Wer schlecht gelaunt durch diese Tür kam, war kuriert; innerhalb eines Augenblicks, im Wortsinn. In der Zeitspanne, in der sich ein Blickkontakt mit dem Chef aufbaute, war plötzlich Heiterkeit da. Ali Sarikas musterte seine Besucher, sprach sie beim Vornamen an und setzte ein „mein Freund“ dahinter. Weil es so gemeint war.

Der Wirt des Kuyu-Kebap in der Kreuzlinger Straße meinte es gut mit den Menschen. Hungrige Kinder auf dem Schulweg bekamen ein Stück Fladenbrot zugesteckt, Gäste verwöhnte er mit Selbstgemachtem. Und wenn jemand in Not geriet oder Opfer von Ungerechtigkeit wurde, dann half er.

Aus Ostanatolien in die Metzgerlehre und dann nach Konstanz

Mit 16 Jahren war er aus Varto im Osten Anatoliens nach Deutschland gekommen, lernte auf Drängen seines Vaters einen bürgerlichen Beruf, machte eine Metzger-Lehre und entschied sich gegen sein Talent als Maler. In Konstanz war er der einzige, der handwerklich Fleisch einlegte, schichtete und zum Drehspieß formte. Stets an seiner Seite seine Frau Zahide, von der er zuletzt getrennt lebte und doch ihr bester Freund blieb.

Gute Bildung für Mädchen war ihm ein Herzensanliegen

Gemeinsam machten sie sich dafür stark, dass alle Mädchen auf der Welt eine gute Schulbildung und damit die Chance auf ein eigenständiges Leben bekommen sollten. Gemeinsam schufen sie ein Klima der Offenheit und Toleranz und zeigten sich immer wieder dankbar für die Wertschätzung, die sie dafür gerade in Konstanz erfuhren.

Farbenfrohe Bilder malte er besonders gerne: Auch als Künstler war Ali Sarikas in Konstanz bekannt.
Farbenfrohe Bilder malte er besonders gerne: Auch als Künstler war Ali Sarikas in Konstanz bekannt. | Bild: Scherrer, Aurelia

2013 gaben sie den Kuyu-Kebap ab, Ali Sarikas arbeitete als Taxifahrer, und vor einem Jahr entschied er sich doch noch, seiner Berufung zu folgen und eine Ausbildung als Kunsttherapeut zu beginnen. Er wollte damit an erfolgreiche Ausstellungen anknüpfen, bei denen er seine Arbeiten unter anderem in der Sparkasse, bei Siemens oder im Wolkensteinsaal zeigte.

Er kämpfte gegen eine schwere Krankheit – und unterlag

Wenig später wurde er sehr krank. Er kämpfte sich, begleitet von Frau und Sohn Baran, durch eine schwere Leidenszeit und musste am Ende sogar das ertragen, was für einen Maler das vielleicht schwerste Schicksal ist: Er wurde blind. Am 5. Oktober ist Ali Sarikas gestorben. Er wurde nur 58 Jahre alt.

Ali Sarikas wird in der Türkei beigesetzt. Eine Trauerfeier für ihn findet am kommenden Samstag, 12. Oktober, um 15 Uhr in der Petrus- und Paulus-Gemeinde, Wollmatinger Straße 58, statt.