmoos und die Typologie der Hofanlagen." Auch in diesem Entwurf würde der Hafner in der Mitte nicht bebaut und den Bewohnern stehen Gemeinschaftsgärten zur Verfügung. Gleichzeitig sind die Quartiere aber dicht bebaut. Jedes Haus ist mit dem Auto anfahrbar, Parkplätze gibt es aber nur in der Tiefgarage des jeweiligen Quartiers. Die letzten 30 bis 100 Meter müssen Bewohnen und Besucher zu Fuß zurücklegen. "Dadurch werden die Quartiere deutlich vom motorisierten Verkehr entlastet", so die Planer. Eine Seilbahnstation ist nicht vorgesehen, sei aber möglich.
  5. Experimenteller Ansatz: Ein Planungsbüro aus Madrid hat einen experimentellen Ansatz gewählt. Das Quartier gliedert sich in viele einzelne Höfe mit viel Grün. Ob so aber Wohnungen für 5000 Menschen entstehen können, wie es geplant ist, bleibt fraglich. "Eins zu eins ist das so nicht umsetzbar", erläutert Esper. "Aber die Grundidee ist stark. Das könnte gut werden." Bildungs- und Sozialeinrichtungen und Geschäfte liegen in diesem Entwurf in der Mitte, das Gewerbegebiet liegt wie auch in anderen Entwürfen an der L221. Gänzlich anders sieht das Planungsbüro allerdings die Zufahrt mit dem Auto. Das Quartier soll autofrei sein. Von der L221 sind über zwei Hauptstraßen die Gemeinschaftsgaragen erreichbar, von denen aus das Gebiet zu Fuß erschlossen wird.