Es war eine hitzige Diskussion im angenehm heruntergekühlten Bodenseeforum. Der Betriebsausschuss traf sich an dem Ort, der zuletzt Gegenstand war zahlreicher Debatten und Kontroversen. Zuvor gab es für die Gemeinderäte noch eine Führung durch das Haus, "damit sie sich ein Bild davon machen und die Mitarbeiter kennenlernen können", wie Oberbürgermeister Uli Burchardt sagte.

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Die Finanzprobleme des städtischen Eigenbetriebes sind groß: Zunächst beschloss der Gemeinderat einen außerordentlichen Zuschuss von 1,7 Millionen Euro für 2016. Für 2017 zeichnen sich noch schlechtere Zahlen ab: Als Resultat des Quartalsberichtes zum 31. März 2017 wird ein Verlust von 2,45 Millionen Euro entstehen. Dabei sind Abschreibungen in Höhe von 997 000 Euro enthalten. Das prognostizierte operative Ergebnis für das Jahr 2017 ist also ein Verlust in Höhe von 1,45 Millionen Euro. Friedhelm Schaal, bis 30. Juni interimsweise Geschäftsführer, erklärt die Misere: "2015 wurde am Reisbrett organisiert ohne genau zu wissen, was auf das Haus zukommt." Dann erzählt er von Wochenend- und Nachtzuschlägen für das Personal oder von IT-Programmen für Veranstaltungen, die teurer wurden als geplant, da sie Schulungen nach sich zogen. "Die Mitarbeiter, bei denen ich mich herzlich bedanken möchte für ihren großen Einsatz, haben zahlreiche Überstunden aufgebaut, um das Programm zu stemmen." Außerdem sei das Kundenverhalten anders als prognostiziert. "So eine Veranstaltungsstätte ist ein sehr subtiles Gebilde", sagt er. "Am Reisbrett wurden Verwaltungskosten von 40 000 Euro prognostiziert, aus denen real 200 000 Euro wurden.

" Um die vorgeschriebenen europaweiten Ausschreibungen zu tätigen, seien erneut Kosten aufgetreten, darüber hinaus kosten Berater Geld. So musste das Sicherheitskonzept überarbeitet werden. "Als Geschäftsführer war ich da in einer Risikosituation und mit viel Glück ist nichts passiert."

Die Ausschussmitglieder fühlen sich herausgefordert. "Sie haben Vertrauen durch schlechtes Controlling und schlechte Informnationspolitik verspielt", sagt Dorothee Jacobs-Krahnen von der Freien Grünen Liste. Beraterkosten seien nicht nachvollziehbar. Sie fordert Ursachenforschung, "denn wir sind der Meinung, dass das Haus eine Chance verdient hat. Doch das Ziel muss eine positive Entwicklung sein". Für sie stehen diese Fragen im Vordergrund: Wie geht es mit der Vermarktung weiter? Wie werden Überstunden abgebaut? Für Roger Tscheulin (CDU) ist es unabdingbar, "dass wir uns neu aufstellen. Der neue Geschäftsführer Jochen Lohmar benötigt Unterstützung. Dass wir zwei neue Stellen schaffen, um aus der Misere zu schaffen, halte ich für abenteuerlich. Die Menschen benötigen eine belastbare Prognose für 2018".

Der Sozialdemokrat Jan Welsch wundert sich, dass bei der Prognose nicht bekannt war, dass es Nacht- und Wochenendzuschläge gäbe. "Das ist unverständlich. Vielleicht hatten wir zu viele subventionierte Hochzeiten im Haus. Hochzeiten sind keine öffentlichen Aufgaben." Seine Fraktion wolle wissen, was eingekauftes externes Know How bedeute und für was die Geschäftsführung Rechts- und Beratungskosten benötigt habe: "Wir verlangen eine vertiefte Untersuchung. Das sind wir der Bevölkerung schuldig, denn wir verlieren jeden Tag Geld." Nächsten Donnerstag wird im Rat über den Wirtschaftsplan abgestimmt.

Neue Führung

Der neue Geschäftsführer Jochen Lohmar ist seit 1. Juli im Amt. Er berichtete dem Betriebsausschuss von ersten Erfolgen: So hätten jüngst lukrative Tagungen von Dentsply, Daimler oder dem TÜV im Bodenseeforum stattgefunden. Außerdem würde nächstes Jahr das Max-Planck-Institut für fünf Tage tagen, dazu auch Novartis. "Ich werde in diesem Tempo weitermachen", versprach er. (aks)