Es war kurz nach 9.30 Uhr, als sich der beißende Geruch durch die Gänge des Konstanzer Klinikums verteilte. Polizei und Feuerwehr wurde ein Gasalarm gemeldet. Technisches Personal suchte nach der Ursache und wurde fündig: In einem Fahrstuhl, der in erster Linie für Lastentransporte vorgesehen ist, lagen zwei Glasampullen mit einer gelben Flüssigkeit. Zudem fanden die Mitarbeiter auf dem Boden des Fahrstuhlschachts zerbrochene Ampullen; die ausgetretene Säure hat für den äußerst unangenehmen Geruch gesorgt. Dieser habe sich im ganzen Haus verteilt und sei in oberen Stockwerken leicht zu vernehmen gewesen, erklärte eine Klinikumssprecherin auf Anfrage.

Das Klinikum ging von einem Gas­alarm aus, die Feuerwehr stufte die Situation anfangs als Gefahrguteinsatz ein. Sie wusste nicht, um welche Art von Flüssigkeit es sich handelte. ­Feuerwehr, Polizei und Klinikum haben die zwei Untergeschosse evakuiert. In diesen befinden sich die Physiotherapie, die ­Personalkantine und die Apotheke ­sowie Lager und technische Geräte auf einer weiteren Etage. Die ­Einsatzkräfte der Feuerwehr untersuchten die ­Flüssigkeit auf Explosions- und Brandgefahr. Mit einem Spezialgerät haben sie den Stoff geprüft, „das war alles negativ“, sagte Pressesprecher Felix Graf.

Mitarbeiter des Klinikums reinigten die betroffenen Stellen und die Feuerwehr belüftete das Gebäude, um den Gestank zu beseitigen. Gegen Mittag konnte das Personal die zwei Untergeschosse wieder beziehen. Wie gefährlich die Flüssigkeit war, verdeutlicht die Zahl der verletzten Personen. Sechs in der Technischen Abteilung des Krankenhauses angestellte Personen haben eine Reizung der Atemwege erlitten. Die Verletzungen seien jedoch nicht ernsthafter, erklärte Andrea Jagode, Sprecherin des Klinikums.

Die Polizei hat Ermittlungen aufgenommen. Große Fragen bleiben, woher diese Flüssigkeit stammte; wer hatte die Ampullen in den Fahrstuhl abgelegt und in den Schacht geworfen? Solche Fläschchen konnten nicht aus der hauseigenen Apotheke stammen. „Unsere Medikamente sind alle beschriftet“, sagte Klinik-Geschäftsführer Rainer Ott. Die Ampullen seien es nicht gewesen. Peter Hauke, Sprecher der Konstanzer Polizei, erklärte, die zuständigen Ermittler entschieden, ob die Flüssigkeit untersucht werde. Das Klinikum will ein Ergebnis abwarten, um dann eventuell „Erkenntnisse daraus ableiten“ zu können. „Wir nehmen das nicht auf die leichte Schulter“, betonte er und lobte seine Mitarbeiter, Feuerwehr und Polizei, die die Situation sehr gut gemeistert hätten.

Aggressive Säure

Ein Verdacht liegt nahe, dass es sich bei der Flüssigkeit im Klinikum um Buttersäure (Butansäure) handeln könnte. Sie ist grundsätzlich zwar nicht giftig, kann bei einem Verschlucken allerdings gesundheitsschädlich sein. Schwere Verätzungen der Haut und Augenschäden sind bei direktem Kontakt möglich. Wer mit Buttersäure in Kontakt kommt, sollte die betreffenden Stellen sofort mit Wasser spülen, besonders intensiv die Augen. Es sollte ein Arzt konsultiert werden. Buttersäure entsteht bei Übergärung von Butter. Sie kommt aber auch im menschlichen Verdauungsprozess vor. (phz)