Brav war die Jugend seinerzeit nicht, das ist in den schalkhaft blitzenden Augen von Sänger Detlef Eilhart deutlich ablesbar. Zu der 1968er-Generation zählen die sieben immer noch aktiven Musiker nicht mehr, die sich mit Gründung der Band High Voltage dem Hardrock verschrieben haben.

Hard Rock, „das ist ehrliche Handmade-Music“, sagt Detlef Eilhart.

„Rhythmusbetont“, ergänzt Peter Hoyer.

Und Klaus Wilsrecht-Zahn fügt mit einem Augenzwinkern hinzu: „Und scheißlaute Gitarren.“

Brav und zahm sind die Musiker von High Voltage auch nach 40 Jahren nicht, schließlich ist Hardrock ihre Leidenschaft (von links): Tommy Lemke, Klaus Wilsrecht-Zahn, Detlef Eilhart (vorne), Andreas Bung, Peter Hoyer, Horst Heirler und Götz Zöllner.
Brav und zahm sind die Musiker von High Voltage auch nach 40 Jahren nicht, schließlich ist Hardrock ihre Leidenschaft (von links): Tommy Lemke, Klaus Wilsrecht-Zahn, Detlef Eilhart (vorne), Andreas Bung, Peter Hoyer, Horst Heirler und Götz Zöllner. | Bild: Scherrer, Aurelia

Mit Ausnahme von Keyboarder Andreas Bung kann keiner der Anwesenden Noten lesen. „Wir spielen mit den Fingern“, sagt Klaus Wilsrecht-Zahn schmunzelnd. „Wir sind alles Autodidakten“, erläutert Peter Hoyer. Die heutige Jugend habe es einfacher, könnte auch dank Internet aus einem großen Lehrerpotenzial schöpfen. Vor dem Können und den virtuosen Leistungen der heutigen Jugend ist Detlef Eilhart beeindruckt, keine Frage. „Sie spielen toll, aber das Lebensgefühl fehlt. Wir sind auf der Bühne abgegangen und haben am Bühnenrand die Sau rausgelassen“, stellt er fest.

Ein nackter Auftritt

Das Lebensgefühl der 70er Jahre, wie war das? Trotz Flower-Power-Ära empfand die Jugend die Gesellschaft als spießig. „Unsere Eltern waren noch Kriegsgeneration und wir wurden streng erzogen“, erinnert sich Klaus Wilsrecht-Zahn. „Es gab Wackersdorf, Startbahn West, Antikernkraftbewegung, Terroristenhysterie und eine knallharte Staatsmacht“, skizziert Andreas Bung.

Und es gab mehrtägige Festivals, auch gegen die damals neu aufkommende „braune Soße“, wie Peter Hoyer sagt. Die Jugend rebellierte, auch musikalisch. In Konstanz gab es viele Bands und Konzerte, die immer gut besucht waren, schließlich gab es damals nicht viele Möglichkeiten der Freizeitgestaltung.

Eben in dieser Zeit gründete sich mit High Voltage eine neue Formation, bestehend aus Musikern, die alle schon in anderen Bands, darunter Mark of Infamy, Epikur, Tetragon und Warschau, gespielt hatten. Zunächst spielten sie Lieder ihrer Lieblingsbands nach – von Led Zeppelin, Deep Purple über Judas Priest bis hin zu den Scorpions – entschlossen sich aber rasch, eigene Stücke zu schreiben. Aus gutem Grund, denn „als Coverband wäre man damals schier verbrannt worden“, meint Klaus Wilsrecht-Zahn. Nachzuspielen galt als Unding, selbst gemacht war angesagt.

High Voltage entschied sich für rüde, deutsche Texte. Inhalt war immer, was die Jugend bewegte, so Hoyer. Die Truppe sparte kein Thema aus. „Wir haben Klartext gesprochen“, bekräftigt Wilsrecht-Zahn; direkte Ansprache, bar jeglicher Interpretationsmöglichkeit. „Wir sind mit Bravour angeeckt“, betont Detlef Eilhart.

Unvergessen ist den Musikern, wie sie mit einem Auftritt in Stahringen den Pfarrer gegen sich aufbrachten. Auch an jenen Abend, als der Sänger mal eben nackt auftrat, erinnern sie sich gerne.

Nackt, also im Adamskostüm, wird keiner der sieben Musiker am Samstag im Kulturladen auftreten, wenn sie 40 Jahre High Voltage and Friends feiern. „Im Vorprogramm kommen die Friends auf die Bühne, darunter Roland Foschiani, Rüdiger Bierhorst und Uwe Reith.

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Anschließend tritt High Voltage auf, mit allen Musikern, die über die vier Jahre des Bestehens der Band mitgespielt haben“, so Klaus Wilsrecht-Zahn.

Natürlich wird High Voltage richtig abrocken. In Originalbesetzung. Mit Originalsongs.