"In Schweden werden Christbäume aus dem Fenster geworfen. Das ist keine Ikea-Erfindung", erzählt Diana Gräfin Bernadotte, deren Familie schwedische Wurzeln hat. Sie hat eine ganz spezielle Erinnerung an die Zeit, als sie mit ihren Geschwistern und Eltern Weihnachten feierte. Schwedische Christbäume sind mit Süßigkeiten behangen. So auch der Baum der Bernadotte-Kinder. Nachdem sie diesen geplündert hatten, nahm das schwedische Kindermädchen – ganz den heimatlichen Traditionen verbunden – den leeren Baum und warf ihn mit großem Elan aus dem Fenster. "Es gab einen riesen Schlag", erzählt Bettina Gräfin Bernadotte. Der Stamm des Baumes hatte den Kofferraumdeckel des unten abgestellten Mercedes durchschlagen. "Mein Vater ließ es sich nicht nehmen, so in die Werkstatt zu fahren."

Ausstellungsgestalterin Sabine Oexle und Diana Gräfin Bernadotte sitzen auf Schlitten in der Winterausstellung im Mainauer Barockschloss. Durch das Fenster lugen Timo Schmid, Leiter des Profitcenters Souvenir und Thomas Oexle, der seiner Schwester tatkräftig beim Aufbau geholfen hatte. Bild: Nikolaj Schutzbach
Ausstellungsgestalterin Sabine Oexle und Diana Gräfin Bernadotte sitzen auf Schlitten in der Winterausstellung im Mainauer Barockschloss. Durch das Fenster lugen Timo Schmid, Leiter des Profitcenters Souvenir und Thomas Oexle, der seiner Schwester tatkräftig beim Aufbau geholfen hatte. Bild: Nikolaj Schutzbach

Gräfin Diana feiert Weihnachten mit ihrer Familie in einer Mischung aus deutschen und schwedischen Traditionen. Bereits ihr Vater habe die Weihnachtsgeschichte aus der Bibel vorgelesen – auf Deutsch und auf Schwedisch. "Seine Stimme habe ich beim Vorlesen immer noch im Hinterkopf. Das ist eine sehr, sehr schöne Erinnerung. Diese hat sich nachhaltig eingebrannt", erzählt sie. Sie freue sich, wenn sie Geschenke erhalte. "Aber noch viel lieber ist es mir, wenn ich selbst schenke. Die leuchtenden Kinderaugen sind das Schönste."

Passend zur Jahreszeit hat die Blumeninsel die Ausstellung "Skandinavischer Winterzauber" eröffnet. "Wir legen heute den Fokus auf die ganze Familie. Die Ausstellungen sehen nicht immer gleich aus. Wir versuchen aber immer, einen Teil mit Vitrinen, einen mit Artikeln zum Kaufen und viele Interaktionselemente zu integrieren", erklärt die Geschäftsführerin. "Die Ostheimer-Ausstellung vor einem Jahr hat mich persönlich sehr angesprochen. Die liebevoll gestalteten Figuren aus dem nachhaltigen Material Holz haben mich vollkommen begeistert", ergänzt Gräfin Bettina. Im kommenden Winter wolle die Mainau mit Brio zusammenarbeiten. Das schwedische Spielzeugunternehmen ist bekannt für seine Holzeisenbahnen.

Das Ehepaar Horst und Ruth Trempa zählt zu den Stammgästen der Mainau-Ausstellungen. Bild: Nikolaj Schutzbach
Das Ehepaar Horst und Ruth Trempa zählt zu den Stammgästen der Mainau-Ausstellungen. Bild: Nikolaj Schutzbach

Der diesjährige Schwerpunkt sei aufgrund des Familienhintergrunds gewählt worden. "Wir haben schwedische Wurzeln und leben schwedische Traditionen", erläutert sie. Da gehöre auch die Weihnachtszeit mit dem traditionellen Julbord, dem schwedischen Weihnachtsbuffet, sowie das Lucia-Fest dazu. Wesentliche Unterschiede zur deutschen Weihnacht: "Da ist sicherlich die stärker ausgeprägte Sehnsucht nach Licht. Diese kommt auch im Lucia-Fest zum Ausdruck. Die Lichtheilige Lucia kündigt an, dass die Tage nun wieder länger werden." "Zuerst hatten wir den Titel", erzählt Sabine Oexle, die üblicherweise für die Frühlingsausstellungen verantwortlich zeichnet. Die Schau sollte nicht zu weihnachtlich, sondern winterlich sein. "Kein Gold", sagt sie nachdrücklich.

Das Ehepaar Ruth und Horst Trempa zählt zu den Stammgästen der Mainau-Ausstellungen. "Ich hole mir hier erste Inspirationen für die Advents- und Weihnachtszeit. Die Ausstellungen sind immer schön und zählen zum Pflichtprogramm", berichtet Ruth Trempa. Zu Schweden habe sie zwar keine persönliche Verbindung, aber "mir gefällt das Land. Die nordischen Länder haben einfach was. Es ist sehr heimelig in der Literatur wie bei Pippi Langstrumpf oder in Bullerbü."

Sabine Oexle beim Wichteln. Besucher dürfen mitmachen, wenn sie sich beim Verkaufsstand im Schloss melden und ein eigenes Geschenk mitbringen. Bild: Nikolaj Schutzbach
Sabine Oexle beim Wichteln. Besucher dürfen mitmachen, wenn sie sich beim Verkaufsstand im Schloss melden und ein eigenes Geschenk mitbringen. Bild: Nikolaj Schutzbach

"Noch habe ich nichts gefunden. Der Kick fehlt bisher", sagt sie nach dem ersten Rundgang. "Aber die Wichtel haben etwas. Die sind irgendwie mit dem Norden verbunden. Der zweite Blick ist der entscheidendere." Auch für Ehemann Horst hat die Ausstellung schon Tradition. "Ich komme immer wieder gerne hierher. Da finde ich neue Ideen." Schon oft habe er sich bei Entdeckungen auf diesen Ausstellungen gesagt: "Das wäre doch etwas." Besucher können rund um die Schau auch wichteln, wenn sie ein Geschenk mitbringen.

In der kühlen Jahreszeit zieht es die Besucher der Insel Mainau eher ins Schmetterlingshaus oder ins Palmenhaus, als dass sie die meist winterlichen Beete bewundern, erklärt Bettina Gräfin Bernadotte. "Aber es gibt Besucher, darunter auch viele Jahreskarteninhaber, die ganz bewusst jetzt auf die Insel kommen, um den winterlichen Park zu erleben", betont sie.

"Verglichen mit den Sommermonaten spielt die kühlere Jahreszeit eine eher untergeordnete Rolle für die Insel. Aktuell kommen in den Monaten November bis Februar rund 250 Besucher täglich zur Mainau. Darüber hinaus bilden die Gäste der Mainau-Gastronomie eine wichtige Gruppe im Winter", ergänzt die Geschäftsführerin. Das Weihnachtsgeschäft sei besonders durch die schwedischen Weihnachtsbuffets geprägt, die von Einzelpersonen und Gruppen gebucht würden. Auch gebe es viele Weihnachtsfeiern. Durch den Neubau des Restaurants Comturey kann die Mainau seit 2014 pro Abend 200 Plätze mehr anbieten.

Aktivitäten in den Wintermonaten habe es schon früher gegeben, erläutert Gräfin Bettina. Dazu gehören auch die regelmäßigen Winterausstellungen im Barockschloss. Die neue Schau "Skandinavischer Winterzauber" gibt zwar einen Querschnitt der nordischen Weihnachtraditionen wieder, entfaltet aber mehr Verkaufssaustellungs-Charakter als die Schauen der Vorjahre mit Märklin, Ravensburger und zu Grimms Märchen, die unterhaltsam aufbereitet wurden.

Das Blumenjahr und die Ausstellung

August und September waren regnerisch, dennoch erwartet die Mainau GmbH die fürs Jahr 2017 geplante Besucherzahl zu erreichen. Eine neue Attraktion ist jetzt die neue Winterausstellung im Barockschloss.

 

  • Rückblick: „Das Jahr 2017 war für uns als Insel Mainau wechselhaft, was vor allem der Witterung zuzuschreiben ist“, sagt Bettina Gräfin Bernadotte. „Die Feiertagswochenenden und insbesondere das Wochenende mit Christi Himmelfahrt, zu dem nahezu 50 000 Besucher kamen, waren sehr zufriedenstellend. Juni und Juli waren ebenfalls sonnenreich. August und September waren eher regnerisch. Dennoch blicken wir positiv in die restlichen Wochen des Jahres und gehen davon aus, die geplante Jahresbesucherzahl von 1,2 Millionen sowie ein zufriedenstellendes Ergebnis zu erreichen.“
  • Ausstellungkonzept: Nicht nur Weihnachten in Skandinavien ist Thema, sondern insbesondere der Winter in Skandinavien. Auch das Selbermachen ist wichtig, etwa Baumschmuck aus Papier. Nach Möglichkeit seien schwedische Produkte, Designer und Lieferanten gewählt worden, sagt Ausstellungsmacherin Sabine Oexle.
  • Öffnungszeiten: Die Ausstellung ist bis 11. Februar 2018 täglich von 10 Uhr bis 17 Uhr geöffnet. Eintrittspreis auf die Blumeninsel in der Winterzeit: 10 Euro (Studenten sowie Schüler ab 13 Jahre 6 Euro). (nea)