Die Siemens-Logistiksparte startet nach dem Umzug auf den Campus Konstanz und mit dem Bau der neuen Produktionshalle durch und kämpft für einen langfristigen Erfolg: Michael Reichle, Geschäftsführer der Firma mit vollem Namen SPPAL hat eine positive Zwischenbilanz über den Veränderungsprozess bei einem größten gewerblichen Arbeitgeber der Stadt gezogen. Verwaltung und Entwicklung arbeiteten in den neuen Räumen bereits sehr erfolgreich, der Umzug der Produktion sei bis Jahresende abgeschlossen, sagte er vor Kommunalpolitikern.

Es gebe "gute Zeichen, dass die Fertigungshalle voll und belegt sein wird", erklärte Reichle. Das Bauwerk wächst derzeit im Rekordtempo in die Höhe, und langsam werden die Ausmaße des Gebäudes deutlich, das zwischen Byk-Gulden-Straße und Bahnlinie entsteht. Es ist zehn Meter hoch, 150 Meter lang und 100 Meter breit. Neben Briefsortieranlagen sollen hier künftig auch Fördereinrichtungen für Fluggepäck und Pakete gefertigt werden.

Garantiert ist der Erfolg dabei nicht, mahnte Reichle. Die Entscheidung, trotz heftigen Werbens aus dem Umland in Konstanz zu bleiben, sei auch ein "Experiment", betonte Reichle. Die Lebenshaltungs- und Lohnkosten seien im Vergleich zur Konkurrenz hoch. Man habe aber ein "Bündnis mit der Stadt und den Hochschulen" gewollt – immerhin war es die Konstanzer Forschung im Bereich automatische Zeichenerkennung, aus der das Geschäftsfeld einst entstand. Die hohen Kosten am Standort Konstanz könnten zu einem Teil durch Effizienz ausgeglichen werden. Vor allem aber dürfe das Unternehmen nicht satt und bequem werden, forderte Reichle. In Konstanz gebe es eine "gewisse Genussverwöhntheit", sagte er den Kommunalpolitikern in seinem bemerkenswerten Vortrag: "Wir müssen es uns jeden Tag aufs Neue verdienen, dass wir hier arbeiten, produzieren und leben dürfen."

Im Jahr 2015 sei das Unternehmen, dessen Fortbestand zeitweise komplett in Frage gestellt war, "zweistellig", gewachsen. Das gebe Schwung für die Herausforderungen, die laut Reichle auch in der schlechten Verkehrsanbindung von Konstanz liegen – er beklagte die häufigen Staus, die die Einbindung in die Lieferketten erschwerten. Dennoch sei die Entscheidung für Konstanz richtig gewesen. Jetzt komme es auf die Haltung an, die er von seinen Mitarbeitern erwarte und die auch für den Wirtschaftsstandort insgesamt angezeigt sei, so Reichle: "Es geht in die richtige Richtung, aber nichts ist selbstverständlich und umsonst."

 

Was Siemens in Konstanz macht

Die Siemens-Logistiksparte SPPAL (Siemens Postal, Parcel & Airport Logistics) ist einer der größten Arbeitgeber in Konstanz.

  • Die Firma: Siemens SPPAL ist eine hundertprozentige Tochter von Siemens, aber aus dem Großkonzern herausgelöst. War das Geschäftsfeld mit Hauptsitz Konstanz über Jahre stets von Entscheidungen in Erlangen oder München abhängig, ist es jetzt ein vollständiges eigenes Unternehmen mit mittelständischem Charakter. Es beschäftigt weltwelt 2800 Menschen in rund 20 Ländergesellschaften, 600 davon in Konstanz. Geschäftsführer ist seit zwei Jahren der Wirtschaftsingenieur Michael Reichle.
  • Die Produkte: SPPAL fertigt, wartet und betreibt vollautomatische Brief- und Paketsortieranlagen sowie Gepäcksortier- und Beförderungstechnik für Flughäfen. 176 Milliarden Briefe jährlich werden in aller Welt laut Reichle mit Technik aus Konstanz sortiert. Die Paketsortieranlagen schaffen bis zu 190¦000 Pakete pro Stunde. In 14 der 20 größten Paketzentren der Welt ist Siemens-Technik im Einsatz. Auch auf 14 der größten Flughäfen der Welt sortieren und transportieren Anlagen mit Siemens-Komponenten Gepäck – meist unsichtbar unter der Erde. Auch hier sind die automatische Erkennung und mechanische Spitzenleistung der Schlüssel zum Erfolg.
  • Die Perspektiven: Viele Postunternehmen haben in den letzten Jahren ihren Maschinenpark auf den neuesten Stand gebracht. Zugleich geht das Briefaufkommen weltweit durch den Siegeszug der E-Mail zurück. Deshalb sind die Bereiche Paket und Gepäck für SPPAL die wichtigsten Zukunftsfelder. Der Boom des Internet-Versandhandels lässt das Paketaufkommen nach Branchenschätzungen weiter steigen. Auch dem Luftverkehr wird erhebliches Wachstum zugetraut, vor allem in Ländern mit rasch wachsendem Wohlstand. (rau)