Zum runden Geburtstag laden Museen gerne zum Festakt, vielleicht auch zu einem Tag der offenen Tür. Und ja: Es wird auch zum 150-jährigen Bestehen des Rosgartenmuseums im Jahr 2020 besondere Aktionen geben, mit denen sich das Haus bei seinen Bürgern bedanken will. Eine Sonderausstellung ab Sommer mit dem Titel „Schätze des Südens“ widmet sich dem Haus und seiner Geschichte. „Dann werden wir auch wegen ihrer Empfindlichkeit sehr selten ausgestellte Stücke zeigen“, kündigt Tobias Engelsing, Direktor der Städtischen Museen Konstanz, an.

Was verspricht sich das Museum von den „Konstanzer Kostbarkeiten“?

Das Dankeschön erfolgt aber auch in umgekehrter Richtung. „Mit den Konstanzer Kostbarkeiten sollen die Bürger dem Museum ein kleines oder größeres Geschenk machen können“, sagt Engelsing. Als Nebeneffekt erhoffe er sich eine stärkere Bindung an das Haus und seine Exponate.

Die Idee hinter der Aktion: Privatpersonen und Unternehmen können die Kosten für die Restaurierung ausgewählter Sammlungsgegenstände übernehmen. Die Beträge reichen von 50 Euro, zum Beispiel für die Reinigung von Silberstücken aus dem 19. Jahrhundert, bis zur 10.000 Euro teuren Aufbereitung eines 180 Millionen Jahre alten Krokodil-Fossils.

Die teuersten und aufwendigsten Arbeiten fallen auf die Restaurierung des ungefähr 180 Millionen Jahre alten Krokodil-Fossils (Teleosaurus Bollensis). Hier muss der Pyrit-Zerfall gestoppt werden, außerdem wird das Fossil gereinigt und gesichert.
Die teuersten und aufwendigsten Arbeiten fallen auf die Restaurierung des ungefähr 180 Millionen Jahre alten Krokodil-Fossils (Teleosaurus Bollensis). Hier muss der Pyrit-Zerfall gestoppt werden, außerdem wird das Fossil gereinigt und gesichert. | Bild: Alexander Stertzik

Was hat das Fossil beschädigt?

Durch die hohe Luftfeuchtigkeit am Bodensee hat der von Restauratoren gefürchtete Pyrit-Zerfall eingesetzt. Dieses Mineral lagert sich im Laufe der Fossilisation in den Knochen ein. Gelangt das versteinerte Objekt später an die Luft, kann Pyrit ausblühen und das Fossil zerstören. „Unserem Krokodil hat sich eine Privatperson angenommen, die aus einer Konstanzer Handwerkerfamilie stammt“, erklärt Engelsing. Der Stifter möchte in diesem Fall ungenannt bleiben.

Das kann, muss aber nicht, auch jeder andere Restaurierung-Spender so handhaben. „Die Stifter erhalten ein Zertifikat“, sagt der Museumsleiter, „außerdem wird mit einer kleinen Tafel im Jubiläumskatalog auf den Namen des Paten hingewiesen“.

Wie kam das Museum auf die Idee?

Auslöser der Aktion war der Umzug der Sammlung in das neue Kunstdepot im Industriegebiet. Dabei seien laut Engelsing etwa 200.000 Gegenstände gereinigt und erfasst worden – verbunden mit der Erkenntnis, dass etliche der kleinen und großen Exponate restauriert werden sollten. Im Anschluss stellte das Museum eine Liste von zunächst etwas mehr als 60 Exemplaren zusammen.

Für welche Stücke können noch Patenschaften übernommen werden?

Neben dem erwähnten Krokodil-Fossil und zahlreichen Silber-Schmuckstücken befinden sich darunter zum Beispiel eine 140 Jahre alte Büste von Museumsgründer Ludwig Leiner.

Bei der Büste von Rosgartenmuseums-Gründer Ludwig Leiner aus der Hand von Hans Baur muss die Oberfläche der Gipsskulptur gereinigt werden. Sie stammt aus dem Jahr 1880.
Bei der Büste von Rosgartenmuseums-Gründer Ludwig Leiner aus der Hand von Hans Baur muss die Oberfläche der Gipsskulptur gereinigt werden. Sie stammt aus dem Jahr 1880. | Bild: Rosgartenmuseum Konstanz

Auch militärhistorische Exponate wie eine badische Infanterie-Pickelhaube oder ein Offiziers-Tschako des Konstanzer Bürgermilitärs sind dabei.

Eine badische Infanterie-Pickelhaube (Offiziersfassung), ungefähr aus dem Jahr 1848, muss gereinigt, gesichert, stabilisiert und konserviert werden.
Eine badische Infanterie-Pickelhaube (Offiziersfassung), ungefähr aus dem Jahr 1848, muss gereinigt, gesichert, stabilisiert und konserviert werden. | Bild: Alexander Stertzik

Oder ein Hochzeitsschmuckkästchen aus Eichenholz, das ungefähr auf das Jahr 1590 datiert wird und gefestigt, gekittet und gereinigt werden muss – Kostenpunkt: 3100 Euro.

Ein Hochzeitsschmuckkästchen aus Eichenholz mit einer Wismuthauflage und Temperamalerei, etwa aus dem Jahr 1590, muss gefestigt, gereinigt und gekittet werden.
Ein Hochzeitsschmuckkästchen aus Eichenholz mit einer Wismuthauflage und Temperamalerei, etwa aus dem Jahr 1590, muss gefestigt, gereinigt und gekittet werden. | Bild: Alexander Stertzik

Kann man auch jetzt noch mitmachen?

Auch der SÜDKURIER hat die Patenschaft für eine Konstanzer Kostbarkeit übernommen. Das Medienhaus kommt für die Kosten der Reinigung und Rahmung eines Miniaturporträts von Wilhelmine Vögelin aus der Hand eines unbekannten Künstlers auf.

Der Künstler dieses Miniaturporträts (Öl auf Porzellan) von Wilhelmine Vögelin aus dem Jahr 1840 ist unbekannt. Der SÜDKURIER hat die Kosten für die Reinigung und Rahmung übernommen.
Der Künstler dieses Miniaturporträts (Öl auf Porzellan) von Wilhelmine Vögelin aus dem Jahr 1840 ist unbekannt. Der SÜDKURIER hat die Kosten für die Reinigung und Rahmung übernommen. | Bild: Alexander Stertzik

Die Nachfrage nach den angebotenen Gegenständen war hoch, sämtliche Patenschaften sind bereits vergeben. „Wir haben uns deshalb entschlossen, noch einmal nachzulegen“, sagt Tobias Engelsing. Etwa 30 weitere Exponate werden derzeit für die Liste ergänzt. Insgesamt werden dann also etwa 100 Konstanzer Kostbarkeiten durch den Beitrag von Bürgern und Firmen aus der Stadt und der Umgebung in neuem Glanz erscheinen.