Der besondere, familiäre Charme an diesem Sommerabend lädt dazu ein, den Pianisten Bernhard Renzikowski und einige der mitwirkenden Solisten bereits im Vorfeld der Oper kennenzulernen.

Alexander Irmer wirkt recht entspannt. Er sitzt auf seinem Stühlchen, zehn Meter entfernt von der Bühne. Nenad Cica alias Titus, Jelena Štefanic alias Vitellia, Daniela Vega alias Sextus, Marina Medvedeva alias Servilia, Franziska Gündert alias Annius und Timotheus Maas alias Publius stehen auf den Brettern, die Mitte August die Konstanzer Welt bedeuten und lauschen den Worten des Regisseurs. "Etwas weiter zurück", sagt Alexander Irmer und bewegt seine Arme im Rhythmus. "Titus, das Tänzchen nachher noch einmal. Das brauchen wir jetzt nicht."

Alexander Irmer (rechts) und künstlerischer Leiter Peter Bauer.
Alexander Irmer (rechts) und künstlerischer Leiter Peter Bauer. | Bild: Schuler, Andreas

Die Stimmung im Innenhof des Konstanzer Rathauses ist sehr gut. Von großer Anspannung ist (noch) nichts zu spüren. Vielleicht liegt das daran, dass die Premiere von Mouzarts La clemenza di Tito erst am 15. August sein wird. "Los, Leute, es gibt noch viel zu tun", ruft Alexander Irmer irgendwann und klatscht in die Hände. Weitere Vorstellungen sind am Freitag 17., Samstag 18., Montag, 20. und Mittwoch, 22. August. "Dieses Ambiente hier könnte nicht schöner sein", sagt der Regisseur, der zum dritten Mal bei der Rathausoper in Konstanz arbeitet. Der Berliner wohnt und arbeitet in Graz, in Österreich ist er Dozent an der dortigen Universität.

Alexander Irmer, hochkonzentriert.
Alexander Irmer, hochkonzentriert. | Bild: Schuler, Andreas

Daniela Vega ist zum ersten Mal in Konstanz. "Was für eine fantastische Stadt", sagt die Brasilianerin, die seit acht Jahren in Berlin wohnt. Sie ist Sopranistin und stammt aus São Paulo, wo sie zweimal im Jahr Urlaub macht. Im Alter von sechs Jahren begann sie in der Heimat ihre Ausbildung mit Klavier- und Ballettunterricht. Parallel zur einer klassischen Ballettausbildung an der Royal Academy of Dance, die sie 2003 erfolgreich abschloss, studierte sie fünf Jahre Gesang an der São Paulo State University.

Die Brasilianerin Daniela Vega ist begeistert von Konstanz.
Die Brasilianerin Daniela Vega ist begeistert von Konstanz. | Bild: Schuler, Andreas

Ihre erste Festanstellung bekam die vielseitig talentierte Sängerin und Tänzerin im Chor des Symphonieorchesters des Bundesstaats São Paulo, woraufhin sie diverse Hauptrollen in Operetten und Musical-Produktionen spielte – unter anderem Beauty and the Beast, Das Phantom der Oper oder West Side Story. Ihr zuzuhören ist ein Festival der Sinne. 2012 absolvierte sie ein Masterstudium in Liedgestaltung an der Hochschule für Musik Karlsruhe. "Deutschland ist ein sehr gutes Land für Sängerinnen", erzählt sie. Im März hat sie sich für die Rolle Sextus in Titus beworben. "Glücklicherweise hat es geklappt", berichtet sie strahlend. "Dieser Ort hier beim Rathaus, diese Stadt und dieses Stück – das passt einfach perfekt."

Video: Schuler, Andreas

Andreas Mayer ist für das Bühnen- und Kostümbild verantwortlich. Der Schweizer hat in St. Gallen und in Zürich studiert. "Ich mag diesen Innenhof sehr", sagt er. "Mir gefällt es, dass ich mir aussuchen konnte, wo ich die Bühne aufstelle." Er hat sich für die Front entschieden, die im Rücken des Besuchers steht, wenn man von der Kanzleistraße zum Rathaus geht. Das besondere: Titus und der Chor verlassen zweimal die obere Bühne durch eines der dortigen Fenster. "Eine spezieller Moment, der mich sehr gereizt hat", so Andreas Mayer.

Timotheus Maas alias Publius, Jelena Štefanic alias Vitellia und Daniela Vega alias Sextus bei den Proben auf der Bühne der Rathausoper.
Timotheus Maas alias Publius, Jelena Štefanic alias Vitellia und Daniela Vega alias Sextus bei den Proben auf der Bühne der Rathausoper. | Bild: Schuler, Andreas

Die sechs Partien kommen aus sechs Nationen: Deutschland, Kroatien, Serbien, Russland, Holland und Brasilien. Der Chor, der geheimnisvoll aus einer Bühne hinter der Bühne mit Blickkontakt zu Dirigent Peter Bauer sowie an zwei offenen Fenstern des ersten Obergeschosses singt, ist aus Konstanz.