Konstanz Qualitätsoffensive an der Uni Konstanz: Mehr Praxisbezug für künftige Gymnasiallehrer

Einen guten Lehrer kennt jeder. Einen schlechten leider auch. Die Universität Konstanz und drei Partner möchten deshalb dafür sorgen, dass die Ausbildung der Nachwuchslehrer an Qualität gewinnt.

Zwei Jahre lang haben Wissenschaftler Gespräche geführt und Anträge gestellt – mit Erfolg: Über fünf Millionen Euro fließen in den kommenden Jahren in die Lehrerbildung am Bodensee. Und das grenzüberschreitend: „Dass wir uns noch intensiver mit den Schweizern vernetzen und voneinander lernen wollen, wurde von den Förderern als Alleinstellungsmerkmal hervorgehoben“, sagt Fabio Crivellari, Geschäftsführer der neuen Binational School of Education (BiSE) an der Universität Konstanz.

Was nach Klassenzimmern und Tafeln klingt, ist kein neues Gebäude, sondern eine neue Organisationsform. „Wir möchten die Kultur der Lehrerbildung verbessern“, erklärt Thomas Götz, Sprecher des kommissarischen Vorstands der BiSE und Professor für empirische Bildungsforschung der Universität Konstanz. „Wir haben ausgerechnet, dass die 1500 angehenden Gymnasiallehrer unserer Uni später fünf Millionen Schüler unterrichten.“ Allemal ein Grund, in ihre Ausbildung zu investieren. Denn: „Ein schlechter Lehrer kann in seiner über 30-jährigen Laufbahn viel Schaden anrichten“, sagt Götz.

Ein erster Schritt für mehr Qualität im Studium ist die Vernetzung der einzelnen Fachbereiche an der Universität Konstanz. Außerdem soll die bereits bestehende Kooperation mit der Pädagogischen Hochschule Thurgau in Kreuzlingen ausgebaut werden. „Schon jetzt sind Schweizer Praktikanten an deutschen Schulen, schon jetzt können Deutsche ihre Ausbildung an der PH Thurgau beenden, anstatt das Referendariat anzutreten“, erläutert Stephan Schumann, Professor der Wirtschaftspädagogik. „Diesen Austausch wollen wir verstärken,“ kündigt er dieser Zeitung gegenüber an.

Auch auf den oft angemahnten fehlenden Praxisbezug im Lehramtsstudium haben die Experten eine Antwort: Geplant sind die Zusatzmodule „Interkulturelle Schulentwicklung“ sowie „Gemeinschaftsschule“. Außerdem beschäftigen sich neue Dozenten auch mit den Schwerpunkten Heterogenität und Inklusion.

Viel Praktisches lernen die angehenden Lehrer im neuen Unterrichtslabor für Naturwissenschaften, wo sie beim Ausprobieren verschiedener Methoden gefilmt werden. Schüler haben sie genug: Elf weiterführende Schulen aus Konstanz, Singen, Meersburg, Überlingen und Wilhelmsdorf sind bereits Partner der BiSe, viele weitere signalisieren Interesse.

Bildungsexperte Professor Thomas Götz verspricht: „Wir überprüfen wissenschaftlich fundiert, ob sich die Lehrerbildung durch die BiSE wirklich verbessert.“ Sein Kollege Stephan Schumann mahnt aber zur Geduld: „Die Bildung ist ein großer Dampfer, da kann man nicht den Hebel umlegen und in zwei Wochen ist alles besser.“ Wichtig ist ihm, dass der Lehrerberuf an Stellenwert gewinnt: „Vielleicht erreichen wir, dass sich künftig die besten Abiturienten für ein Lehramtsstudium entscheiden“, hofft er. „Das ist schließlich ein toller Beruf.“

Vier Partner, ein großes Ziel

  • Programm: Die Qualitätsoffensive Lehrerbildung ist ein Projekt von Bund und Ländern. In einem Wettbewerb wurden Anträge aus Konstanz, Freiburg, Heidelberg, Tübingen und Stuttgart ausgezeichnet. Allein in Baden-Württemberg fließen 70 Millionen Euro.
  • Ziele: Das Projekt am Bodensee nennt sich Edu?, Bildung hoch vier. Gemeint ist die Vernetzung der Partner Universität Konstanz, Pädagogische Hochschule Thurgau, Schulen der Region und Staatliches Seminar für Didaktik und Lehrerbildung in Rottweil. Die Einrichtung der BiSE ist ein Teilprojekt. Unter anderem wird dadurch die Fachdidaktik verbessert. 

Ihre Meinung ist uns wichtig
Mehr zum Thema
Uni Konstanz: In unserem Themenpaket gibt es alle Neuigkeiten rund um die Uni Konstanz.
Historische Momente
Neu aus diesem Ressort
Konstanz
Kommentar
Konstanz
Konstanz
Konstanz
Konstanz
Die besten Themen
Kommentare (0)
    Jetzt kommentieren