Als das Licht der Fußgängerampel auf Grün springt, treten die Demonstranten auf die Fahrbahn und geben sie für fünf Minuten nicht wieder frei. Rund 20 Aktivisten von Extinction Rebellion (englisch für: „Rebellion gegen das Aussterben“) haben am ersten Adventssamstag zwischen 15 und 16.15 Uhr vier Mal für jeweils fünf Minuten die Reichenaustraße an der Kreuzung zur Petershauser Straße besetzt, um für mehr Klimaschutz zu demonstrieren.

Für fünf Minuten stehen Autoräder an der Kreuzung Reicheaustraße/Petershauser Straße still, weil es eine Gruppe der Klimaaktivisten von Extinction Rebellion so will. Erstmals in Konstanz setzen Klimademonstranten auf das Mittel der Straßenblockade.
Für fünf Minuten stehen Autoräder an der Kreuzung Reicheaustraße/Petershauser Straße still, weil es eine Gruppe der Klimaaktivisten von Extinction Rebellion so will. Erstmals in Konstanz setzen Klimademonstranten auf das Mittel der Straßenblockade.

„Entschuldigen Sie die Störung, aber es geht ums Überleben“, heißt es auf einem der Plakate. Mit der angemeldeten und behördlich genehmigten Aktion haben Demonstranten erstmals in Konstanz gezielt eine Straße blockiert.

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Sorgte die Blockade für ein Verkehrschaos?

Die Demonstration zieht keinen größeren Stau nach sich. Denn nach jeder Blockade lassen die Aktivisten zehn Minuten vergehen, bevor sie erneut die Fahrbahn versperrten.

Man wolle die Autofahrer aufrütteln und einladen, beim Klimaschutz mitzumachen, sagt Daniela Mink von Extinction Rebellion. Auf einem Plakat werben die Demonstranten: „Verkehr stoppen? Schaffen wir alleine. Klimakrise stoppen: Nur mit Euch!“

 

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Mit Schildern zeigen die Aktivisten den Autofahrern die Minuten bis zur Freigabe der Fahrbahn an. Die Demonstranten dichten bekannte Lieder auf den Klimaschutz um – zum Beispiel „All you need is change“ oder „Probier‘s mal mit dem Klimastreik“. Drei Aktivisten gehen von Auto zu Auto und klopfen an die Scheiben: „Entschuldigung, das ist ein Notfall!“ Sie bieten den Wartenden Flugblätter und Kekse an.

Die Aktivisten Saraya Duden mit Valerio und Sue (von links) versuchen, die wartenden Autofahrer anzusprechen. Sie bieten ihnen Informationszettel und Kekse an.
Die Aktivisten Saraya Duden mit Valerio und Sue (von links) versuchen, die wartenden Autofahrer anzusprechen. Sie bieten ihnen Informationszettel und Kekse an. | Bild: Claudia Rindt

Wie reagieren die aufgehaltenen Autofahrer auf die Aktion?

Ganz unterschiedlich: Ein paar hupen gereizt, einige wenden mit quietschenden Reifen. Viele reagieren nicht auf die Kontaktversuche, der Unwille über die Aktion ist ihnen ins Gesicht geschrieben. Einige zeigen Verständnis. Sie öffnen die Autofenster, nehmen höflich Zettel und manchmal auch die angebotenen Kekse entgegen.

Es sei schon okay, immerhin gebe es ja Musik, sagt einer, der sein Auto wegen eines Umzugs voll geladen hat. Ein anderer fragt, ob es sinnvoll sei, wenn Autos jetzt fünf Minuten stehen und die Abgase in die Luft blasen? Denn: Nicht alle stellen den Motor ab. Auch wenn zumindest in einem Fall dazu auch einer der abgestellten Polizisten auffordert.

Die Demonstration zog keinen größeren Stau nach sich. Denn nach jeder Blockade ließen die Aktivisten zehn Minuten vergehen, bevor sie erneut die Fahrbahn versperrten.
Die Demonstration zog keinen größeren Stau nach sich. Denn nach jeder Blockade ließen die Aktivisten zehn Minuten vergehen, bevor sie erneut die Fahrbahn versperrten. | Bild: Claudia Rindt

Wie verläuft die Diskussion zwischen Autofahrern und Aktivisten?

Ein Autofahrer erklärt sich nicht zuständig für die Anliegen der Demonstranten: „Wir sind aus der Schweiz.“ „Ist da das Klima noch in Ordnung?“, fragt einer der Aktivisten zurück. Ein Unternehmer im Auto sagt, er befürworte zwar grundsätzlich die Klimaanliegen, halte die Blockade aber für das falsche Mittel. „Wie viele Leute erreichen Sie denn hier?“ Er rät den Demonstranten, unternehmerisch das Thema Klimaschutz zu besetzen und so großen Einfluss zu gewinnen.

Saraya Duden, die für die Aktivisten von Auto zu Auto geht, berichtet: Ein Fahrer habe sich für den Einsatz bedankt, ein anderer habe sie empört gefragt, ob sie wirklich glaube, das Recht zu haben, ihn zu einer Wartezeit zu zwingen.

Die 58-Jährige ist als Mitbegründerin einer Extinction Rebellion-Gruppe in Villingen-Schwenningen nach Konstanz gekommen, um sich über den Ablauf einer Blockadeaktion zu informieren. Es sei nicht ausgeschlossen, dass so etwa auch mal für den Schwarzwald geplant werde. Dort allerdings sei es viel schwieriger, mit den Menschen zum Thema ins Gespräch zu kommen, so ihr Eindruck.

Eine Aktivistin: „Wir reizen die Grenzen der Legalität aus“

Vom „Klimanotfall“ spricht Christine Mellau. „Wir wollen politisch Druck aufbauen.“ Daniela Mink ist überzeugt, dass Druck auch notwendig ist, um Bürger aufzurütteln. Viele schauten ansonsten nicht über den Tellerrand. „Wir reizen die Grenzen der Legalität aus.“ Manche bezeichneten Extinction Rebellion als den radikalen Flügel der Klimabewegung, doch sie würde lieber von konsequent sprechen.

Die Gruppe lehne den Einsatz von Gewalt ab. Für den Schüler Silvio Krumm war die Blockade am Ebertplatz eine eher kleine Aktion. Er berichtet, er sei dabei gewesen, als Extinction Rebellion im Oktober in Berlin Verkehrsknotenpunkte durch Blockaden lahmlegten. Die Demonstranten dort hatten sich unter anderem mit Topfplanzen und Sofas auf der Straße breitgemacht.

Wie geht die Konstanzer Polizei mit der Vekehrsblockade um?

In Konstanz hat die Polizei nach eigenen Angaben sieben Beamte zur Begleitung der Aktion abgestellt. Drei davon direkt am Ort der Demo, weitere Kräfte stehen am Kreisel Reichenaustraße/Klingenbergstraße, um mit der Leuchtschrift auf die Demonstration hinzuweisen. Die Polizei sei mit einem großem Aufgebot bereitgestanden, weil keiner gewusst habe, wie die Autofahrer reagieren werden, heißt es auf Nachfragen bei den Einsatzkräften vor Ort.