Ute Friederici schreibt mit Witz, ihre Sprache kommt leicht daher, nicht aber der Inhalt. Es ist ein Drama, in das die 17 Jahre alte Tilda in Friedericis Jugendroman "Der Kassandra-Ruf" schlittert. Es geht um das Spiel mit Hoffnungen einer jungen Frau, um Abhängigkeiten, um das Ignorieren warnender innerer Stimmen und ein großes Thema, das hier nicht verraten wird, um der Geschichte nicht die Spannung zu nehmen. "Der Kassandra-Ruf" ist nach dem "Orionband" Friedericis zweiter Jugendroman mit der Hauptfigur Tilda und einer Nebenfigur, die möglicherweise in einem neuen Buch eine zentrale Rolle spielen wird. Sie habe erste Ideen dazu, sagt die 60-Jährige.

"Der Kassandra-Ruf" ist ein spannend geschriebenes Jugendbuch, in das sich langsam eine sehr ernste Handlung schleicht – angelehnt an reale Schicksale. Nachvollziehbar schildert die Autorin, wie die Unbedarftheit einer jungen Frau durch Tücke ausgenutzt wird. Über viele Seiten des Romans erzählt Friederici mit trockenem Humor, beispielsweise in einer Szene, in der der kleine Bruder Julian nörgelt, weil ihm die große Schwester Tilda zum Abendbrot harte Butter auf den Tisch stellt: "Als wir in die Küche zurückkamen, gab es flüssige Butter. Julian hatte sie in die Mikrowelle gestellt." Friederici ist seit ihrer Kindheit leidenschaftliche Erzählerin. In der Schule habe sie sich immer auf die Tage gefreut, an denen sie Aufsätze schreiben mussten, und ihren drei Brüdern habe sie gern Gedichte und Geschichten zum Geburtstag geschenkt – manchmal dafür aber Spott geerntet. Lange Zeit habe sie sich gesehnt, fiktive Geschichten zu veröffentlichen, sich aber nie so recht getraut, sagt die Frau, die in ihrem Hauptberuf als Krankenschwester mit der Zusatzausbildung Palliative Care unheilbar kranke Tumorpatienten versorgt.

Davor hatte sie einige Zeit als freie Journalistin für den SÜDKURIER gearbeitet. Den Mut, einen Roman anzufangen, habe ihr ein Kurs zum kreativen Schreiben gegeben. Daraus sei eine Gruppe entstanden, in der sie mit Inhalten und Stilen experimentierten. Im Frühjahr 2013 war Ute Friedericis erster Roman herausgekommen. "Schreiben entlastet", sagt die Autorin.

Sie nimmt sich dazu gern ein paar Tage am Stück frei. Manchmal schreibt sie sich in einen Rausch, dann sitzt sie vom frühen Morgen bis spät in die Nacht im Schlafanzug vor dem Laptop und lässt ihre Geschichte entstehen. Ab Mittwoch ist sie zur Lesung aus ihrem Roman auf der Buchmesse in Leipzig. Von dort fliegt sie nach Nepal, begleitet von einer Verwandten, die ihr halbes Leben in diesem Land verbracht hat. Es ist der dritte Versuch für Ute Friederici, das Land kennen zu lernen. Zwei Mal hatten sie die Umstände davon abgehalten, die Reise nach Nepal anzutreten. Jetzt sieht sie mit Aufregung dem dritten Anlauf für die Reise entgegen.