In Zeiten der Corona-Krise setzt die evangelische Kirchengemeinde Wollmatingen eine seit längerem bestehende Idee um. Jeden Sonntag ab 10 Uhr wird sie einen Gottesdienst und parallel dazu einen Kindergottesdienst (Kigo) übers Internet senden.

Im Internet abrufbar

Dieses Angebot zu nutzen stehe allen christlichen Kirchen offen, teilt Pfarrer Karsten Beekmann mit. Auch der SÜDKURIER wird dieses Angebot auf seiner Homepage bereitstellen: Am Sonntag um 10 Uhr werden der Gottesdienst aus der Christuskirche und der Kindergottesdienst auf www.suedkurier.de gezeigt.

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Die Kirchengemeinde Wollmatingen zeigt den Gottesdienst selbst auf ihrer Internetseite www.ek-wollmatingen.de. Beide Feiern bleiben dauerhaft als Video verfügbar. Weitere Informationen dazu gibt es unter www.wollma.cool.

„Ein Ort der Besinnung und inneren Einkehr“

„Natürlich befinden wir uns gerade in ganz außergewöhnlichen Zeiten. Viele Menschen müssen sich derzeit von ihren Lieben fernhalten, zum Beispiel von ihren Großeltern oder kranken Verwandten. Ein Gottesdienst ist immer ein Ort der Besinnung und inneren Einkehr, er ist aber auch ein Ort, um Kraft zu schöpfen und anderen Menschen Gutes zu wünschen. Das möchten wir allen SÜDKURIER-Lesern ermöglichen“, sagt Chefredakteur Stefan Lutz.

Vorerst bleibe es dabei, dass die Gottesdienste vorab aufgezeichnet werden, erläutert Julian Reith, Mitglied des Technik-Teams der Gemeinde. Denkbar sei, dass die Gottesdienste irgendwann auch live übertragen werden, sofern es die organisatorischen und technischen Möglichkeiten erlauben.

Mehr Teilnehmer als in der Kirche

Die Premiere am vergangenen Sonntag wurde bereits 380 Mal abgerufen. Julian Reith schätzt, dass am Sonntagvormittag durchschnittlich etwa 85 Übertragungen gleichzeitig erfolgt seien. Pfarrer Beekmann berichtet, die Reaktion auf den Internet-Gottesdienst sei ausgesprochen positiv gewesen. Bilder in sozialen Medien zeigen, wie ganze Familien den Gottesdienst vor dem Computer-Bildschirm verfolgen. „Da hast du mehr Teilnehmer als in der Kirche“, sagt Beekmann erfreut.

Auf 45 Minuten Dauer schätzt Jugendreferent Daniel Lächele den Gottesdienst am morgigen Sonntag. Gebete, Schriftenlesungen, Predigt, Lieder und Segen werden enthalten sein. „Als Thema habe ich gewählt ‚Du kannst dich freuen!‘“, berichtet er. „Es wird ein normaler Gottesdienst, aber nicht mit so viel Liturgie und nicht mit einer so großen Band“, erläutert Beekmann. „Es darf nicht zu kompliziert sein. Einfachheit gewinnt. Das Digitale lebt von der Kürze“, verweist Lächele auf die Besonderheiten einer Videoübertragung.

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„Wir wollen helfen und Zuversicht verbreiten. Wir wollen zeigen, dass Gott die Welt in den Händen hält. Gute Technik für die beste Nachricht der Welt“, sagt Pfarrer Beekmann nachdrücklich. „Vom Kigo haben wir bereits zwei Folgen aufgezeichnet. Das machen wir in Kooperation mit der Evangelischen Kirchengemeinde Böhringen„, ergänzt er.

Puppen, eine Geschichte und Lieder

„Vom Team ‚Entschieden für Christus‘, das am vergangenen Sonntag den Gottesdienst federführend gestaltet hat, haben wir zwei Puppen geschenkt bekommen“, erzählt Kigo-Organisator Oliver Riegger. „Und vom Kinderhaus haben wir weitere Puppen. Wir beginnen den Kigo mit einer Moderation durch die Puppen. Bei einem Lied werden sie die Bewegungen anzeigen, falls die Kinder da mitmachen wollen, damit sie beschäftigt sind“, erläutert er.

Auf einem Flipchart werde zeichnerisch oder mit vorbereiten Bildern eine Geschichte erzählt. Danach gebe es ein Gebet und ein oder zwei Lieder. „Dann kommt die Schlussmoderation durch einen Menschen oder ein Puppe“, schließt Riegger seine Ausführungen. Erfahrungen mit der Videobearbeitung haben die Jugendlichen bei der Konfirmanden-Freizeit gesammelt.

„Wir zeigen, dass Kirche zeitgemäß ist“

„Da haben wir uns überlegt, wie können wir sowas spannend gestalten“, berichtet Julian Reith. „Durch den Schnitt wollen wir das Gefühl suggerieren, dass viele Kameras eingesetzt werden. Wir haben vielleicht 20 Perspektiven, die funktionieren – und die der einzelne im Gottesdienst nicht hat. Wir zeigen, dass Kirche nicht eingestaubt, sondern zeitgemäß ist“, erläutert er. Da es vor oder nach dem Gottesdienst keine Gespräche geben kann, nutzen sie den Chat, damit sich die Zuschauer mitteilen können.

„Wir setzen mehrere Moderatoren ein“, berichtet Reith. „Wichtig ist, dass sich die Leute abgeholt fühlen, damit sie sagen, da schalte ich mich super gern rein“, ergänzt er. „Nicht die Gemeinde macht Jugendarbeit, sondern die Jugend macht Gemeindearbeit“, so Jugendreferent Lächele.