Zu den Gesundheitstagen Bodensee im Bodenseeforum Konstanz, die zum vierten Mal und in Medienpartnerschaft mit dem SÜDKURIER stattfanden, kamen weitaus weniger Besucher als im Vorjahr. Diese Tatsache überraschte in Zeiten der Ausbreitung des Corona-Virus nicht.

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Besucher entscheiden sich nach Risikoabwägung für die Messe

Die an der Messe Interessierten hatten im Vorfeld ihre persönliche Risikoeinschätzung vorgenommen und bewusst ihre Entscheidung zu dem Messe-Besuch getroffen.

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„Ich lasse mich hier kostenlos durchchecken und bekomme Informationen zu meinem Blutdruck, Zucker, Testosteron. Das nutze ich als Vorsorge, um gesund und fit zu bleiben. Corona interessiert mich nicht; ich bin vorsichtig, aber nicht ängstlich.“
Walter Aspelmeyer, Besucher aus Konstanz

Wie in den Fußballstadien: Ellbogengruß und Winken statt Handschlag

Auffallend waren Pragmatismus sowie der achtsame Umgang im zwischenmenschlichen Kontakt. Statt Händeschütteln wurden zumeist andere Begrüßungsvarianten genutzt, von Zunicken über Winken bis hin zum sanften Ellenbogengruß und viele wuschen sich im Verlauf des Tages öfters als sonst die Hände. Das Bekanntwerden des ersten Infiziertenfalls in Singen löste keine Hysterie aus.

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„Das Corona-Virus sehe ich so entspannt wie eine Grippe. Unser Hauptanliegen ist die Information zu gesundem und erholsamem Schlafen. Jene, die Probleme haben, kommen zu uns, aber die generelle Mehrheit ist nicht informiert, was es für tolle Systeme gibt.“
Heinz Hasslinger, Pssst Bettenhaus

Persönlicher Gesundheitscheck ohne längere Wartezeiten

Die Besucher jedenfalls überzeugten durch den pragmatischen Umgang mit dem Thema. Ein Ehepaar schlenderte entspannt zur Eröffnung der Messe. „Vielleicht kommen wegen Corona weniger, dann können wir uns ganz in Ruhe ohne Wartezeit informieren“, meinte der Mann.

Genau das genossen die Besucher: Sie konnten sich in aller Ruhe aus erster Hand fachkundige Tipps und Anregungen von den Fachleuten holen und mussten für ihre persönlichen Gesundheits-Checks kaum Wartezeiten in Kauf nehmen.

Stadträtin Gisela Kusche (links), Stefan Basel, Dezernent Soziales und Gesundheit des Landratsamts Konstanz, Werner Merk, Pressesprecher des Gesundheitsverbunds Landkreis Konstanz, und Messeleiter Martin Kiesling beim Messerundgang.
Stadträtin Gisela Kusche (links), Stefan Basel, Dezernent Soziales und Gesundheit des Landratsamts Konstanz, Werner Merk, Pressesprecher des Gesundheitsverbunds Landkreis Konstanz, und Messeleiter Martin Kiesling beim Messerundgang. | Bild: Scherrer, Aurelia

Erster Corona-Fall im Landkreis wird während Messeeröffnung bekannt

„Corona ist das Thema Nummer eins. Das zeigt aber, wie wichtig gute Aufklärung und Vorbeugung sind“, stellte die Konstanzer Stadträtin Gisela Kusche, die in Vertretung des Oberbürgermeisters die Messe eröffnete, fest.

Sie schätzt die Gesundheitstage aufgrund des vielfältigen Angebots, denn die Besucher könnten sich direkt bei Experten über zahlreiche Gesundheitsthemen informieren und Tipps bekommen, wie man sich gesund und sein Immunsystem fördert, „damit wir uns vor Viren schützen können“, so Kusche.

Das Thema Corona-Virus sei zwar dominant, gleichwohl sei das Krankheitsspektrum weitaus größer, gerade was die steigende Anzahl chronischer Krankheiten anbelange, so Stefan Basel, Dezernent Soziales und Gesundheit des Landratsamtes Konstanz, der nicht nur bei der Messeeröffnung, sondern mehrere Stunden zugegen war, um im direkten Gespräch Aufklärungsarbeit zu leisten. Eben in dieser Zeitspanne wurde der erste Infiziertenfall in Singen bekannt.

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Warum wird es auch weiter keine Vorsorge-Tests für Corona geben?

Basel geht im Gespräch mit dem SÜDKURIER davon aus, dass aufgrund der Südtirol-Heimkehrer weitere Fälle zu erwarten sind. „Wir sind gut aufgestellt. Das Verfahren läuft gut“, stellte er fest, machte aber nochmals deutlich, dass es keine Vorsorge-Tests geben werde. Einer der Hauptgründe: Die Tests bei Personen, die noch keine Symptome zeigten, seien nicht zuverlässig.

Es geht um mehr als Corona: Messe informiert auch über Berufe in der Pflege

Insgesamt verlief die Gesundheitsmesse wie immer. Die Besucher informierten sich gezielt und nahmen an Fachvorträgen teil. „Es ist ein interessiertes Publikum“, wertete beispielsweise Andreas Voß, Direktor der Spitalstiftung Konstanz, welche von Anfang an bei der Gesundheitsmesse präsent ist. Er und sein Team beantworteten sämtliche Fragen zu Pflege und die verschiedenen Möglichkeiten von Pflegeplätzen, darunter das Angebot der Pflege-WGs.

Bei den Gesundheitstagen Bodensee bekamen die Besucher auch außergewöhnliche Einblicke: Hier demonstrierte Henry Saad, Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie, eine Knie-OP anhand eines Modells.
Bei den Gesundheitstagen Bodensee bekamen die Besucher auch außergewöhnliche Einblicke: Hier demonstrierte Henry Saad, Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie, eine Knie-OP anhand eines Modells. | Bild: Scherrer, Aurelia

„Es gab auch Job-Interessierte“, so Voß. Sie nutzten die niederschwellige Gelegenheit, um mit dem Chef persönlich die Möglichkeiten auf einen Arbeitsplatz – auch in der Pflege – zu eruieren.

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Doch nicht nur die Besucher, auch die Aussteller selbst profitierten voneinander. „Wir holen uns immer neue Anregungen“, erzählte Andreas Voß, „Seit einem Jahr bieten wir unseren Mitarbeitern kostenlos Massagen am Arbeitsplatz. Die Idee haben wir von den Gesundheitstagen mitgebracht.“

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