Konstanz Sie denken nicht nur an sich selbst

Rund 100 Initiativen und Vereine gründen Netzwerk. Neuer Verbund soll das Ehrenamt voranbringen. Lenkungskreis wartet auf Wünsche der Engagierten.

Es war ein Abend der Aufbruchstimmung und Initiativfreude: Nahezu 100 Vereine und Gruppierungen aus Konstanz bilden die Gründungsmannschaft des neuen Netzwerks für Bürgerengagement und Ehrenamt. Sie traten beim Taufabend mit ihren Clubs dem neuen Verbund der Ehrenamtlichen bei und besiegelten mit donnerndem Applaus die Wahl des Lenkungskreises.

Etwa 100 völlig unterschiedliche Gruppierungen waren zum Gründungstreffen gekommen, um sich dem neuen Netzwerk anzuschließen oder sich zumindest darüber zu informieren. Der alternative Tauschring fühlte sich ebenso angesprochen wie der Rotary Club. Weitere Initiativen und Vereine sind willkommen. Jede Gruppierung in Konstanz kann mitmachen, solange sie keine radikalen oder diskriminierenden Ziele vertritt. Das Netzwerk könnte riesig werden: Martin Schröpel, der städtische Beauftragte für Bürgerschaftliches Engagement, hat für Konstanz derzeit 540 ehrenamtliche Gruppierungen erfasst.

Er forderte Vereine auf, Wünsche an den Lenkungskreis heranzutragen. „Ihre Ideen sind herzlich willkommen.“ Der Steuerungskreis nehme sie auf und widme sich der Koordinierungsarbeit. Für die konkrete Umsetzung würden Arbeitsgruppen eingerichtet, in denen jeder im Netzwerk mitwirken könne. Bürgermeister Andreas Osner bekannte gegenüber den Ehrenamtlichen: „Wir wollen Sie ernst und ins Boot nehmen.“ Die neue Leiterin des Hauptamts Christine Kullen sagte, es sei ihr ein Herzensanliegen, das Ehrenamt zu unterstützen. Dass es in der Stadt eine so gewichtige Rolle spiele, sei für sie auch ein Grund gewesen, sich für die Stelle in Konstanz zu entscheiden.

Charmant in der Form, aber hart in der Sache trat Martin Müller auf, Fachberater für Bürgerengagement beim baden-württembergischen Städtetag. Schon mit den ersten Sätzen forderte er: Martin Schröpel müsse von der Stadtspitze noch besser unterstützt werden. Der Beauftragte kann 40 Prozent seiner Arbeitszeit der Netzwerkarbeit fürs Ehrenamt widmen, die restliche Zeit fällt auf die Aufgabe, neue Regeln für die Bürgerbeteiligung an Entscheidungen in der Stadt aufzustellen. Müller sieht eine Sehnsucht der Bürger, sich zu engagieren. Diese gelinge am besten bei einer Kultur des Umgangs, Respekts, sowie mit Ruhe und Beziehung. Bürgerschaftliches Engagement stehe für das gegenseitige Lernen, Profitieren und die Entwicklung von Gemeinsinn.


Purscha Bapat

Der Engagierte von der Deutsch-Indischen Gesellschaft sieht im Gründungstreffen eine gute Gelegenheit, um neue Kontakte zu schließen, sich mit anderen auszutauschen und von ihnen zu lernen. Mit neuem Wissen könne die Ehrenamtsarbeit noch besser werden. Mit den bisherigen Möglichkeiten für bürgerschaftliches Engagement in Konstanz zeigt sich der ehrenamtliche Dolmetscher zufrieden. „Es fehlt eigentlich nichts“, sagt er auf Nachfragen. (rin)

Andreas Görwitz

Der Vertreter des Rotary Clubs Konstanz-Rheintorturm ist zum Gründungstreffen gekommen, um zu lernen und zuzuhören. Die Verwaltung des bürgerschaftlichen Engagements betrachtet er als eine enorme organisatorische Herausforderung. Er erwartet sich durch das neue Netzwerk bessere Abstimmungen und mehr Effizienz unter den ehrenamtlichen Helfern. Er sagt, er habe auf die Initiative zwar nicht gewartet, begrüße sie aber. (rin)

Felix Kühnel

Noch kennen sich die unterschiedlichen Initiativen in der Stadt zu wenig – diesen Eindruck hat Felix Kühnel vom Mentoring-Verein Rock Your Life. Dort engagieren sich Studenten. Sie unterstützen Hauptschüler auf dem Weg in den Beruf. Kühnel geht davon aus, dass es Initiativen mit dem Netzwerk bald besser gelingt, Möglichkeiten für gegenseitige Unterstützung zu nutzen. „Es geht darum, dass man sich kennen lernt und Synergien nutzt.“ Er hofft, dass künftig auch Aktivitäten der Universität besser in der Stadt verankert werden. (rin)

Norbert Enste

Der Präsident des Fanfarenzugs der Konstanzer Frichtle ist gespannt darauf, zu sehen, wie andere Vereine in Konstanz arbeiten. Norbert Enste geht davon aus, dass es immer wieder Möglichkeiten gibt, sich gegenseitig zu unterstützen, und sich mit Helfern bei Aktivitäten auszutauschen. Die Frichtle könnten etwa die musikalische Untermalung für Vereinsaktionen stellen. Das Netzwerk, so hofft er, werde das Kennenlernen der Gruppierungen in Konstanz befördern. „Das ist wichtig, dass man sich untereinander kennt.“ (rin)

Ariadne Schmitz

Für einen kleinen Verein wie das in Armenvierteln von Nicaragua tätige Hilfswerk Helft uns helfen seien Netzwerke und gegenseitige Unterstützung enorm wichtig, sagt die Vorsitzende Ariadne Schmitz. „Man kann dann auf Ressourcen zurückgreifen.“ Für kleinere Gruppierungen sei es ansonsten kaum möglich, Spezialprobleme, wie etwa mit der Homepage, zu lösen. Über die Tatenbörse, eine bestehende Anlaufstelle für Ehrenamtliche, habe ihr Verein schon einige Helfer gewinnen können, sagt Ariadne Schmitz. (rin)

Jörg Schaffert

Das Mitglied des jungen Kampfsportvereins Fight for Life will die Netzwerk-Taufe nutzen, um über den Tellerrand seines Clubs hinauszusehen und viele andere Engagierte kennenzulernen. Als Vertreter des erst seit drei Jahren bestehenden Vereins hoffe er unter anderem auf den Austausch mit Erfahrenen, auch um von ihnen lernen zu können. „Man muss das Rad ja nicht immer neu erfinden.“ Netzwerkarbeit könne für alle Beteiligte positiv sein. (rin)

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