15 Jahre SÜDKURIER Online SÜDKURIER Online: Die Anfänge

SÜDKURIER Online wird 15 Jahre alt. Von Anfang an war Olaf Kunz als Content-Manager, später als Leiter der Onlineredaktion, fast zehn Jahre lang maßgeblich an der Entwicklung unseres Portals beteiligt. Onlineredakteur Jens Fröhlich hat ihn zu den Anfängen, Meilensteinen und Zukunftsaussichten der Nachrichtenplattform befragt.

Olaf Kunz
Olaf Kunz
Olaf Kunz (41) arbeitete von 1998 bis September 2007 beim SÜDKURIER in Konstanz. Als Content-Manager der ersten Stunde und später als Leiter der Onlineredaktion erlebte er live mit, wie aus dem Online-Baby SKOL eines der größten Newsportale Baden-Württembergs wurde. 

Heute wohnt und arbeitet er in Zürich. Er ist Blattmacher bei 20 Minuten Online, einer führenden Schweizer Nachrichtenseite. Er ist zuständig für die Themenplanung, die Themensetzung auf der Internetseite sowie für die journalistische Qualität der Nachrichten.

Olaf, dank dir bin auch ich bereits seit 2007 mit www.suedkurier.de fest verbunden. Kennst du mich noch?

Also sooo alt bin ich denn auch noch nicht, dass ich mich nicht an meine Mitarbeiter erinnern könnte. Sapperlott! Immerhin hab ich den SÜDKURIER in sehr positiver Erinnerung.

Mein Blick reicht wie gesagt nur ins Jahr 2007 zurück. Aber wie war das, als der SÜDKURIER vor 15 Jahren erstmals im Internet erschienen ist?

Verglichen mit heute war das eine recht magere Seite, auf der lediglich einige Artikel aus den Regionalteilen sowie Anzeigen automatisch im Internet einliefen. Dennoch war das für die damalige Zeit ein Quantensprung. Der SÜDKURIER war einer der ersten Verlage, die im Internet vertreten waren. Und die anderen sahen gegenüber dem SÜDKURIER recht statisch aus.

Warum ist der SÜDKURIER diesen mutigen Schritt damals gegangen?

Man wollte neue Leser erreichen und noch mehr Service bieten. Immerhin war das damals eine bewusste Entscheidung. Das ist der Geschäftsführung positiv anzurechnen. Später gab es da gar keinen Weg mehr drumherum und viele Regionalzeitungen haben – teilweise eher widerwillig – nachgezogen. Doch fast alle mussten sich strecken, um mit dem SÜDKURIER-Angebot Schritt zu halten. Wir hatten einen großen Vorsprung.

Warum wolltest du bei diesem Projekt dabei sein?

Ich fand die Verbindung von Journalismus und Internet sehr reizvoll, ohne auch nur annähernd abschätzen zu können, was das alles mit sich bringt. Aber es versprach schon damals hochspannend zu werden. Das wusste ich bereits, als ich zu Studienzeiten irgendwann meine erste E-Mail erhalten hab und von da an immer dem nächsten Internetding entgegen fieberte. Außerdem wurde mir in Aussicht gestellt, dass man schon bald vom Strandbad aus arbeiten könne. Doch das hat sich bis heute nie wirklich ergeben - vielleicht auch besser so.

Wie viele Personen arbeiteten damals in der Onlineredaktion?

Als ich anfing, arbeitete genau eine Person in der Onlineredaktion: ich. Es gab daneben noch eine Marketing-Expertin und einen cleveren Programmierer.

Wie sah die tägliche Redaktionsarbeit in den ersten Jahren aus?

Die erste große Geschichte, die ich bei SKOL (so hieß SÜDKURIER Online damals noch) gemacht habe, war das Hochwasser am Bodensee im Frühjahr 1999. Es war enorm eindrücklich, die Wassermassen zu sehen. Das wollte ich unbedingt im Internet zeigen und eine Diashow dazu machen. Zum Glück gab es zu der Zeit schon erste Digitalkameras - allerdings noch mit einer miesen Auflösung. Bis die Bilder dann wirklich im Netz waren, dauerte es mehr als eine Woche. Es gab noch kein Redaktionssystem für die Webseite. Für jedes Bild musste ich eine eigene Seite erstellen und diese untereinander verlinken. Dabei hatte ich doch überhaupt keine Ahnung von HTML. Außerdem steckte auch Photoshop noch sehr in den Kinderschuhen.
 
Das war sehr abenteuerlich. Aber die Bilder wurden von den Internetnutzern angeklickt wie verrückt. Und viele Leser haben uns Bilder zugeschickt, und zwar richtige Fotos, die ich dann erst wieder einscannen musste. Heute sind solche Bilderstecken innerhalb von fünf Minuten im Netz, wenn es darauf ankommt.

Gibt es deiner Meinung nach markante Wegpunkte in der Entwicklung von SÜDKURIER Online?

Die Einführung eines Content Management Systems war auf jeden Fall ein großer Schritt. Einzelne Anwendungen wie die Single-Börse oder das Zeig-Dich-Duell waren echte Renner. Sehr nervenaufreibend war die Einführung von Sportergebnissen und Tabellen im Web. Das war enorm aufwändig und es brauchte einige Zeit, bis die Sportfans mit uns zufrieden waren. Doch die Tabellen von der Bundesliga bis hin zu den Kinderligen aus zahlreichen Sportarten sind bis heute sehr gefragt.

Auch der SK-Blitz, also Breaking-News per SMS, war toll für die Leser. Damit konnten wir wirklich superschnell über aktuelle News aus der Region und aus aller Welt informieren. Hier war der SÜDKURIER ein Pilotkunde.

Du bist bei 20 Minuten Online auch für den Bereich Community und Crossmedia zuständig. Kommen Nachrichtenportale heute überhaupt noch ohne Facebook, Twitter und Co. aus?

Also eine enge Einbindung von Lesern in die redaktionelle Arbeit ist für erfolgreiche Medien unumgänglich. Je stärker die Community ist, umso mehr Input kommt von den Lesern - ob Bilder, Kommentare oder Hinweise zu aktuellen Themen. Wäre Online-Journalismus ein Fußballspiel, wäre der Leser der zwölfte Mann auf dem Platz. Leser-Beiträge sind enorm wichtig und geben einem Medium ein ganz eigenes Gesicht. Bei der Interaktion mit den Lesern können soziale Netzwerke hilfreich sein, aber sie sind auch sehr pflegeintensiv.

Wie sehen Online-Nachrichten in 15 Jahren aus?

Ich bin sicher, dass mediale Berichterstattung immer mehr über mobile Endgeräte gelesen wird. Schon jetzt beobachte ich, dass viele Leute in den Zügen und im Tram statt in der Zeitung verschiedene Angebote via iPad lesen. Der Trend wird sich verstärken.

Gibt es dann noch gedruckte Zeitungen?

Ja, trotz allem wird es auch in 15 Jahren noch Zeitungen geben. Spannend aber wird, dass die Welt transparenter wird. Es geht deshalb darum, den Blickwinkel zu erweitern und aus einer wachsenden Masse an Nachrichten auf verschiedenen Kanälen - zum Beispiel Twitter und Facebook - die wirklich interessanten News herauszupicken, zu recherchieren und zu gewichten.

Immer mehr wird User Generated Content von Bedeutung sein, denn niemand weiß so viel wie die Leser. Der Preis dafür ist, dass der Zeitdruck immer größer wird und redaktionelle Schlusszeiten wegfallen. Gleichzeitig bin ich überzeugt, dass umfassende, hintergründige Geschichten immer mehr im Netz und nicht im gedruckten Medium stattfinden. Zum einen gibt es dort unbeschränkt Platz, zum anderen multimediale Darstellungsformen.

Was wünschst du SÜDKURIER Online zum Geburtstag?

Ich wünsche, dass die Macher von www.suedkurier.de immer für Neues aufgeschlossen sind und die Leser aktiv helfen, das Angebot weiter zu entwickeln. Außerdem wünsche ich natürlich viele, viele Klicks und dass Werbekunden das wertvolle Potenzial zu schätzen wissen.

Fragen: Jens Fröhlich
 

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