Asiaten und Mobiltelefone – eine unzertrennliche Verbindung. Doch beim Besuch einer japanischen Gruppe an der kaufmännischen Wessenbergschule bekommt diese Kombination noch eine ganz andere Bedeutung. Zwölf Schülerinnen und vier Lehrer aus der Region Wakayama dürfen als eine der ersten Anwender eine Smartphone-App testen, die fünf Wirtschaftsgymnasiasten erfunden haben. Wer sie auf sein Mobiltelefon lädt, kann sich touristische Ziele in Konstanz wie Cafés, Restaurants oder Campingplätze anzeigen lassen, und zwar im Hinblick auf deren nachhaltiges Handeln.

Schülerkonferenz in Tokio

Entstanden ist diese App aus einem Seminarkurs Nachhaltigkeit im vergangenen Schuljahr sowie dem Besuch einer internationalen Schülerkonferenz in Tokio. „Dass wir als Schüler eine eigene App entwickeln können, die später vielleicht viele Nutzer aus aller Welt hat, ist super“, schwärmt die 20-jährige Nina Distler. „Das Projekt macht zwar viel Arbeit, aber es fühlt sich nicht an wie Schule. Dafür setzen wir uns gern nachmittags nochmal dran.“ Mitschülerin Majel Banholzer, 18 Jahre, ergänzt seufzend: „Auch wenn wir nun kurz vor dem Abitur stehen und parallel viel lernen müssen.“ Für Chiara Heintel, 16 Jahre, ist das Entwickeln der Handyanwendung eine „Herzensangelegenheit“. Gemeinsam mit Johanna Singler und David Siam tüfteln die Drei seit Schuljahresbeginn an der App. Wer sie nutzt, kann sich bislang 20 touristische Ziele in Konstanz anzeigen lassen und erhält eine Bewertung, wie gut diese auf den Gebieten ökologisches, ökonomisches und soziales Handeln abschneiden. Green Guide Bodensee heißt die Anwendung, die auf Deutsch und Englisch funktioniert, bislang aber nur auf Telefonen mit Android-System, nicht auf Apple-Handys.

Familienfreundlich und barrierefrei

„Man kann auch filtern“, erklärt der zuständige Lehrer Peter Beinborn. „Das heißt, die Nutzer können sich anzeigen lassen, welche Hotels oder Freizeitaktivitäten zum Beispiel familienfreundlich oder barrierefrei sind.“ Die Bewertungen basieren auf der Selbsteinschätzung der Café-, /Restaurant- oder Campingplatzbetreiber, abgefragt anhand speziell zugeschnittener Fragebögen. Später sollen auch Nutzer der App beurteilen können, welchen Grad an nachhaltigem Handeln sie den aufgelisteten Attraktionen beimessen.

"Unsere Region soll schön und sauber bleiben"

Bei der Vorstellung der Ergebnisse vor den japanischen Gästen appelliert Chiara: „Unsere Generation ist jetzt dran, verantwortlich mit der Umwelt umzugehen und auch unseren Kindern ein gutes Leben zu ermöglichen. Unsere Region soll so schön und sauber bleiben wie sie ist.“ Nina ergänzt: „Es wäre schön, wenn später nicht nur Touristen, sondern auch Einheimische unsere App nutzen und somit die touristischen Anbieter zu nachhaltigem Handeln motivieren.“

Praxistest – bestanden

Nach der Theorie machen die Schüler und ihre japanischen Gäste sich auf den Weg zu einem Café im Paradies. Sofort testen die Japaner die vorläufige Version der Anwendung, die noch nicht freigeschaltet ist. Sie sind beeindruckt von der Tüftelei ihrer Gastgeber. Dann aber lockt der Hunger sie ganz unvirtuell in ein Restaurant mit typisch deutschen Speisen. Auch dieses Lokal testen sie – allerdings nicht auf Nachhaltigkeit, sondern auf Geschmack.