Allensbach/Konstanz – Das Institut für Demoskopie in Allensbach (IfD) ist seit Jahrzehnten bundesweit bekannt. Bei manchen jungen Leuten in der Region aber offenbar kaum – obwohl sie praktisch täglich selbst im Fokus der Marktforschung stehen. Das zeigte sich beim Besuch von 29 Berufsschülern der Konstanzer Wessenbergschule im Ausstellungsraum zu Meinungsforschung in Allensbach im dortigen Museum. Rüdiger Schulz vom IfD erklärte bei seiner Einführung in die Geschichte des Allensbacher Instituts eingangs, in der Meinungsforschung sei es bei neuen Themen immer wichtig, erst mal in Erfahrung zu bringen, was die Bevölkerung darüber wisse und wie sie damit umgehe. Zumindest bei manchen der jungen Erwachsenen hat er damit vielleicht den Anstoß gegeben, sich selbst mit dem für sie weit gehend neuen Thema Meinungsforschung näher zu befassen.

Wenig Interesses an Politik bei der Altersgruppe 14 bis 24 Jahre

Die 19-jährige Senja Heine erklärte, sie lese im SÜDKURIER schon ab und zu Artikel über Umfragen und wisse, dass es Demoskopie gibt. Aber: "Ich fand es interessant, dass sie nicht erst heute Umfragen machen, sondern weit in der Vergangenheit geforscht haben." Sie habe nicht gewusst, dass die Ergebnisse und Ereignisse so festgehalten werden. Auch Cinzia Albanese (20) erklärte: "Das war eigentlich schon interessant." Doch ob sie Umfragen anschaue, hänge vom Thema ab. Wie Senja Heine meinte auch sie, dass sie Politik kaum interessiere – womit die beiden jungen Frauen Umfrageergebnisse von 1995 bis 2015 bestätigten, die Schulz zuvor beispielhaft genannt hatte: über den Rückgang des Interesses an Politik bei der Altersgruppe 14 bis 24 Jahre. Immerhin erklärten sie, dass sie vielleicht noch mal selbst den Demoskopie-Raum besuchen werden, um sich manches genauer anzuschauen.

Daten aus dem Internet

Anders äußerten sich dagegen Manuel De Oliveira (22) und Jonas Stader (21), die gar nicht gewusst hatten, dass es so etwas in Allensbach gibt. Sie meinten zwar ebenso, die Einblicke in die Demoskopie seien "inhaltlich auf jeden Fall interessant" gewesen, doch auf Umfragen würden sie eher weniger achten und sie wollten auch nicht noch mal das Museum besuchen. Was ein bisschen erstaunt, denn De Oliveira erklärte zugleich: "Ich bin politisch interessiert." Und gerade zum Thema Politik hatte Schulz einige Ergebnisse angeführt. Der 22-Jährige erklärte denn auch, besonders interessant habe er die vergleichende Studie zu Deutschen und Russen gefunden, wonach hierzulande deutlich mehr Menschen ihre Meinung frei äußern möchten und weniger vom Staat überwacht werden als in Putins Reich. "Das hält bis heute noch an", meinte De Oliveira.

Doch solche Daten könne man sich heutzutage aus den digitalen Medien holen. Und Stader erklärte, es gebe in der Ausstellung schon auch Themen, die ihn interessieren würden, zum Beispiel Medientrends. Diesen Bereich tippten sie dann auch bei einem der iPads in der Ausstellung an. Am besten identifizieren konnten sie sich mit der vorgeschlagenen Antwort: "Ich finde es wichtig, immer erreichbar zu sein." Womit die beiden ein anderes Umfrageergebnis bestätigten, das Schulz angeführt hatte: dass sich das Informations- und Kommunikationsverhalten der Generationen stark auseinanderentwickelt hat.

"Ich wusste nicht, dass es das in Allensbach gibt, diese Studien, auf die man Zugriff hat. Ich fand das interessant."

Auch der 17-jährige Simon Meer erklärte: "Ich wusste nicht, dass es das in Allensbach gibt, diese Studien, auf die man Zugriff hat. Ich fand das interessant." Umfragen schaue er sich aber schon an, wenn ihn die Thematik interessiere, "wo es um meine Generation geht". In der Ausstellung habe er besonders in Umfragen hineingeschaut, in denen es um die steigende Angst vor Terror nach den Anschlägen vom 11. September 2001 und die stark gestiegene Zahl an Flüchtlingen seit 2015 geht. Womit er sozusagen einen Hinweis von Schulz befolgte, dass es bei den Ergebnissen der Meinungsforschung immer wichtig sei, sich die Fragestellung genau anzuschauen und den Zeitpunkt der Umfrage.

Zum ersten Mal in der Allensbacher Ausstellung war auch der Lehrer Stefan Wiest, der die Schüler im Rahmen der Ausbildung Kauffrau/-mann für Büromanagement im Fach Berufsfachliche Kompetenz unterrichtet. "Ich fand es interessant und auch kurzweilig. Und ich war überrascht, wie viel in so einem kleinen Raum an Museum rauskommt." Es sei in diesem Fach inhaltlich vorgesehen, dass sich die Schüler mit dem Thema Umfragen auseinander setzen. Er wolle daher wieder mal mit einer Klasse einen Besuch machen.