Es ging um die besten Ideen für die Zukunft. Als vor 600 Jahren weltliche wie geistliche Machthaber in Konstanz zum Konzil zusammenkamen, ging es, wie man heute sagen würde, um ein Konzept. Sie rangen um eine konsensfähige Idee, wie ein drängendes Problem zu lösen wäre. Von 1414 bis 1418 galt es, die Kirche zukunftsfest zu machen und eine Spaltung zu überwinden.

Es um die gemeinsame Arbeit an guten Ideen

Wenn heute eine Veranstaltungsreihe dieses Bild aufgreift, stehen nicht abweichende Glaubenslehren, sondern andere Herausforderungen im Fokus. Zum Beispiel die, wie sich die Vierländerregion rund um den Bodensee im globalen Wirtschaftswettbewerb aufstellt. Es ist ein Schritt auf dem Weg zur Umsetzung des Anspruchs, für Europa eine Modellregion zu werden – mit Vielfalt in den Details und Einigkeit im Großen. Willkommen beim Wirtschaftskonzil.

Bereits seit 2014 wird auf Wirtschaftskonzilen diskutiert

Während Stadt und Region seit 2014 an Vergangenes erinnerten, sollte immer auch die Zukunft mitgedacht werden. Und dieses Bemühen findet am Freitag, 29. Juni, in Konstanz zwar hoffentlich keinen Abschluss, aber es erlebt zweifellos einen Höhepunkt. Nach einem großen Auftakt und kleineren Folgeveranstaltungen in der Nachbarschaft steht jetzt das Finale im Bodenseeforum direkt am Seerhein bevor.

Minister, Regierungschefs, EU-Kommissar: Alle kommen sie nach Konstanz

Im Bodenseeforum sprechen bekannte und prominente Gäste, unter ihnen: Johann Schneider-Amann, Schweizer Bundesrat und Vorsteher des Eidgenössichen Departements für Wirtschaft, Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann, seine Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut und – am Tag vor dem für den Fortbestand der schwarz-roten Berliner Koalition möglicherweise entscheidenden EU-Gipfel – der Brüsseler Haushaltskommissar Günther Oettinger. Die Moderation des Tages übernimmt SÜDKURIER-Chefredakteur Stefan Lutz.

Warum sich zwei der Macher besonders auf den Tag freuen

Zwei, die mit besonderer Spannung auf das Wirtschaftskonzil blicken, sind Eric Thiel und Klaus-Dieter Schnell. Thiel ist Geschäftsführer der Konstanzer Marketing und Tourismus GmbH und freut sich natürlich über die hochkarätige Veranstaltung in der Stadt. Ihm ist aber auch das Miteinander in der Grenzregion wichtig. Nach Stationen in Liechtenstein und Bregenz ist er sich sicher: "Gemeinsam finden wir hier in der Vierländerregion die besseren Ideen." Das sieht Schnell ähnlich, er ist Geschäftsführer der Internationalen Bodenseekonferenz (IBK). In ihr sind zehn Länder und Kantone rund um den See zusammengeschlossen, die gemeinsam für mehr Wirtschaftsleistung stehen als ganz Finnland. Der Kanton Schaffhausen hat dieses Jahr den IBK-Vorsitz, die Federführung für das Wirtschaftskonzil liegt noch aus dem Vorjahr bei Liechtenstein. Auch das ist Europa.

Das Thema Digitalisierung schwebt auch über diesen Tag

Inhaltlich geht es um die Geschäftsmodelle der Zukunft – auf globaler Ebene mit dem Schweizer Zukunftsforscher Georges Roos, konkret mit Fallbeispielen aus der Region. Wie gut die Chancen für innovative Neugründungen (Start-Ups) sind, wird in kleineren Gruppen zwischen den Vorträgen ebenso behandelt wie neue Ansätze für das Lernen und Arbeiten in den Zeiten der Digitalisierung. Zwischendurch, versprechen die Veranstalter, bleibt auch viel Zeit für die Begegnung – denn auch das macht ein Konzil aus, 1418 ebenso wie 2018.

Übrigens: Noch kann man sich anmelden!

Die Teilnahme am Wirtschaftskonzil am Freitag, 29. Juni, von 8.30 bis 17 Uhr ist noch möglich. Sie kostet 45 Euro; das Programm und die Möglichkeit zur Reservierung gibt es hier.

 

Hochkarätige Gäste beim Wirtschaftskonzil: Vier von vielen interessanten Teilnehmern

Günther Oettinger, EU-Kommissar für Haushalt und Wirtschaft: Er spricht zum Thema "Europa in Veränderung – Chance für eine starke Bodenseeregion". Was die EU und ihre Nachbarn derzeit durchmachen, kennt er aus eigener Anschauung, seit 2010 ist er EU-Kommissar. Mit dem Bodensee ist er ebenfalls vertraut: Von 2005 bis 2010 war der CDU-Mann Baden-Württembergs Ministerpräsident.

Johann Schneider-Ammann, Bundesrat und Vorsteher des Eidgenössischen Departements für Wirtschaft, Bildung und Forschung, ist der Wirtschaftsminister des Nachbarlandes. Der Schweizer Regierung gehört der Unternehmer seit 2010 an, politisch ist der bei den Liberalen beheimatet. 2016 war er im Jahresturnus als Schweizer Bundespräsident an der Reihe und besuchte in der Funktion zweimal Deutschland.

Winfried Kretschmann, Baden-Württembergs Ministerpräsident, ist beim Wirtschaftskonzil Schneider-Ammans Partner beim Programmpunkt "Neue politische Ansätze für die Bodenseeregion". Kretschmann kennt sie gut, er lebt in der Nähe von Sigmaringen und ist oft am See zu Gast. Gleichzeitig gilt der erste grüne Regierungschefs eines deutschen Bundeslands als großer Bewunderer der Schweiz.

Nicole Hoffmeister-Kraut, Wirtschaftsministerin im Südwesten, war bereits Rednerin bei der Eröffnung des Konstanzer Tagungshauses Bodenseeforum im Oktober 2016. Bei ihrem neuerlichen Besuch dort setzt sie zusammen mit dem Schaffhauer Regierungspräsidenten und Vorsitzenden der Internationalen Bodenseekonferenz, Christian Amsler, den Schlusspunkt unters Wirtschaftskonzil. (rau)