Hai Dang nimmt kurz Anlauf, springt ab, schraubt sich durch die Luft. Er landet, aber nur kurz. Wieder Absprung, ein Kick, eine Rad und ein Salto – dann der sichere Stand auf der Matte. Die Trainingspartner applaudieren, hier in der Unisporthalle 3 gönnt jeder den anderen einen Erfolg. Es ist Tricking-Zeit.

Sport als Randerscheinung

Freitagabends wird dort Tricking trainiert und Hai Dang Nguyen Pham, 27 Jahre, ist ihr Lehrer. Seine Sportart ist eine Randerscheinung. Deshalb freut die Gruppe sich, ihr Können bei den Konstanzer Welten im April einem breiteren Publikum zu präsentieren.

Und siehe da: Sicher gelandet!
Und siehe da: Sicher gelandet! | Bild: Kirsten Astor

Beginn in den 1990ern

Tricking entstand in den 1990er-Jahren in den Vereinigten Staaten von Amerika und ist eine Mischung aus verschiedenen Kampfsportarten sowie Breakdance und Akrobatik. Schrauben, Salti und Kicks wechseln sich ab, es gibt wenige feste Vorgaben. Genau das macht auch den Reiz der Sportart aus, da sind die Trainierenden sich einig. Es gibt keine vorgefertigten Übungen, alles kann nach Belieben kombiniert und ausprobiert werden. „Man kann von jeder anderen Sportart kommen, dafür muss man kein Turner sein“, sagt der 23-jährige Tobias Krauß, der ebenfalls zum Trainerteam gehört.

...doch der Laie fragt sich: Geht das gut?
...doch der Laie fragt sich: Geht das gut? | Bild: Kirsten Astor

Es kommt auf Körperbeherrschung an

Der Lehramtsstudent spielte zunächst Fußball, interessierte sich dann fürs Turnen und kam im dritten Semester zum Tricking. „Seitdem lässt es mich nicht mehr los“, sagt Tobias. „Man lernt Körperbeherrschung und gewinnt an Sprungkraft, aber man fliegt auch öfter mal hin“, ergänzt er und lacht. Viel Anregung holt er sich im Internet, schaut sich die Bewegungen anderer Tricker an und versucht, sie nachzuahmen. „Auf den Videos sieht das immer so leicht aus“, sagt Tobias Krauß und seufzt.

Video: KIrsten Astor

Wichtig: Frustrationstoleranz

Deshalb fällt während des Trainings auch immer wieder ein Schlagwort: Frustrationstoleranz. Das steht sogar als Voraussetzung in der Beschreibung des Unisport-Anfängerkurses. Rund 20 Studierende und auch ein Schüler besitzen wohl die nötige Frustrationstoleranz, denn größer ist die hiesige Tricking-Gemeinde nicht. So spricht der 27-jährige Felix Weiß, Sport- und Philosophie-Student auf Lehramt, sogar von einer Hassliebe. „Manchmal will ich aufgeben, wenn ein Move (Bewegung) gar nicht klappen will, aber dann tue ich es doch nicht“, sagt er.

Beim Tricking-Training in der Unisporthalle: Trainer Hai Dang nimmt Schwung...
Beim Tricking-Training in der Unisporthalle: Trainer Hai Dang nimmt Schwung... | Bild: Kirsten Astor

Grenzen austesten

Seit vier Jahren motiviert er sich immer neu und gehört ebenfalls zum Trainerteam. Beim Tricking könne man seine Grenzen austesten und gewinne an Orientierung im Raum, sagt Felix. Und ergänzt ehrfürchtig: „Die Besten kommen aus Japan. Da sind schon die 14-Jährigen krank drauf.“

...und vollendet dann gekonnt seine Übung vor den Augen von Felix und Philip (von links).
...und vollendet dann gekonnt seine Übung vor den Augen von Felix und Philip (von links). | Bild: Kirsten Astor

Erste Übung im Sandkasten

Ungefähr so alt war auch Hai Dang, als er die ersten Trickingvideos im Internet sah. Mit vier Freunden ahmte er sie im Sandkasten und auf Schlafmatratzen nach. Sie übten so lange, bis sie in ihrem heimatlichen Sportverein eine eigene Tricking-Abteilung bekamen. „Als ich zum Studium nach Konstanz kam, wollte ich den Sport nicht aufgeben und habe gefragt, ob ich hier einen Uni-Kurs anbieten darf“, erzählt der 27-Jährige, der Sport und Mathematik studiert. Er durfte.

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Eine eigene Choreografie

Die Trickingsportler freuen sich, bei den Konstanzer Welten für ihre Leidenschaft zu werben. Dafür üben rund zehn der Gruppe eine Choreografie ein, obwohl ihr Sport sonst eher für Einzelkämpfer taugt. „Es ist auch gar nicht einfach, eine Bewegung synchron hinzubekommen“, erklärt Hai Dang. „Denn jeder von uns ist unterschiedlich schnell im Anlauf und dreht sich in der Luft auch unterschiedlich schnell. Doch mit viel Übung und in Kombination mit Musik sprechen wir das Publikum ganz bestimmt an.“