Ein Wasserschaden brachte es an den Tag: Der Echte Hausschwamm (Serpula lacrymans) hat den Dachstuhl des Mainauer Barockschlosses befallen. Etliche Balken sind regelrecht zerfressen. An einem fehlen ganze zwei Meter, dort, wo er sich eigentlich abstützen sollte. "Mulmig", so beschreibt Björn Graf Bernadotte, einer der beiden Geschäftsführer der Insel Mainau, sein Gefühl angesichts der Zerstörungen.

Somit sei der Wasserschaden ein Glücksfall gewesen, denn dadurch sei das riesige Problem nicht erst einige Jahre später entdeckt worden. "Das war Glück im Unglück", erklärt er. "Die Schäden sind gravierend", fasst Andrei Szarvas, Leiter des Facility-Managements, seine Einschätzung zusammen.

Andrei Szarvas, Leiter Facility-Management, und Björn Graf Bernadotte blicken kritisch in den Dachstuhl des Mainauer Schlosses. Bild: Nikolaj Schutzbach
Andrei Szarvas, Leiter Facility-Management, und Björn Graf Bernadotte blicken kritisch in den Dachstuhl des Mainauer Schlosses. Bild: Nikolaj Schutzbach

Die Sanierung wird sich über mehrere Jahre erstrecken. Björn Graf Bernadotte schätzt, dass diese bis mindestens zum Jahr 2022 dauern werde. Für die Erneuerungsarbeiten sind bereits grob festgelegte Bauabschnitte gebildet worden. Sollte sich herausstellen, dass der Aufwand in einem Abschnitt höher sei als gedacht, könnte dieser aufgeteilt werden, was das Sanierungsende nach hinten verschieben würde. "Oder die Schäden sind geringer als erwartet, dann ginge es sogar schneller", erklärte der Geschäftsführer.

Wie hoch die genauen Kosten sein werden, steht daher noch nicht fest. Mehrere Millionen Euro werden es sicher sein, lautet die Einschätzung des Geschäftsführers. Zuschüsse sollen helfen, den finanziellen Aufwand zu verringern. Eine Förderung im Rahmen des Denkmalschutz-Sonderprogramms der Bundesregierung in Höhe von 1,6 Millionen Euro sei beantragt. Das Geld soll je nach Baufortschritt ausgezahlt werden. Der Zeitraum wird sich voraussichtlich von 2017 bis 2024 erstrecken. Das Landesamt für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart fördert die Maßnahme zusätzlich.

Ein von oben herabragender Sparren endet in der Luft.
Ein von oben herabragender Sparren endet in der Luft.

Wohl in den 1960-er Jahren wurde bei Renovierungsarbeiten ein Betongurt über die Mauer gelegt, das Gesims anders verankert und dabei wurden die Dachfußpunkte einbetoniert. Von dort aus nistete sich der Hausschwamm ein und breitete sich aus, erläuterte Szarvas. "Das war damals Stand der Technik", ergänzte er. Heute sei bekannt, dass das verwendete Material ungeeignet sei.

Als Herausforderungen sieht Andrei Szarvas, dass der Beton schonend entfernt wird. Dazu wird er mit einer Flex in Scheiben geschnitten. Außerdem muss das Gesims neu verankert werden. Metallprothesen dienen als Ersatz für die defekten Deckenbalkenköpfe. Zusätzlich erfolge eine Hausschwammbehandlung mit Schaum, der ins Holz eindringe, kündigt er an. "Zukünftig soll sich der Kniestock im warmen Bereich befinden, was wir mit einer einfachen Dämmung erreichen", berichtete Szarvas. Denn, so Björn Graf Bernadotte: "Der Hausschwamm mag es kalt und feucht." 

Zimmermann Claus Huber (links) sägt mit einer Flex den Betonsockel im Dachstuhl des Schlosses in Scheiben. Maurer Senat Latic bricht das Material heraus. Bilder: Schutzbach
Zimmermann Claus Huber (links) sägt mit einer Flex den Betonsockel im Dachstuhl des Schlosses in Scheiben. Maurer Senat Latic bricht das Material heraus. Bilder: Schutzbach

Die Dachsanierung nutzt die Insel Mainau auch, um die Schlossfassade auszubessern. Ebenso soll das gesamte Dach neu eingedeckt werden. Es können alle Ziegel ausgetauscht werden, sagte Szarvas, da es sich nicht um Originale handelt, sondern diese viel jüngeren Datum seien.


Mainauer Barockschloss

Das Schloss auf der Mainau wurde von 1739 bis 1746 nach Entwürfen von Johann Caspar Bagnato und unter seiner Bauleitung erbaut. Die Insel war seit dem Ende des 13. Jahrhunderts bis 1806 im Besitz des Deutschen Ordens. Als Herzstück des Schlosses gilt der ehemalige Audienzsaal, der in Weiß und Gold gehaltene "Weiße Saal", der sein heutiges Aussehen erst 1883 erhielt. Er ist nur zu Konzerten oder besonderen Veranstaltungen öffentlich zugänglich. Seit dem Jahr 2003 steht die Insel Mainau als Gesamtensemble unter Denkmalschutz. (nea)