Konstanz Regen, Sonne, Tanzen, Zuhören: So grandios war das Campus-Festival

Großartige Bands, tolle Stimmung und zufriedene Organisatoren: Warum sich das Campus-Festival seinen Platz im Konstanzer Kalender wohl endgültig gesichert hat.

Normalerweise sind die hunderttausendfach abgetretenen Wege des Uniwaldes ein Ort der Ruhe und des Durchatmens, auf denen die gehetzten Studenten vor Prüfungen ein letztes Mal in sich gehen oder eine finale Zigarette runter rauchen. Am Wochenende aber preschte einem im dichten Forstgrün unverhofft eine massive Klangwand entgegen. Grund dafür: die zweite Ausgabe des Campusfestivals. Nachdem das Festivalwochenende bereits am Freitag von der Uni-Big-Band, einem Poetry-Slam und ersten Konzerten eröffnet wurde, drehte sich am Samstag alles um Musik.

Beim Programm haben sich die Campus-Festival-Macher massiv gesteigert. Die Aufstellung besteht nur aus Künstlern aus dem deutschsprachigen Raum, selbst Boy und Steaming Satellites, die in erster Linie auf englisch singen, haben ihre Wurzeln in Österreich, Deutschland und der Schweiz. Dabei stellt das Lineup unter Beweis, dass die hiesige Indieszene im vergangenen Jahrzehnt eine Vielzahl an Stilblüten ausgetrieben hat. Diese bekommen in Konstanz die volle Aufmerksamkeit und vor allem auch genügend Zeit, sich zu entfalten – auch der Nachwuchs, der das Festival einleitet, darf eine volle Stunde zeigen, was er kann.

Etwa Isolation Berlin. Das Quartett gehört zu den markantesten Newcomern deutschsprachiger Musik des letzten Jahres. Die Band klingt in manchen Sequenzen, als hätte man Rio Reiser und die jungen Tocotronic ins Jahr 2016 gebeamt und hier in einer Supergroup vereint. Das ist aber nur eine Ausfärbung ihres Klangspektrums, welches auch immer wieder Verweise auf The Clash oder die Libertines an die Oberfläche projiziert. Nach zurückhaltendem Beginn zieht Isolation Berlin auf dem Campus die Zügel an und lässt ihre reduzierte Melancholie in einer druckvollen Post-Punkrock-Show münden.

Die höchste Eisenbahn spielen im direkten Anschluss ein total unaufgeregtes, super entspanntes Singer-Songwriter-(aber eben mit Band)-Konzert mit dezenten Genre-Injektionen. Der Ösi-Vierer Steaming Satellites offenbaren eine herausragende Bandbreite und streifen gleichermaßen Folk, Noise, Blues und Indie und überzeichnen diese Spuren in elektronischen Kreisbewegungen, die immer wieder von Max Borchardts Reibeisen geschärft werden.

Das Festival an sich ist richtig gut gefüllt, richtig gut gelaunt und richtig gut organisiert. Das Programm ist extrem straff, die Umbaupausen kurz – das ist für ein so junges Festival alles andere als eine Selbstverständlichkeit. Aus dem Parkplatz haben die Veranstalter eine kunterbunte Festivallandschaft gemacht, die zudem mit einer kleinen DJ-Bühne punktet. Einzig das Wetter zeigt sich extrem launisch und wechselhaft, tropische Temperaturen und abkühlende Regenfälle wechseln sich passend zum Bandaustausch ab.

Abgeschlossen wird das Festival von einem Headliner-Trio: Boy, das ist vertonte Leichtigkeit, der passgenaue, aber durchaus komplexe Soundtrack für laue Sommernächte. Auch in Konstanz überzeugen Sonja Glass und Valeska Steiner mit einer ausgereiften Show, die aber teils ein wenig glatt daherkommt. Würde man sich die perfekte Party-Festivalband schnitzen wollen, Irie Révolté wäre ein mögliches Ergebnis. Die Heidelberger Multi-Kulti-Kombo heizt mit ihrem zügellosen Dancehall-Reaggae-Ska-Punk-Hybrid den nun ebenfalls rotierenden Studenten ein und sorgt für das größe Stimmungshoch des ganzen Festivals – wären da bloß nicht all die Mitklatsch- und Mitmach-Ansagen.

Zum großen Finale schlägt Olli Schulz mit seiner Band ganz andere Töne an. Olli ist laut eigener Aussage ein wenig „emo-mäßig drauf“, spielt und redet sich in der Folge aber immer stärker in Spiellaune. Dabei zeigt sich der Sänger gleichermaßen als hochveranlagter Entertainer und als ungefiltert gefühlvoller Musiker mit einer wunderbaren Band. Inmitten des Publikums singt er Tina Turner unplugged, hypnotisiert sich eine Tanzpartnerin auf die Bühne, spielt unpeinliche (!) HipHop-Freestyles, Swing-Passagen, ausufernde Instrumental-Sequenzen und tischt zu allem Überfluss einen Sack voll mit Anekdoten auf. Ein grandioser, extrem sympathischer Abschluss!

Passend dazu können die Campus-Macher dann auch noch den Ausverkauf ihres Festivals, dass sich mit dieser wirklich gelungenen Ausgabe auf dem süddeutschen Festivalmarkt etabliert haben dürfte, vermelden. Festivalherz, was willst du mehr!

Zwei Tage am Campus

Das Campus-Festival hat in diesem Jahr zum zweiten Mal stattgefunden und wurde organisiert von der Studierendenschaft und der studentischen Firma Nachtschwärmer-KN. Deren Chef Xhavit Hyseni betonte vorab, das Festival habe nicht-kommerziellen Charakter, dennoch konnte sich der Gemeinderat nicht zu einer über 5000 Euro hinausgehenden Unterstützung durchringen. Am Sonntag zog er um so erleichterter Bilanz: "Es war wirklich toll, und wir sind alle sehr zufrieden!"

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