Konstanz Proteste gegen die Aufführung "Mein Kampf": Theaterfreunde distanzieren sich vom Theater

Als Zuschauer einen Davidstern oder ein Hakenkreuz tragen? Das geht definitiv zu weit, finden viele Konstanzer Theatergänger und Bürger.

Das Drama ist Teil jedes guten Theaters – auf und neben der Bühne. Doch diese Provokation geht vielen zu weit. Eine Woche vor der Premiere des Stücks "Mein Kampf" am Theater Konstanz gibt es massiven Protest gegen die Idee, dass die Zuschauer in der Aufführung für eine Freikarte ein Hakenkreuz oder mit einer regulären Karte einen Davidsstern tragen sollen.

Theaterfreunde distanzieren sich

"Diese beiden Symbole, die für ein Menschheitsverbrechen stehen, dürfen dem Zuschauer nicht als Etiketten angeheftet werden, um dem Spieltrieb einer Theaterinszenierung zu dienen", schreiben Barbara Gerking-Dönhardt, Renate Schwalb, Brigitte Lauf, Rolf Eichler und Christian Schudt von den Theaterfreunden Konstanz.

"Eine perverse Idee"

Minia Joncek von der Jüdischen Gemeinde, Erhard Roy Wiehn, emerirtierter Geschichtsprofessor der Universität Konstanz und Salomon Augapfel von der Israelitischen Kultusgemeinde haben sich mehrfach mit ihrem Protest an das Theater gewandt. "An Hitlers Geburtstag Hakenkreuze gegen Freikarten zu verschenken, halten wir nach wie vor für eine perverse Idee", so Wiehn. Ruth Frenk und Heinz Freudenberger schreiben im Namen der Deutsch-Israelischen Gesellschaft und des Vereins für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit in Konstanz: "Die Geschmacklosigkeit hat Programm. Die Premiere findet an Hitlers Geburtstag statt. Wir sind der Meinung, dass dieser bizarre "Marketing-Gag" nicht akzeptabel ist. Es gibt eine dritte Option: Man kann auch keine Theaterkarte kaufen." 

"Kein Marketing-Gag, sondern wohl abgewogen"

Das Theater hält dagegen: "Wir verstehen Ihre Sorge und nehmen diese ernst", so Dramaturg Daniel Grünauer. "Die künstlerischen Entscheidungen in der Inszenierung sind beileibe kein Marketingag, sondern wohl abgewogen. Wir möchten ihnen gerne nahelegen, diese Aktion als eine Auseinandersetzung und dringenden Hinweis darauf zu verstehen, wie korrumpierbar und verführbar auch heute Menschen für den Faschismus sind".

Auf Anfrage bezieht auch Kulturbürgermeister Andreas Osner Stellung: "Die Symbole 20. April als Geburtsdatum Hitlers, Hakenkreuz und NS-Davidstern für diese Provokation zu instrumentalisieren, ist für mich emotional schwer zu ertragen. Hier wird mit den Gefühlen unserer jüdischen Mitbürger gespielt und ich frage mich, ob der Preis für diese politische Debatte nicht zu hoch ist". Wird er sich das Stück ansehen? "Auch wenn ich George Tabori klasse finde: Unter diesen Umständen kann ich die Aufführung nicht ansehen."

Die öffentliche Zurschaustellung von NS-Symbolen ist in Deutschland nach den Paragraphen 86 und 86a des Strafgesetzbuches verboten. Allerdings verweist das Theater auf die künstlerische Freiheit und darauf, dass die Inszenierung schon mit dem Kartenkauf beginnt. Zur rechtlichen Lage kommentiert Andreas Osner: "Ich gehe davon aus, dass das Theater den juristischen Sachverhalt bezüglich der Abwägung von Strafbarkeit und Kunstfreiheit gründlich geprüft hat. Der Intendant ist ja ausgewiesener Jurist und weiß sicher aus rechtlicher Sicht, was er tut."

Aktualisierung vom 13. April:

Das Theater Konstanz hat am 13. April die Bedingungen für den Theaterbesuch von "Mein Kampf" entschärft. Wie das Theater in einer Pressemitteilung erklärt, wird es "jedem Zuschauer, der eine Karte zum regulären Preis kauft freigestellt, den Davidstern als Zeichen der Solidarität mit den Opfern der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft zu tragen. Alle Zuschauer, die das Premierendatum als Provokation empfinden, können ihre Karten für den 20. April gebührenfrei an der Abendkasse umtauschen."

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