Konstanz Sanieren oder Schließen? Osner und Schädler sprechen über die Zukunft der Konstanzer Schulen

Die Berchenschule könnte eine Gemeinschaftsschule und die Geschwister-Scholl-Schule muss saniert werden – sie stehen sinnbildlich für die gesamte Entwicklung der Konstanzer Schulen. Sozialbürgermeister Andreas Osner und der neue Amtsleiter Frank Schädler über Stolperfallen und Ziele in der Konstanzer Schulentwicklung.

Herr Schädler, welches Amt ist anstrengender: Das Bildungsamt mit selbstbewussten Eltern und Rektoren sowie vielen zu lösenden Knoten oder das Sportamt mit ebenfalls unbequemen Akteuren?

Frank Schädler: Anstrengend ist der falsche Begriff. Natürlich erfordert das Thema Bildung im Moment etwas mehr Fingerspitzengefühl. Der Sport ist für mich, da ich ihn lange Jahre begleitet habe, mehr zur Routine geworden. Da kenne ich die Handelnden und kann die Auswirkungen meiner Aktionen besser abschätzen; das werde ich jetzt im Bereich Bildung auch lernen.

Fühlen Sie sich schon fit in dem Bereich?

Schädler: Ich wurde ja nicht von heute auf morgen mit der Leitung betraut, sondern konnte mich schon länger mit dem Thema Bildung auseinandersetzen. Im Bereich Schulen herrschte bislang oft ein Misstrauensverhältnis zur Verwaltung, da muss ich meine Richtung finden.

Eine relevante Frage ist die Geschwister-Scholl-Schule. Warum ist sie der Knackpunkt für die gesamte Schulentwicklung in Konstanz?

Andreas Osner: Es wird allerhöchste Zeit, dass wir die Scholl-Schule endlich auf dem Stand sanieren und ausbauen, wie sie es braucht. Durch ganz unterschiedliche Hintergründe ist das bislang ins Hintertreffen geraten. Wir werden aber genauso die Oberstufe der Gemeinschaftsschule und die Grundschulen weiterentwickeln.

Der Schulausschuss stimmt am 15. November ab, wie es mit der Werkrealschule an der GSS weitergehen soll. Sie, Herr Schädler, fanden es sinnvoll, jetzt schon das Auslaufen zu befürworten. Bleiben Sie dabei?

Schädler: Wir als Schulträger müssen aus den Entwicklungen Konsequenzen ziehen, können diese aber nur begrenzt beeinflussen. Man kann sich natürlich für ein Weitermachen entscheiden in der Hoffnung, dass eine positive Entwicklung eintritt. Wenn man eine Entscheidung gegen die Weiterführung träfe, hätte man jetzt Planungssicherheit.

Wer hat sich hier aus der Verantwortung gestohlen?

Schädler: Das meine ich auch mit Misstrauensverhältnis. Der Gemeinderat erwartet eine fundierte Grundlage. Wenn von außen gegenteilige Meinungen ins Spiel gebracht werden, fällt es der Verwaltung oft schwer, richtig zu reagieren. Und dann fällt eine Entscheidung, die so eigentlich niemand wollte. Das ist ein paarmal passiert.

Osner: Ich sehe eine große Chance mit Herrn Schädler, ein Stück mehr Vertrauen zu allen Akteuren aufzubauen. Ihn als neuen Amtsleiter für Bildung und Sport zu wählen, war genau richtig. Herr Schädler sprüht vor Ideen, er hat eine ganz klare Haltung zu den Beteiligten und dazu, wie die Schullandschaft sich entwickeln soll.

Die Freien Wähler hatten auf Anregung der Eltern darum gebeten zu prüfen, ob die GSS nicht auch abgerissen und neben dem Schwaketensportplatz neu gebaut werden könnte. Wie weit ist man damit?

Schädler: Jetzt im Herbst wird vom Hochbauamt nach einer Ausschreibung das Architekturbüro ausgewählt, das den Sanierungsbedarf der Schule ganz neu bewertet. Parallel wird immer die Neubauvariante mit geprüft. Und dann wird man sich in verschiedenen Meilensteinen die Frage stellen, ob der Neubau eine Alternative ist oder nicht. Dabei wird es um Kosten gehen, um die Realisierbarkeit an dem Standort und um organisatorische Fragen, man muss ja den Schulbetrieb aufrechterhalten.

Ein anderer Baustein ist die Berchenschule. Erstaunt Sie manchmal die Entwicklung dieser Werkrealschule?

Schädler: Die Berchenschule ist ein schönes Beispiel, um unsere Aufgabe abzubilden. Sie ist landesweit eine Ausnahme. Der Trend zu dieser Schulart geht überall zurück, nur eine Schule in Baden-Württemberg weist seit Jahren steigende Anmeldezahlen nach. Wir müssen es schaffen, die Berchenschule jetzt zu unterstützen und den Raumbedarf zu decken. Doch in zehn Jahren brauchen wir den Platz an einer anderen Stelle. Wir benötigen die Flexibilität, über eine neue Schulform in diesem Gebäude nachzudenken.

Gemeinschaftsschule Berchen.

Osner: Genau, das könnte eine Option sein. Wir müssen viele Jahre vorausdenken, auch was Personal angeht. Als Schule in diesem Stadtteil wird die Berchenschule Bestand haben, in welcher Form auch immer.

Das heißt aber auch, dass sich immer noch keine andere Schule dazu entschließen konnte, Gemeinschaftsschule zu werden.

Schädler: Wer das in Konstanz versuchen würde, hätte ein Problem, denn er könnte neben dem zweiten Leuchtturm in Baden-Württemberg, der Gebhardschule, nicht bestehen. Aus meiner Sicht ist es deshalb verständlich, dass keiner den Finger hebt.

Auch nicht, um sich zu retten? Das Theo hatte einen Anlauf unternommen.

Osner: Das ist schon etwas länger her. Nach meiner Erinnerung hatte die Gesamtlehrerkonferenz kurz vor einer Ausschuss-Sitzung einen Beschluss gefasst und einen Antrag auf Genehmigung der Einrichtung einer Gemeinschaftsschule gestellt. Doch das war nicht glaubwürdig. Wir hatten einige Monate vorher einen langen Termin mit dem Staatlichen Schulamt im Theo, bei dem wir fast flehentlich gefragt hatten, ob das Kollegium sich vorstellen könnte, Gemeinschaftsschule zu werden. Die Antwort lautete: Nein.

 

Über unsere beiden Interviewpartner:

Andreas Osner, geboren 1968, ist seit 1. Juli 2013 Erster Bürgermeister und damit Stellvertreter von OB Uli Burchardt. Als Kandidat der SPD setzte er sich überraschend bei der Wahl zum Gemeinderat durch. Osner verantwortet in seiner bis 2021 laufenden Amtszeit die Bereiche Soziales, Kultur, Bildung, Sport und Gesundheit.

 

Frank Schädler, Jahrgang 1972, war bereits seit 2014 Leiter des Sportamtes, bevor er wiederum durch den Gemeinderat mit Wirkung zum 1. August zum Leiter des neuen Amts für Bildung und Sport gewählt wurde. Er tritt damit die Nachfolge der langjährigen Schulamts-Chefin Waltraut Liebl-Kopitzki an. 

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