In Bayern ist es der Wolpertinger, in Thüringen der Rasselbock und am Bodensee der Ilbentritsch, der seit Jahrzehnten sein Unwesen treibt, für jede Menge Wirbel sorgt und einfach an allem, was schief geht, schuld ist. Nach dem Erfolg des ersten Stücks „Bodenfee und Wellenzwerg“ in der Spielzeit 2013/14 des Theaters Konstanz, in dem sich das Quartett „Eingeborenenmusiker vom Bodensee“ schon mit anderen mythologischen Figuren rund um den Bodensee beschäftigt hat, sollte nun im zweiten Teil „Die Rückkehr des Ilbentritsch“, unter der Regie von Wolfgang Hagemann in der Spiegelhalle die mythologische Figur des Ilbentritschs im Fokus stehen.

„Der Ilbentritsch kam schon einmal im ersten Teil vor [...]. Er ist bei uns im Raum zwar nicht so bekannt, aber wir wollen ihn hier bei uns ein bisschen auswildern“, erzählte Norbert Heizmann, Eingeborenenmusiker vom Bodensee, mit einem verschmitzten Lachen. Kleine szenische Einlagen durch Schauspielerin Anna Hertz und das Musikerquartett zwischen einer bunten musikalischen Mischung aus Folk, Jazz, Blues und Reggae erzählen von allerlei Unfug, bei dem der Ilbentritsch nicht ganz unschuldig gewesen sein könnte – wie das Musikerquartett alias professionelle Ilbentritsch-Fänger vermutet. Was ist wirklich bei dem Bootsunfall am 30. August 1976 auf dem Bodensee passiert? Hatte der Ilbentritsch auch bei der unglücklichen Liebe zwischen der Fischerstochter Unna und Erwin von Salenstein seine Finger im Spiel?

Die Eingeborenenmusiker des westlichen Bodensees wollen in ihrem neuen Stück nun dem listigen Dämon endlich das Handwerk legen und überlegen, wie sie ihn am besten fangen könnten. Reicht ein Kartoffelsack? Kann man ihn mit einem halben Hähnchen locken und dann mit Salz erstarren lassen? Oder benötigt es doch einige schöne Jungfrauen als Köder? Trotz langer Überlegung müssen sie am Ende allerdings zu dem Schluss kommen: Man sieht ihn nicht, diesen Ilbentritsch, und man kriegt ihn nicht, auch wenn man noch so schnell ist.

Ein ganz besonderer Abend im Foyer der Spiegelhalle: Schauspielerin Anna Hertz und die Eingeborenenmusiker machen Jagd auf eine merkwürdige Gestalt, die ganz bestimmt existiert, aber nie zu sehen ist: den Ilbentritsch.
Ein ganz besonderer Abend im Foyer der Spiegelhalle: Schauspielerin Anna Hertz und die Eingeborenenmusiker machen Jagd auf eine merkwürdige Gestalt, die ganz bestimmt existiert, aber nie zu sehen ist: den Ilbentritsch. | Bild: Theater Konstanz

Die kleine, gemütliche Runde an Zuschauern, die das Foyer der Spiegelhalle platzmäßig zuließ, war einhellig begeistert von der kabarettistischen Darbietung der vier Musiker und Schauspielerin Anna Hertz, auch wenn die schwäbische Mundart für den einen oder anderen für kleinere Verständnisprobleme sorgte. Die allerdings minderten den Spaß am Zuhören und Schauen nicht. So auch bei Viktoria Kozil, die extra für die Premiere am Samstagabend aus Frankfurt angereist war: „Ganz toll, ich hab zwar einige Textpassagen nicht verstanden, aber es war trotzdem super lustig!“

Besonders lobte das Publikum die musikalische Vielfalt, eingebunden in Geschichten, Sagen und Mythen mit Lokalkolorit. „Das Stück hat eine relativ trockene Materie genommen und super gut adaptiert. Ich habe ein bisschen etwas von volkstümlicher Geschichte kennengelernt und mich dabei super amüsiert“, findet auch Nina Jacquemard, die sich ganz spontan entschloss, die Premiere zu besuchen. Im Gegensatz zu einer anderen Besucherin, die bereits in der Spielzeit 2013/14 das erste Stück „Bodenfee und Wellenzwerg“ besucht hatte: „Mir hat es gut gefallen.

Ich habe die vor einigen Jahren schon mal gesehen und wusste daher, dass es wieder toll werden würde.“ Die humorvolle Jagd auf den Ilbentritsch geht mit Vorstellungen bis 22. Juli weiter.

Weitere Termine: Am Stadttheater läuft „Die Rückkehr des Ilbentritsch“ nochmals am Sonntag, 21. Mai und 28. Mai 2017, am Samstag 24. Juni um 20.00 Uhr sowie am Samstag 08. Juli, Freitag, 21. Juli und am Samstag, 22. Juli jeweils um 21.00. Karten gibt es an der Theaterkasse, Telefon (0 75 31) 900-150, oder im Internet auf www.theaterkonstanz.de

Die Akteure

Eingeborenenmusik, das gibt es auch abseits von Ilbentritsch, Bodenfee und Wellenzwerg: Die Musikgruppe Eingeborenenmusik vom Bodensee, bestehend aus Trompeter Thomas Banholzer, Saxophonist Martin Heizmann, Sänger und Ukulelenspieler Norbert Heizmann und Gitarrist Notker Homburger, gründete sich bereits 2005 und macht seit dem grenzüberschreitende Musik, bei der sie ganz verschiedene Musikrichtungen, Zeiten und Themen miteinander zu einer unterhaltsamen Mischung verbinden; eine große Rolle spielen dabei der alemannische Dialekt und Ereignisse aus Stadt und Region. Außerhalb der Veranstaltungen des Theater Konstanz präsentieren sie im Juni und September dieses Jahres ihre musikalische Vielfalt bei einigen Auftritten in der Spitalkellerei Konstanz sowie auf der Zimmerbühne Niederburg.

Weitere Informationen zu den kommenden Terminen im Internet: www.eingeborenenmusik.de/termine