Konstanz Schul-Neubau: Rund um die Steinstraße ist vieles in Bewegung

Konfliktherd Petershausen: Die Stadt Konstanz baut eine große neue Schule mit Turnhalle, aber mit dem Parken wird es eng. Die Verwaltung sagt, dass die Stellplätze reichen. Die Sportler glauben das nicht. Und wie das mit den Bussen künftig läuft, ist auch noch nicht klar.

Sechs Monate vor Eröffnung der neuen Gemeinschaftsschule beim Bahnhof Petershausen ist noch immer nicht klar, ob ein Linienbus am Neubau hält, ob es genügend Parkplätze gibt und wie das Verkehrskonzept für den Bereich zwischen Bahnlinie und Wollmatinger Straße aussehen soll. Doch ein erster Schritt ist gemacht: Der Technische und Umweltausschuss hat in erster Lesung ein Maßnahmenpaket beschlossen, über das nun am Donnerstag (ab 16 Uhr, Ratssaal, öffentlich) befinden soll. Die Zustimmung in der Politik ist zwar groß, aber die Verärgerung beim Stadtsportverband ist es ebenso. Vorsitzender Harald Schuster kritisiert, dass es nicht genügend Parkplätze für die Sportler und Zuschauer in der neuen Dreifeld-Sporthalle gibt. Und wo am Herbst die Reisebusse von Gastmannschaften parken sollen, kann die Stadtverwaltung bisher ebenfalls nicht beantworten.

Für die Lösung des Problems hatte die Stadtverwaltung ein Gutachten in Auftrag gegeben. Rolf Huber-Erler vom Darmstädter Büro R+T schlägt aus mehreren Varianten jene vor, bei der am wenigsten Parkplätze geopfert werden müssen. 19 werden es nach seinen Berechnungen, das sind drei Prozent der im Quartier bisher existierenden 556 Stellplätze. Das Parken muss nach seinen Worten vor allem deshalb eingeschränkt werden, weil durch die Steinstraße künftig Busse fahren. Damit sie sicher aneinander vorbei kommen, muss das Parken am Straßenrand neu organisiert werden.
 

Im Gemeinderat dürfte das Verkehrskonzept nochmals für Debattenstoff sorgen. Nachdem er die Beratung im Technischen und Umweltausschuss mit versteinerter Mine verfolgt hatte und auch nicht um eine Stellungnahme gebeten wurde, platze Harald Schuster der Kragen: „Es gibt hier keinen Konsens. Wir werden einen Aufstand machen. Seit zwei Jahren wird über das Thema gesprochen, und jetzt kommt die Verwaltung mit diesem Vorschlag“, schimpfte er. Er glaubt: Die Stellplätze auf dem kleinen Lehrer-Parkplatz der Gemeinschaftsschule, weitere Parkplätze auf dem Gelände der Zeppelin-Gewerbeschule und die sonst im Quartier vorhandenen Stellplätze reichen für die Bedürfnisse des Sports nicht aus.

„Wir haben alles getan für die Schaffung von Parkplätzen“, sagte dagegen Baubürgermeister Karl Langensteiner-Schönborn. Es sei „keine Ideologie“ im Rathaus, das Parken schwieriger zu machen, aber es sei auch „klar, dass wir keine Hochgarage bauen können in dem Quartier“. Die Verwaltung verweist überdies darauf, dass in der Tiefgarage unter den neuen Studentenwohnheimen am Bahnhof Petershausen noch zahlreiche Plätze frei sind. Sie sind allerdings etwas von der Sporthalle entfernt – und sie sind nicht gratis.

Gisela Kusche von der Freien Grünen Liste meinte, „das müsste eigentlich reichen“, brachte aber auch eine flächendeckende Parkraumbewirtschaftung ins Gespräch: „Was unterscheidet dieses Quartier denn noch vom Paradies?“, fragte sie mit Blick auf den linksrheinischen Stadtteil, in dem es bald keinen Gratis-Parkplatz mehr gibt. Andere Stadträte sahen beim Thema Parken mehr Probleme. Johannes Hartwich (FDP) schimpfte: „Wir bauen die zweitgrößte Sporthalle der Stadt, und zugleich werden Parkplätze vernichtet. Das gibt Chaos.“ Heinrich Fuchs (CDU) warnte ebenfalls vor schwierigen Situationen und rief dazu auf, das Quartier mit guten Busverbindungen und Radwegen zu erschließen, das könne den Parkdruck etwas vermindern. Alfred Reichle (SPD) rief dazu auf, an den Bau von genügend Stellplätzen zu denken, wenn das nahegelegene Ravensberg-Areal zum neuen Standort für die Wessenberg-Schule entwickelt wird.

Für die Stadtverwaltung und die Planer ist die jetzt vorgestellte Lösung die beste Antwort auf die Veränderung in dem Quartier, sagte Martin Wichmann, Vizechef im Amt für Stadtplanung und Umwelt. Die Entscheidung über die künftige Führung der Buslinien und die Erschließung der Schule falle im Mai, kündigte er an. Bis zum neuen Schuljahr gebe es eine funktionierende Verkehrsführung im Bereich der neuen Gemeinschaftsschule.

 

Veränderungen im Bahnhofsquartier

 

Neubauten: Die Gemeinschaftsschule ist fast fertig, mit der Z-Brücke wurde soeben begonnen, die Wessenberg-Schule soll hierher umziehen und jenseits der Gleise sind hunderte neue Wohnungen entstanden: Nirgends entwickelt sich Konstanz so stürmisch wie rund um den Bahnhof Petershausen. Nun soll ein Konzept fürs Fahren und Parken die Probleme nördlich der Bahnlinie lösen. Das Quartier ist heute schon oft völlig zugeparkt, so ein Gutachten.

 

Buslinien: Seit 2013 gibt es die Überlegung, eine Buslinie durch die Steinstraße statt durch die Fürstenbergstraße zu führen. Damit hielte alle 15 Minuten ein Bus vor der Gemeinschaftsschule. Entschieden ist bisher nichts, eine Änderung erst zum Fahrplanwechsel im Dezember 2016 möglich. Fürs erste dient die künftige Haltstelle daher nur den speziellen Schulbussen. Die nächste ganztägig bediente Linien-Haltestelle ist Bismarcksteig, Entfernung 500 Meter.

 

Feuerwehr: Eine Buslinie durch die Steinstraße sieht die Feuerwehr skeptisch: Sie muss aus der Wache in der Steinstraße schnell ausrücken können. Probleme gibt es dort aber auch mit wildem Parken und dem Lieferverkehr zum Seerhein-Center. Eine Lösung soll nun ein weiteres von der Stadt in Auftrag gegebenes Gutachten aufzeigen. Möglicherweise müssen drei neue Ampeln gebaut werden, die Kosten sind noch völlig unklar. (rau)

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