Konstanz Seit Wochen ein Zankapfel - jetzt fällt die Stadt Konstanz den Turnschuhbaum am Seerhein

Letzter Akt im Drama um einen markanten Baum am Ufer des Seerheins in Konstanz: Ab Montag regiert dort die Kettensäge. Der Protest gegen die Fällung bleibt damit erfolglos.

Die Tage des Konstanzer Turnschuhbaums sind endgültig gezählt. Obwohl sich eine Bürgerinitiative seit Wochen für den Erhalt der markanten Pappel am Seerhein einsetzt und dessen Schutz als Naturdenkmal fordert, beginnt am Montag die Fällung. Das teilte die Stadtverwaltung am Freitag mit. Sie stützt sich auf einen Beschluss des Technischen und Umweltausschusses und ein von der Stadt in Auftrag gegebenes Gutachten. Das Gegengutachten, das die Baumschützer bei dem Schweizer Experten Fabian Dietrich in Auftrag gegeben hatten, findet in der Ankündigung der Arbeiten dagegen keine Erwähnung.

Die Baumschützer sind sich noch immer sicher: Die Pappel könnte weiterleben

Christel Thorbecke und ihre Mitstreiter hatten vor wenigen Tagen noch erklärt, der Baum könne mit einem Aufwand von 5000 Euro pro Jahr so gesichert werden, dass durch den Abbruch von Ästen oder ein komplettes Umstürzen keine Gefahr für die Öffentlichkeit ausgehe. Sie warf auch dem Technischen und Umweltausschuss vor, er habe lediglich wegen der Kosten entschieden. Überdies sei in der Sitzung "die große Angst vor gefährlichen Bäumen und die Haftung der Ausschussmitglieder bei möglichen Schäden geschürt" worden.

Die Stadtverwaltung spricht von nachgewiesenen Gefahren für die Öffentlichkeit

Die Stadtverwaltung stützt sich laut der Pressemitteilung auf zwei Gutachten des Experten Lothar Wessolly. Er habe den Baum zweimal untersucht und sei im Juli 2013 sowie nochmals im Mai 2017 "zu dem Ergebnis gekommen, dass die Pappel nicht mehr verkehrssicher ist". Zwei Pappeln am Winterersteig seien in der Vergangenheit bereits komplett umgestürzt. Nach einem Sturm habe die Stadt im August 2017 am Turnschuhbaum überdies einen Ast notfallmäßig entfernen müssen, das dieser einen Anriss gezeigt habe. Die Initiative hält dem entgegen, dass auch die jüngsten Stürme dem Tunschuhbaum nichts hätten anhaben können.

Als Ersatz werden zwei Eichen gepflanzt, doch bis auch sie Baumriesen sind, dauert es lange

Nach Abschluss der Arbeiten wird lediglich ein Stammstück an eine der letzten Pappeln erinnern, die einst am Seerhein eine stattliche Reihe gebildet hatten. Dieser Torso bleibt laut Stadtverwaltung als Lebensraum für Fledermäuse, Vögel und Rosenkäfer an seinem Standort. Als Ersatz pflanzt die Stadt wie an anderen Stellen im Winterersteig bereits geschehen zwei Stileichen. Sie sind nach Einschätzung der Verwaltung für den Standort deutlich besser geeignet. Bis sie allerdings die Größe des heutigen Turnschuhbaums erreichen, vergehen noch viele Jahre.

 

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