Konstanz Religion mit Leidenschaft: Eine kleine Christengemeinde wird zur Glaubensheimat

"Le Chemin du Salut": Der Weg des Heils heißt die Gemeinde und Religion wird mit Hingabe praktiziert. In den Gottesdiensten ist Musik ein zentrales Element und auch die Dauer des Gottesdienstes ist nicht so genau festgelegt.

Konstanz – Die Freie Christengemeinde "Le Chemin du Salut" (Der Weg des Heils) ist eine kleine, aber rege Kirchengemeinde. Die meisten ihrer Mitglieder stammen aus afrikanischen Ländern. "Wir haben keine Grenzen", erklärt Pater Alain Munzimba. Die Mitglieder kommen unter anderem aus Friedrichshafen, Konstanz, Allensbach und sogar aus Winterthur. Pater Alain kam vor über zwei Jahrzehnten als Asylsuchender aus dem Kongo nach Deutschland. 1995 ließ er sich taufen und heiratete im gleichen Jahr eine Deutsche. Der 2015 einsetzende Flüchtlingsstrom hatte keine großen Auswirkungen auf die Gemeinschaft. "Wir haben das thematisiert", erklärt Bethy Capitao. Aber Aktivitäten habe es keine gegeben. "Eine Zeit lang hatten wir zwei Gottesdienstbesucher, die aus einer Flüchtlingsunterkunft stammten", berichtet der Pater.

In ihre Gemeinschaft kämen Menschen, die bereits in ihrer alten Heimat Christen waren und hier eine neue Heimat suchen. Sie stammen von der Elfenbeinküste, aus dem Kongo und Angola sowie aus Sri Lanka. "Wir sind international", sagt Nino Capitao. Aber zu ihnen kommen auch Menschen, die den Glauben an Gott erst gefunden haben. "In der Kinderstunde sind Kinder dabei, die hier geboren wurden und aufwachsen", ergänzt Munzimba.

Auch wenn der Name ihrer Kirche aus dem Französischen entlehnt ist, ist das nur ihre zweite Sprache. "Unsere Hauptsprache ist Deutsch", betont der Pater. Alain Munzimba predigt in der Regel auf Französisch, lässt aber seine Texte satzweise übersetzen. Gespräche werden normalerweise auf Deutsch geführt. Ausnahmen gibt es, wenn sich ein komplizierter Sachverhalt besser auf Französisch darstellen lässt – unmittelbar gefolgt von einer Übersetzung. Meist übernimmt das Nino Capitao, der das fast simultan kann. Darüber hinaus ist er Musiker und gibt mit seinem Schlagzeug den Takt an. Musik ist ein ganz wichtiger Bestandteil der Gottesdienste, wofür sich die Gläubigen zwei Stunden Zeit nehmen. "In Afrika dauern sie vier Stunden, manchmal sogar fünf", erzählt Margueritte Welte, die von allen liebevoll Oma genannt wird. "Unsere Gottesdienste laufen nicht nach einem strengen Plan ab. Wir lassen uns vom Geist Gottes führen und lassen dem Heiligen Geist freien Raum", erläutert er.

"Wir kommen mit Freude in den Gottesdienst", ergänzt Ehefrau Bethy. Sie ist eine der Sängerinnen in der Gemeinde. "Die Musik bedeutet mir alles, sie ist eine Leidenschaft geworden", berichtet sie. Diese teilt sie mit Herlene Joseph. "Ich singe sehr gerne, früher alles Mögliche: Aber da die Musik alles beeinflusst, singe ich nur noch christliche Lieder. Ich komme dadurch in Anbetung", erzählt die 18-Jährige.

Mit sechs Jahren sei sie in die Kinderstunde gekommen. "Dort konnte ich über alles reden und die Sprache lernen. Ich bin ein eher stiller Mensch. Ich wurde in der Schule ausgegrenzt und konnte das endlich teilen", berichtet sie. "In den Gottesdiensten vergesse ich bei Anbetung und Lobpreis Raum und Zeit. Bei den Predigten lerne ich etwas", schildert sie. "Oma" Margueritte Welte ist die Seniorin der Kirchengemeinde. Sie lebt seit den 60er-Jahren in Deutschland. Zu "Le Chemin du Salut" sei sie durch Verwandte gekommen, als ihr Sohn schwer krank war. "Ich bin geblieben. Hier kann ich zu Gott beten ohne Scham, kann die Heiligen anrufen oder anschreien", sagt sie. Sophie Hansen ist seit etwa 13 Jahren in der Gemeinde. "Ich habe damals eine Gemeinde gesucht und bin geblieben. Bei den Gottesdiensten übernehme ich die Einleitung. Ich lade zum Gebet ein und bitte zum Aufstehen. Zum Abschluss verkünde ich das Programm", erzählt sie von ihren Aufgaben. Aber in den Gottesdienst gehe sie nicht aus reiner Gewohnheit: "Ich gehe hin, um meinen Gott zu treffen".

Christine Munzimba ist mit Pater Alain verheiratet und engagiert sich ebenfalls für ihre Mitmenschen. Sie betreut Kinder, beim Frauentreff ist sie für Wort und Gebet verantwortlich. "Wir beten einmal im Monat für Familien. Wir sind bereit für den Einzelnen zu beten. Wir besprechen Dinge untereinander, die uns auf dem Herzen liegen", berichtet sie. Bethy Capitao übernimmt soziale Dienste und kümmert sich, wenn jemand krank ist, um Hinterbliebene nach einem Todesfall. Sie übernimmt auch alltägliche Aufgaben wie Einkaufen oder das Organisieren von Festen.

Verwurzelt in der Gemeinde ist Bethy Capitao durch ihre enge Bindung zu Gott. "Diese ist sehr relevant. Ich schätze die Harmonie und pflege die Gemeinschaft. Die Liebe ist gewachsen, und ich erlebe dass mich das Spirituelle überwältigt", sagt sie.

Le Chemin du Salut

Die Freie Christengemeinde "Le Chemin du Salut" ist ein Verein und eine Kirche des öffentlichen Rechts. Sie versteht sich als mehrsprachige, christliche Gemeinde. Die meisten Angebote wie Gottesdienst, Lehrabend und Bibelabend sind offen für alle. Nur einige wenige Angebote wie die Telefonkonferenz Gebet und Fürbitte richtet sich ausschließlich an Mitglieder. In der evangelischen Christuskirche in Wollmatingen feiern sie Gottesdienst jeden Sonntag von 14 bis 16 Uhr. Ihre Treffen halten sie in Petruskirche ab. Im Internet: fcg-konstanz.de (nea)

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