Wer in ein Seniorenheim zieht, möchte das Leben noch so gut wie möglich genießen, sich entspannt zurücklehnen und keine Gedanken mehr an die Zukunft verschwenden. Ein wenig spazieren gehen, Gleichgesinnte zum Kartenspielen treffen, Kaffeeklatsch und Mittagsschlaf. Das war's.

Das war's? Pustekuchen! In der Rosenau haben sich ältere Menschen zusammengetan, um im Rahmen eines Projektes Verantwortung für Umwelt und Gesellschaft zu übernehmen. Sie nennen sich Zukunftspioniere und wollen, frei nach Tim Bendzko, nur mal kurz die Welt retten.

"Warum soll unser Engagement auf einmal zu Ende sein?"

Ralf-Joachim Fischer, einst Konstanzer Bürgermeister und heute Stiftsbeiratsvorsitzender, hat eine klare Meinung: "Unsere Generation hat doch erstmals den Umwelt- und Nachhaltigkeitsgedanken aufgenommen", sagt er. "Weshalb soll dieses Engagement auf einmal zu Ende sein, nur weil wir hier eingezogen sind? Ganz im Gegenteil: Wir sind gerne bereit, das, was wir vielleicht früher schon mal umsetzen wollten, nun endlich hier zu tun.“ Der Stiftsbeirat werde alles daran setzen, den Nachhaltigkeitsgedanken „in die Köpfe der Menschen zu bringen und Ideen weiterzuentwickeln.“

Eine erste Bewohnergruppe hat sich die Thematik Garten und Tiere vorgenommen. Liselotte Pfeiffer: „Unser Ziel ist ganz einfach zu beschreiben: Wir möchten möglichst viele Vögel und Insekten wieder hier ansiedeln.“

Sie hat sich lange mit dem Thema beschäftigt und festgestellt: Die Population hat rapide abgenommen. Also wurden erste Maßnahmen realisiert: Futterstationen, Tränken und Nistkästen für Vögel.

KWA-Geschäftsführer Thomas Schurr und Margita Vosswinkel am Insektenhotel. | Bild: Sieglinde Hankele

Zudem ein Fledermauskasten, ein Insektenhotel, ein Totholzhaufen und ein Igelhaus.

Zukunftspionierin Margita Vosswinkel und KWA-Mitarbeiterin Corina Mayer an einem derzeit unbewohnten Igelhaus.
Zukunftspionierin Margita Vosswinkel und KWA-Mitarbeiterin Corina Mayer an einem derzeit unbewohnten Igelhaus. | Bild: Sieglinde Hankele

Über eine Wildblumenwiese und ein Natursteinmäuerchen wird aktuell beraten.

Garten, Natur, Ernährung, Müll und Energieverbrauch

Unter den Zukunftspionieren sind auch sehr praktisch veranlagte Menschen. So hat beispielsweise Margita Voswinkel einige Nistkästen selbst gebaut – in der Werkstatt der Haustechniker des Kuratoriums Wohnen im Alter (KWA).

In der Rosenau bildeten sich nach ersten Gesprächen und Analysen Arbeitsgruppen und Arbeitsfelder, die sich in diesen Kategorien widerspiegeln: Garten, Natur, Ernährung, Müll und Energieverbrauch.

Bewohner Dieter Krauss hat mit seinen Mitstreitern verbesserungswürdige Punkte identifiziert: Immer wieder waren während der Heizperiode zahlreiche Fenster über mehrere Stunden oder sogar dauerhaft gekippt. Das Bewusstsein, dass durch dieses Verhalten unnötig Energie verloren geht, ist inzwischen geschärft. Auch der Umgang mit Müll war zum Teil unbefriedigend. Doch Infotafeln mit Bildern auf allen Etagen sorgen nun dafür, dass die Bewohner besser mit Mülltrennung klarkommen.

Stofftaschen statt Plastiktüten

Hausleiter Herbert Schlecht hat eine erste Nachhaltigkeitsmaßnahme gestartet: die Aktion Stofftaschen statt Plastiktüten. "Die Weltmeere sind voll von Plastikmüll. Plastik ist inzwischen sogar in die Nahrungskette eingedrungen. Für ein Euro sind ab sofort an der Rezeption des Wohnstifts und im Stiftsladen vielfach verwendbare Taschen aus Biobaumwolle erhältlich. Diese tragen das Logo der KWA Zukunftspioniere. Die Spenden kommen weiteren Nachhaltigkeitsprojekten des Hauses zugute", erklärt er.

Die Zukunftspioniere: Erste Reihe, von links: Corina Mayer, Liselotte Pfeiffer, Margita Voswinkel, Projektleiterin Prof. Dr. Martina Wegner, Doris Krauss; zweite Reihe, links vom Display, von links: Dieter Krauss, Stadtseniorenrat Hans-Peter Klauda (Gast), KWA Vorstand Dr. Stefan Arend, 2. Reihe, rechts vom Display, von links: KWA Projektverantwortlicher Thomas Schurr, Stiftsdirektor Herbert Schlecht, Prof. Dr. Maike Sippel (Gast), Karl-Ulrich Schaible (Gast)
Die Zukunftspioniere: Erste Reihe, von links: Corina Mayer, Liselotte Pfeiffer, Margita Voswinkel, Projektleiterin Prof. Dr. Martina Wegner, Doris Krauss; zweite Reihe, links vom Display, von links: Dieter Krauss, Stadtseniorenrat Hans-Peter Klauda (Gast), KWA Vorstand Dr. Stefan Arend, 2. Reihe, rechts vom Display, von links: KWA Projektverantwortlicher Thomas Schurr, Stiftsdirektor Herbert Schlecht, Prof. Dr. Maike Sippel (Gast), Karl-Ulrich Schaible (Gast) | Bild: Sieglinde Hankele