Konstanz Problemkind Gassenfreitag: Eine Zwangspause ist vorerst abgewendet

Eine Zwangspause für den Gassenfreitag ist vorerst abgewendet. Nachdem sich Vertreter aus Gastronomie, von Anwohnern, des Organisators und Bürgeramts am Runden Tisch über die Probleme bei der Veranstaltung ausgetauscht haben, sind sich so gut wie alle Seiten einig: Sie wollen Mittel und Wege finden, die ausgeuferte Feier wieder in ihre Bahnen zu lenken. Doch es prallen durchaus Welten aufeinander.

Eine Zwangspause für den Gassenfreitag ist vorerst abgewendet. Nachdem sich Gastronomen, Anwohner, Organisator und Vertreter des Bürgeramts am Runden Tisch über die Probleme bei der Veranstaltung ausgetauscht haben, sind sich so gut wie alle Seiten einig: Sie wollen Mittel und Wege finden, die ausgeuferte Feier wieder in ihre Bahnen zu lenken. Doch es prallen durchaus Welten aufeinander.

Von einer Krisensitzung spricht niemand. Als solche kann die Zusammenkunft zum Runden Tisch allerdings gesehen werden. Vor fast einem Monat hatte Wolfgang Starke vom ausrichtenden Förderverein Niederburg Vital angekündigt, bei anhaltendem Ärger "eine Verschnaufpause" einlegen zu wollen. Der Kreis der Betroffenen wäre groß gewesen. In erster Linie hätten die vielen Besucher der Gassenfreitage auf eine beliebte Veranstaltung verzichten müssen. Gastronomen und Betreiber der Geschäfte hätten das Nachsehen gehabt – einmal im Monat standen sie bei dieser Art des langen Verkaufsabends im Mittelpunkt. Hatte Niederburg Vital den Gassenfreitag vor neun Jahren deswegen ins Leben gerufen: zur Belebung des ältesten Stadtteils in Konstanz. Für viele Menschen endet der Bummelweg in Richtung Rhein am Münster. 

Betroffene, das sind auch die Anwohner. Weil die Gassen der Niederburg eine heimelige Atmosphäre bieten, weil Musikgruppen unterhalten, die Gastronomen ausschenken, hat sich der Aktionsfreitag aufgrund des Andrangs zum Sorgenkind entwickelt. Die Besucher blieben zuletzt weitaus länger als 22 Uhr, Gastronomen hielten sich offenbar nicht daran, keine Getränke für den Verzehr auf der Straße auszuschenken. Die Lautstärke in den Sträßlein war bis Mitternacht hoch. Beim Bürgeramt, der Ortspolizeibehörde, trudelten Beschwerden über das Feiern ohne Ende, wie es von Anwohnern gegenüber dem SÜDKURIER heißt, ein. Manche Niederbürgler sind so sehr verärgert, dass sie das Ende des Gassenfreitags fordern. Anwohner an der Gerichtsgasse zeigen sich von der Musik eines Diskjockeys genervt; wobei es weniger um die Lautstärke geht, auf die Einhaltung von 85 Dezibel achtet das Bürgeramt. Vielmehr stört die Nachbarn des Café- und Weinlokals "No. elf" dessen Werbung um jüngeres Publikum mit wummernden Technobässen. Das müsse doch nicht jeden Monat sein und wenn, dann reiche bis 21 Uhr, sagen Anwohner.

Das war eines der Themen, um das es beim Runden Tisch im Rathaus ging. Die Art der Musik kann das Bürgeramt als Genehmigungsbehörde nicht vorschreiben, sie hat lediglich Einfluss auf die Lautstärke. Sebastian Graeber, Geschäftsführer des "No. elf", sagt nach dem Treffen allerdings: "Wir wollen ein Signal setzen und guten Willen zeigen." 

Beim anstehenden Gassenfreitag in dieser Woche werde kein Diskjockey Platten auflegen, sondern ein Singer-Songwriter-Paar mit anderem Musikstil unterhalten. Graeber spricht aber auch vom Erfolg seines bisherigen Konzepts. Ihm liege fern, weiter zu provozieren. Und es werde immer so sein, dass er sich mit seinem Programm vom restlichen am Gassenfreitag abgrenzen werde. Graeber schließt für die Zukunft weitere Engagements von Diskjockeys nicht aus. Selbst als in Vergangenheit Blechbläser an seinem Café aufgetreten seien, habe das Anwohnern ebenfalls nicht gefallen.

Der Streit an der Gerichtsgasse steht stellvertretend für weitere Brennpunkte während des Gassenfreitags. Auch hier soll es Entlastung geben. Erste Erfolge seien bei der Auflage im August sichtbar gewesen, sagt Wolfgang Starke von Niederburg Vital. Gastronomen hätten Personal engagiert, das nach 22 Uhr eine Mitnahme von Getränken auf die Gassen unterbunden habe. Es müsse allen Besuchern wie auch Gastronomen klar sein, dass die Lautstärke in der Niederburg nach dieser Uhrzeit auf jene an einem Regelfreitag zurückgehen müsse. Starke bezieht das auch auf Anwohner selbst, die im privaten Kreis vor ihrer Haustüre weiterfeierten. Vom Bürgeramt heißt es hierzu nach dem Runden Tisch: "Das Kundenaufkommen soll nach dem offiziellen Veranstaltungsende dem an anderen Freitagen gleichen und die Bildung von größeren Menschentrauben um die Wirtschaft herum verhindert werden." Die Ortspolizei will jene Lokale strenger kontrollieren, die im Außenbereich bewirten. Sollte sich die Situation nicht bessern und sich Besucher immer noch mit Getränken aus den Gastronomien versorgen können, seien Konsequenzen im Gespräch, erklärt Wolfgang Starke: ein Verbot für Außengastronomie an Gassenfreitagen ab 22 Uhr.

Soweit will Niederburg Vital nicht denken. Wolfgang Starke und seine Mitstreiter sind guter Hoffnung, dass der Gassenfreitag zu alter Qualität zurückfinden wird. Vom Förderverein engagierte Sicherheitsleute und errichtete Absperrungen waren im Juni erste Maßnahmen zu einer Verbesserung der Situation. "Wenn es so weiterläuft, dann hat der Gassenfreitag gute Chancen", sagt Starke. Zwei Bewährungsproben gibt es noch: am kommenden Freitag und am 6. Oktober. "Sollten die vereinbarten Maßnahmen keine Wirkung zeigen, wird man für das Jahr 2018 erneut Gespräche über weiteren Handlungsbedarf führen", erklärt das Bürgeramt.

Die Veranstaltung

Der Gassenfreitag geht auf eine Initiative des Fördervereins Niederburg Vital zurück. Dieser hat die Veranstaltung im Jahr 2008 ins Leben gerufen zur Belebung der Niederburg. Seither hat es 58 Gassenfreitage gegeben. Diese sind zwischen Mai und Oktober stets am ersten Freitag im Monat von 18 bis 22 Uhr. Dann haben die Geschäfte und Gastronomien gehöffnet und bieten Unterhaltungsprogramm mit Musik. An einem Tischflohmarkt können sich Bewohner beteiligen, zudem gibt es spezielle historische Führungen.

 

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