Die Reaktionen sind eindeutig: "Geht gar nicht, Schweinerei, so etwas Hirnloses, da bleibt mir glatt die Spucke weg." So und ähnlich beurteilen viele Konstanzer auf Facebook das, was sie am vergangenen Wochenende an der Fassade des Rheintorturms gesehen hatten.

Was haben sie denn da gesehen?

"Nazis auf's Maul" haben zunächst unbekannte Personen in großen schwarzen Buchstaben auf die zum Rhein zeigende Seite des Gebäudes geschmiert. Versehen noch mit den Hinweisen ACAB für All Cops Are Bastards (deutsch: Alle Polizisten sind Bastarde) und 161. Dies steht für die Buchstaben des Alphabets A, F und A – eine Abkürzung für Anti-Faschistische-Aktion. Die Polizei sucht nach Zeugen, die im Zeitraum von Samstag, 14. Juli, 18.30 Uhr bis Sonntag, 15. Juli, 12.30 Uhr Verdächtiges beobachtet haben. Hinweise nimmt das Polizeirevier Konstanz unter (0 75 31) 995-0 entgegen.

Zusammenhang zu ähnlicher Aktion am Minarett der Moschee?

Geprüft werde außerdem, ob die Sprühaktion am Rheintorturm im Zusammenhang mit einem ähnlichen Fall am Sockel der Minarett der Moschee an der Reichenaustraße stehe. Dort wurde zwischen Samstag um 22 Uhr und Sonntag um 14.30 Uhr der Schriftzug "FCK AKP" aufgesprüht. Mit dieser Kurzform (für "Fuck AKP") wird die türkische Regierungspartei von Präsident Recep Tayyip Erdogan geschmäht. Auch hier wird um Zeugenhinweise gebeten.

Ist eine solche Schmiererei nicht verboten?

Doch. Die Stadtverwaltung Konstanz hat laut ihrem Sprecher, Walter Rügert, Strafantrag gestellt. Dieser sei bereits unterschrieben. Ferner sei "eine Firma mit der schnellen Beseitigung der Beschädigung beauftragt" worden. Laut Mitteilung der Polizei Konstanz muss die Schadenshöhe noch ermittelt werden.

Wem gehört der Rheintorturm eigentlich?

Der Rheintorturm ist im Besitz der Stadt Konstanz, Mieter sind zwei Konstanzer Vereine: die Initiative Rheintorturmfür den 35 Meter hohen Turm selbst, sowie seit 1997 die Gemeinschaft Konstanzer Fanfarenzüge (GKF) für den Gebäudeanbau. Unter dessen Balkonen befindet sich die Schmiererei. Die Fanfarenzüge der GKF nutzen den großen Saal als Probelokal, darunter auch die beiden Fanfarenzüge der Konstanzer Blätzlebuebe-Zunft.

Was sagen Personen aus dem Dunstkreis der Fasnacht dazu?

Deren Vorsitzender Andreas Kaltenbach hatte auf Facebook auf die Sachbeschädigung aufmerksam gemacht und erklärt: "Egal was ich auch zu sagen habe, anderer Leute Eigentum zu beschädigen geht gar nicht." Bemerkt hatte er die Verunstaltung als er zufällig mit dem Boot vorbeifuhr, sagt er.

Was mit dem möglichen Verursachern geschehen soll? Aus Kaltenbachs Sicht ist das klar: Sie sollten "ihre glorreiche Tat", so schreibt er bei Facebook, "als Sozialstunden mit der eigenen Zahnbürste wegschrubben müssen".

Was passiert mit denjenigen, die die Fassade bemalt haben?

Tatsächlich droht den Verursachern, wenn sie von der Polizei ermittelt und nach einem Verfahren verurteilt werden, eine deutlich empfindlichere Strafe. Schmierereien wie die am Rheintorturm sind eine Sachbeschädigung nach Paragraf 303 des Strafgesetzbuches und werden mit einer Geldstrafe oder Freiheitsentzug von zwei Jahren bestraft.