Was war das Gezeter vergangenes Jahr wieder groß: Jetzt nehmen uns die da oben auch noch den vierten Advent weg. Nicht einmal der Kranz darf lange voll erleuchtet brennen. Ein einziger Kerzen-Skandal, die große Kalender-Verschwörung, schwerster Betrug an der Weihnachtszeit – so schallte es durch die Stuben. Dabei muss man sich manchmal einfach damit abfinden, dass Heiligabend auf den vierten Advent fällt. Oder anders herum. Je nachdem, ob die Prioritäten beim Schenken oder Besinnen liegen. Vielleicht hat sich der ein oder andere Zugezogene – bitte an dieser Stelle einen beliebigen Klischee-Sparer zwischen Schwaben und Schottland einsetzen – gedacht: "Ist doch super, da spare ich mir die letzte Kerze doch einfach für Weihnachten 2018 auf!"

Allen Langzeitkranzliebhabern sei zur Erleichterung verraten: Die Kerzen dürfen noch ein bisschen brennen. Denn weder am 26. Dezember ist, rein christlich gesehen, Schluss mit Weihnachten. Noch am 1. Januar oder am Dreikönigstag. Die Weihnachtszeit endet streng genommen erst am 2. Februar mit Mariä Lichtmess, also genau 40 Tage nach Jesu Geburt. Denn gleichzeitig mit dem Weihen der Kerzen für das kommende Jahr werden auch in der letzten Kirche Christbäume entsorgt und Krippen eingemottet. Wie schön? Nix da, denn da gibt es ja schon wieder Gelegenheit zum Mäkeln: Weihnachten ist erst am 2. Februar vorbei? Wie soll sich ein vorbildliches Mäschgerle denn da in aller gegebenen Sorgfalt auf die Fasnacht einstellen, ist der Schmotzige Dunschdig dieses Jahr doch bereits eine knappe Woche später und könnte fast nicht früher sein. Und warum das alles? Weil irgendjemand meinte, Ostern müsste dieses Jahr schon Ende März sein. Von wegen Frühling, da kann man ja noch im Schnee nach Schokohasen und Eiern suchen. Eine einzige Unverschämtheit, dieses Gehetze von Hochfest zu Hochfest.

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