Der Sommer ist für die meisten Mannschaftssportler die Zeit der Baustellen. Neuzugänge müssen in die Teams integriert werden, in Testspielen wird an technischen Details sowie Taktik gefeilt. Die Volleyballer des USC Konstanz und die Handballer der HSG Konstanz müssen die Baustelle in diesem August allerdings wörtlich nehmen, denn sie müssen sich in ihren Übungseinheiten gewaltig einschränken.

Der Grund: Der Boden der Schänzlehalle muss an einigen Stellen ausgebessert werden, sodass derzeit maximal zwei Drittel der Sportstätte nutzbar sind.

Teile der vom Wasser beschädigten Styroporplatten unter der Spielfläche.
Teile der vom Wasser beschädigten Styroporplatten unter der Spielfläche. | Bild: Feiertag, Ingo

Zuletzt waren Probleme in den Bereichen der Torverschraubungen aufgetreten, wie Patrick Glatt vom Sportamt erklärt. Möglicherweise ist bei der Reinigung durch etliche dieser Öffnungen Wasser eingetreten, was die Holz- und Styroporkonstruktion unter dem Linoleumboden örtlich beschädigt hat. An einer Stelle habe sich laut Glatt der Boden bis zu drei Zentimeter abgesenkt.

Eine der undichten Verschraubungen, mit denen die Tore befestigt werden.
Eine der undichten Verschraubungen, mit denen die Tore befestigt werden. | Bild: Feiertag, Ingo

„In dieser und wohl den kommenden beiden Wochen ist eine Fachfirma dabei, die Reparaturen durchzuführen“, sagt Patrick Glatt. Der Boden wird an den betroffenen Stellen aufgeschnitten und muss dann an der Luft trocknen. „Deshalb dauert es so lange“, erläutert der 34-Jährige.

Damit so etwas nicht noch einmal passiert, werden nun „Metallbehälter unter die Ösen geschweißt, die Wasser auffangen können“, sagt Glatt. So könnte bei Bedarf der Hausmeister die Behälter mit dem Feuchtsauger leeren, um erneute Wasserschäden zu vermeiden.

An die Unterseite der Ösen sollen Metallbehälter geschweißt werden, die Wasser auffangen können.
An die Unterseite der Ösen sollen Metallbehälter geschweißt werden, die Wasser auffangen können. | Bild: Feiertag, Ingo

Als ehemaliger Handball-Torhüter der HSG weiß Glatt, dass die Baustelle während der Vorbereitung zur Unzeit kommt. Daher hat er sich gemeinsam mit den betroffenen Vereinen auf einen Zeitplan und einen Kompromiss geeinigt: Es wird nur in einem Drittel der Halle gearbeitet, sodass in den anderen beiden trainiert werden kann.

„Wir versuchen, die Einschränkungen für die Sportler so minimal wie möglich zu halten“, sagt Glatt, der von Harald Schuster, Vorsitzender des USC Konstanz und Hallensportreferent beim Stadtsportverband, für sein Engagement gelobt wird: „Man muss der Stadt danken, dass sie es vermieden hat, dass das Hochbauamt die Halle ganz sperrt.“

Bild: SK
„Man muss der Stadt danken, dass sie es vermieden hat, dass das Hochbauamt die Halle ganz sperrt.“
Harald Schuster, Vorstand USC Konstanz und Hallensportreferent beim Stadtsportverband

Eine wirkliche Alternative habe es ohnehin nicht gegeben. „Was, wenn der Boden in drei Wochen richtig zusammenbricht? So konnten wir aktiv vor dem Start der Saison reagieren“, sagt Patrick Glatt. Harald Schuster sieht es ähnlich. „Wenn man alles abwägt, war das für uns alle trotz der Widrigkeiten der einzig gangbare und bestmögliche Weg“, fügt er hinzu. „Für alle ist es das Wichtigste, dass die Halle während der Saison verfügbar ist.“

Der USC-Vorsitzende bräuchte für seine Mannschaften auch die gesamte Fläche, doch er weiß, „dass es uns weniger hart trifft als die HSG“. Während die Volleyballer ihr Netz auch in einem Teil der Halle aufbauen können, bedeuten die Bauarbeiten für Trainer Daniel Eblen und seine Zweitliga-Handballer von der HSG „eine erhöhte Planungsaufgabe“, wie er selbst es nennt.

Daniel Eblen.
Daniel Eblen. | Bild: Peter Pisa

In der Schänzlehalle können Taktik und Spielformen auf ein Tor eingeübt werden, für Tempospiel oder Testpartien weichen die Handballer aber nach Allensbach, Kreuzlingen oder in die Unihalle aus. Der HSG-Trainer will sich trotzdem nicht über die aktuelle Lage beschweren. „Einen guten Termin dafür gibt es nicht, aber irgendwann muss es halt gemacht werden“, sagt Eblen realistisch. „Es kommt ja auch uns zugute, wenn der Boden repariert ist.“

Die Extremsituation offenbart für Harald Schuster ein ganz generelles Problem. „Wir haben zu wenig Großsporthallen in Konstanz, das sind für mich Hallen mit mindestens 1000 Zuschauern“, sagt er. „Andere Städte können da jonglieren, während die Schänzlehalle an 365 Tagen im Jahr von morgens bis abends belegt werden könnte.“

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Positiv ist für den USC-Vorsitzenden hingegen die gegenseitige Rücksichtnahme bei der Suche nach der besten Lösung. „Es wurde im Vorfeld sehr, sehr gut kommuniziert“, sagt er, „das hat gezeigt, dass entgegen vieler Gerüchte der Spitzensport in Konstanz sehr wohl gut miteinander zusammenarbeitet.“ Wenn sich wie jetzt einmal eine größere Baustelle auftut, packen einfach alle gemeinsam mit an.