Anita Fitz ist völlig außer Atem. „Plötzlich hat alles gewackelt und gescheppert“, berichtet sie und ist immer noch ganz in der Situation gefangen, die sie eben erlebt hat. „Ich wollte gerade nach draußen, um unsere Reineclauden zu ernten“, erzählt die Dingelsdorferin, „dann hörte ich einen Knall und bin sofort wieder ins Haus gegangen. Ich bin sehr erschrocken“, sagt sie am Telefon. Allerdings sei ihr gleich klar gewesen, dass es wieder ein Erdbeben sein muss. „Als die Erde das letzte Mal im Juli bebte, habe ich einen Horror geschoben. Auch damals war ich allein zuhause, wie jetzt auch.“

Eine Bürgerin in Sorge um die Sicherheit

Die 70-Jährige geht auf Nummer Sicher. Am 30. Juli hatte sie nachts noch versucht, die Uni Freiburg zu kontaktieren und erreichte am nächsten Morgen das Regierungspräsidium.

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Ein Vertreter des RP beruhigte sie hinsichtlich möglicher Schäden am Haus, riet aber, das Gebäude nach Rissen abzusuchen. „Das werde ich auch dieses Mal tun, sobald mein Mann nach Hause kommt“, sagt Anita Fitz. Möglich sei auch, dass sich Dachziegel gelöst hätten.

Haustiere verhalten sich anders als sonst

Auch andere Bürger in Dettingen und Umgebung erleben das Erdbeben bewusst mit. Sonja Tscheulin aus Wallhausen allerdings bemerkt erst im Nachhinein, was passiert sein muss. „Ich war in der Waschküche und habe erst gar nichts registriert. Dann hörte ich einen Knall, und dass eine Tür zufällt“, berichtet sie. Sie sei davon ausgegangen, dass ein Gewitter aufziehe. Dann rannte der Hund ihr entgegen und wich nicht mehr von ihrer Seite. „Das ist sonst gar nicht seine Art, bei gutem Wetter ist er immer draußen“.

Ihre Nachbarin Heike Bauschke-Fischer hat die vielen Nachbeben des Erdbebens vom 30. Juli auf der Internetseite des Schweizerischen Erdbebendienstes aus Interesse genau verfolgt. Vielleicht deshalb war sie auf das Ereignis am 29. August gut vorbereitet. „Ich bin erst erschrocken, dachte dann aber gleich an ein Erdbeben.“ Gläser hätten im Schrank geklirrt, sie habe ein Wackeln im Haus gespürt, ergänzt Bauschke-Fischer.

Beben nur wenig schwächer als Hauptbeben am 30. Juli

Laut Auskunft des Schweizerischen Erdbebendienstes hat das Beben um 16.22 Uhr stattgefunden und erreichte eine Stärke von 3,5. Kurz danach gab es ein kurzes Beben der Stärke 3,3. Das Epizentrum des Bebens befand sich offenbar in Dettingen, an derselben Stelle wie jenes vom 30. Juli. Es hatte um 1 Uhr nachts stattgefunden und zahlreiche Bürger Dettingens aus dem Schlaf gerissen. In den Folgetagen und -wochen hatte es viele kleinere Nachbeben gegeben.

Schäden sind eher unwahrscheinlich

Mit größeren Schäden an Gebäuden im Ort ist auch beim aktuellen Beben vermutlich nicht zu rechnen. Ein Experte hatte nach dem Erdbeben Ende Juli grundsätzlich dazu geraten, im Haus zu bleiben und nicht auf die Straße zu gehen, da sich Dachziegel lösen könnten. Wahrscheinlicher seien erste Schäden aber erst ab einer Stärke von vier oder fünf.

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Anita Fitz wird diesen Donnerstag jedenfalls nicht so schnell vergessen. Und für die Ernte der Reineclauden bleibt in diesem Spätsommer ganz bestimmt noch genügend Zeit.